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Hans K. Reisch/Spar

Hans K. Reisch: Weiter Tempo im Osten

Vorstandsdirektor Hans K. Reisch ist unter anderem für den Spar-Filialbereich zuständig. Mit dem Verlauf der Modernisierungsoffensive Supermarkt 2.0 ist er zufrieden, weil Preisaggressivität und Wohlfühlatmosphäre mehr Kunden anlocken als früher. Das Ziel ist klar: Wie in der Vergangenheit will er Markt- anteile dazugewinnen.

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© Markus Wache

CASH: Wie im Handel üblich, laufen Modernisierungsoffensiven im Filialbereich über Jahre hinweg. Bei Spar ist es aktuell die Offensive Supermarkt 2.0. Wie weit ist man bereits mit der Umsetzung?
Hans K. Reisch: Wir haben 2016 mit den ersten Teststandorten und dem Finetuning begonnen, 2017 den Rollout gestartet und Ende 2018 hatten wir bereits 56 Spar-Supermärkte und achtzehn Eurospar auf das neue Ladenkonzept umgestellt. Für heuer planen wir rund fünfzig Standorte, die umgestellt werden sollen.Es gibt Versuche, die Spar-Supermärkte auf Eurospar umzustellen.

Geht das eigentlich schon über das Versuchsstadium hinaus?

Das sind keine Versuche, sondern das machen wir dort, wo es der Standort und die Raumordnung zulassen. In Oberösterreich geht das aufgrund der Raumordnung leichter als beispielsweise in Salzburg.

Und dann geht’s weiter vom Eurospar zum Interspar?
Wir versuchen auch das. Wir möchten, dass die Formate von der jeweiligen Kategorie in die nächst höhere hineinwachsen, aber das hängt wie gesagt auch von der Raumordnung ab.Bei Spar will man auch Marktleiter dafür gewinnen, den einen oder anderen Markt als Kaufmann zu übernehmen.

Sie sind für die Filialen zuständig – blutet Ihnen da nicht das Herz, wenn Sie Filialen an das Ressort Einzelhandel Ihres Kollegen Fritz Poppmeier verlieren?
Wenn ein Markt aus dem Filialbereich von einem Kaufmann übernommen wird, dann können Sie davon ausgehen, dass das eine wohlüberlegte konzernale Entscheidung ist.

Kommen wir nochmals auf die Umstellung Spar-Supermarkt auf Supermarkt 2.0 zurück. Hat das wirklich mehr Umsatz gebracht?
Ja. Wir verzeichnen generell bei den umgestellten Standorten eine höhere Kundenfrequenz und damit einhergehend eine überdurchschnittliche Umsatzentwicklung. Besonders gut ist sie im Bereich Frische und im Snackbereich.

Die Preispolitik am Markt ist sehr aggressiv. Welche Rolle spielt das für dieses Supermarkt-Modell?
Preisaggressivität ist immer wichtig. Aber daneben ist uns der Wohlfühlfaktor besonders wichtig.

Das kann aber sehr viel sein …

… wir legen sehr großes Augenmerk auf die Funktionalität für die Kunden und die Mitarbeitenden.

Wie weit umfasst diese Offensive auch die Digitalisierung am POS und wo will man landen?

Die Digitalisierung spielt sich im Handel eher hinter den Kulissen ab. Aber für den POS haben wir soeben beschlossen, Digital Signage in allen neuen Eurospar-Märkten umzusetzen. Wir haben festgestellt, dass das positive Auswirkungen auf die Kunden hat.

Und wie wichtig sind Testfilialen, in denen neueste Technologien ausprobiert werden?
Ich finde sie sehr wichtig, wir haben jetzt fünf davon. Unseren nächsten Innovationstore eröffnen wir in Linz bei der Johannes Kepler Universität. Bei allen Tests geht es uns immer darum herauszufinden, was die spezielle Innovation den Kunden, was den Mitarbeitern bringt.

Welche Karten- und Zahlungssysteme haben bei der Spar Zukunft?
Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich das Zahlungsverhalten der österreichischen Kunden nur langsam ändert und Bargeld nach wie vor die dominante Zahlungsart im Lebensmitteleinzelhandel ist. Andererseits können sich Innovationen, die sowohl für den Kunden wie auch den Handel einen echten Mehrwert bieten, sehr rasch im Alltag etablieren. Das konnte man zuletzt bei NFC-Kartenzahlungen beobachten. Mobile Payment steht in den meisten europäischen Ländern erst am Anfang, man wird sehen, wie die Entwicklung weitergeht. Unser Ziel ist, den Kunden alle gängigen Zahlungsvarianten anzubieten und laufend Innovationen zu evaluieren.

Eine Karte, die Kundenkarte, fehlt. Das heißt – fehlt sie der Spar überhaupt – oder doch nicht?
Wir wollen für unsere Kunden keine Einschränkungen. ­Rabatte, Aktionen und dergleichen gibt es für alle unsere Kunden.

Bei Hervis gibt es aber eine Kundenkarte, Hervis gehört in Ihr Ressort. Werden Hervis-Kunden ohne Karte eingeschränkt?
     
Nein, und das kann man mit dem LEH überhaupt nicht vergleichen. Die Hervis-Kundenkarte ist dem intensiv ausgebauten Multichanneling geschuldet und dass man sich da mit Nonfood-Artikeln auseinandersetzt. Das funktioniert anders als im LEH.    

Für den LEH ist Wien der Hotspot, jeder will dort seine Präsenz verstärken. Gilt das auch für die Spar und Spar Gourmet?
   
Selbstverständlich. Wir sind etwa mit Spar Gourmet, das Format speziell für den urbanen Bereich, noch lange nicht dort angelangt, wo wir hinwollen. Wenn die Standortqualität und das Klientel passen, realisieren wir ihn. In Kürze eröffnen wir den 53. Markt.    

In welchen Bundesländern möchten Sie noch Terrain erobern?    
In allen, Schwerpunkt ist aber nach wie vor der Osten, und wie gerade angesprochen, besonders Wien und der Speckgürtel um Wien.    

Was ist Ihr Rezept, um den USP der Spar-Filialen zu stärken?    
Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken. Das bedeutet, vor allem die Funktionalität für die Kunden zu verbessern, etwa, indem wir die Bedienung unter dem Motto „Fein, dass es das noch gibt“ hochhalten. Darauf richten wir auch unsere Mitarbeiterausbildung aus. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Sortimentsausbau im Bereich Regionalität und Lokalität.    

Als Vorstand sind Sie unter anderem auch für die Produktionsbetriebe Tann und Weingut Schloss Fels verantwortlich. In Tann wurde viel Geld investiert. Was erwarten Sie sich davon?    
Das Ziel ist, dass wir die Dienstleistung für die Filialen und Kaufleute weiter steigern und die Spezialisierung je Produktionsstandort vorantreiben. Wir haben 2018 die Tann-Produktionsbetriebe in Graz und Wörgl komplett erneuert und erweitert. In Italien haben wir mit einem ganz neuen Tann-Werk in Monselice (nahe Padua/Italien, Anm. d. Red.) begonnen. Heuer haben wir mit dem Ausbau des Tann-Werks in St. Pölten gestartet und werden Monselice fertigstellen. Alles in allem investieren wir rund 180 Millionen Euro in diese Werke.    

Das Weingut Schloss Fels ist auch so ein Fixstern am Produktionshimmel der Spar. Was muss man tun, um am Markt immer ganz vorne mitzumischen?  
 
Es ist vor allem wichtig, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben und nicht zu vergessen, dass man auch im Preis­einstiegsbereich mit guten Qualitäten punkten muss. Man muss qualitativ mit den Top-Winzern mithalten, um am Markt mitmischen zu können. Deshalb arbeiten wir auch mit einem vielfältigen Team von international erfahrenen Top-Önologen, das sichert uns eine absolute Alleinstellung im heimischen Lebensmittelhandel. Spar ist mit über einhundert Hektar eigenen Weingärten eines der größten Weingüter Österreichs.    

Im LEH ist Spar die starke Nummer zwei und feiert heuer das 65-jährige Firmenjubiläum. Worüber würden Sie sich am Ende des Jahres im Filialbereich besonders freuen?
       
Wenn wir alle geplanten Expansionen und Umbauten plan- und zeitmäßig umgesetzt haben und gleichzeitig ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum auf bestehender Fläche erzielen können, damit wir wie in den letzten Jahren wieder Marktanteile dazugewinnen.    

Herr Reisch, ich bedanke mich für das Gespräch! 

Hans K. Reisch über
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- Handelsimmobilien: die besten zu uns und lieber ­besitzen als mieten
Anzahl Spar-Märkte in Österreich
- Spar-Supermärkte: 507 (315.000 m² Verkaufs­fläche)
- Eurospar: 169 (VKFL.: 244.500 m²)
- Spar Gourmet: 51 (VKFL.: 29.500 m²)
Alle Angaben Stand Ende 2018

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