Tchibo/Eduscho: Harald J. Mayer: Gut aufgeste...
 
Tchibo/Eduscho

Harald J. Mayer: Gut aufgestellt

Mit einem einzigartigen Vertriebssystem und einem qualitativ hochwertigen Sortiment begeistert Tchibo/Eduscho seine Kunden. Im CASH-Interview spricht Geschäftsführer Harald J. Mayer über die Zusammenarbeit mit dem LEH, die aktuellen Kaffeetrends und die kommende Weihnachtssaison.

Galerie: Harald J. Mayer im CASH-Interview: Gut aufgestellt

CASH: Herr Mayer, die letzten drei Monate des Jahres sind für Tchibo/Eduscho üblicherweise besonders wichtig, weil sie großen Einfluss auf die Gesamtentwicklung des Unternehmens haben. Mit welchem Gefühl starten Sie in diese spannende Zeit?
Harald. J. Mayer: Mit einem sehr guten, denn Tchibo/Eduscho hat sich im Weihnachtsgeschäft in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und sich als einer der wichtigsten Geschenkeanbieter Österreichs etabliert. Unser Non-Food-Anteil am Umsatz, der in den ersten neun Monaten des Jahres bei etwa 65 Prozent liegt, klettert in diesem Zeitraum auf stolze 80 Prozent. Das unterstreicht unsere Bedeutung in diesem Segment eindrucksvoll. Das aktuelle Geschäftsjahr verläuft nach Plan, und ich gehe davon aus, dass wir mit etwa 315 Millionen Euro Umsatz das Vorjahresergebnis wiederholen werden.

Das Geschäft mit Bekleidung, Schmuck, Haushaltsartikeln oder Sportwaren läuft hierzulande sehr erfolgreich. In deutschen Medien war zuletzt von einer konzernweit rückläufigen Entwicklung zu lesen. Haben die Österreicher mehr Lust auf Non Food?
Es sieht fast danach aus, und wir freuen uns, dass wir den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kunden gerecht werden können – und zwar sowohl mit unserem Sortiment, als auch mit unserem einzigartigen Vertriebssystem. Unsere Produktmanager, die kontinuierlich auf der Suche nach neuen Inspirationen und Sortimentstrends sind, machen einen hervorragenden Job, damit wir mit unseren wöchentlich wechselnden Themenwelten gut aufgestellt sind. Zudem erfüllen alle unsere Produkte sowohl hohe Ansprüche in Bezug auf qualitativ hochwertige Verarbeitung und attraktives Design, als auch in puncto Nachhaltigkeit. Denn nachhaltiges Wirtschaften ist nicht nur ein wesentliches Ziel unserer langfristig ausgelegten Geschäftstätigkeit, sondern auch ein Thema, das für die Konsumenten immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Was bedeutet nachhaltiges Wirtschaften für Tchibo/Eduscho?
Wir leben Nachhaltigkeit im Unternehmen ganzheitlich. Beim Non-Food-Sortiment legen wir großen Wert auf den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe, wie zum Beispiel Bio-Baumwolle oder FSC-zertifiziertes Holz. Außerdem setzen wir uns für den Schutz von Umwelt und Menschenrechten in den Lieferketten sowie die Verbesserung der Umwelt-, Arbeits- und Sozialstandards ein. Und dann verzichten wir seit 2016 als Vorreiter im Handel auf Einwegsackerln aus Plastik, kooperieren beim Thema Kaffee mit allen anerkannten Standardorganisationen und bieten unseren Kunden ein Kaffeekapsel-Recyclingsystem an.

Sie haben vorhin Ihr Vertriebssystem angesprochen. Als Cross-Channel-Händler treiben Sie die Verzahnung von eigenen Filialen, Onlineshop und flächendeckender Präsenz konsequent voran. Wie verteilt sich denn Ihr Gesamtumsatz auf die einzelnen Vertriebskanäle?
Ich verstehe natürlich, dass Sie diese Frage brennend interessiert, möchte sie aber aus Wettbewerbsgründen nicht beantworten. Was sich aber schon seit Längerem deutlich zeigt, ist, dass die Verbraucher nicht mehr zwischen Onlineshop und stationärer Filiale unterscheiden. Im Fokus steht ein emotionales Einkaufserlebnis, das wir über unser einzigartiges Vertriebssystem jederzeit bieten können. Unsere Mitarbeiter stehen den Kunden in unseren derzeit rund 140 modern gestalteten Filialen beratend zur Verfügung und sind zudem mit Tablets ausgestattet, um die digitale Welt mit dem Vor-Ort-Angebot zu verbinden. Um diese Verzahnung noch weiter zu verstärken, bieten wir seit Kurzem auch einen Click-&-Collect-Service an.

Und wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit dem LEH?
Auch hier sind wir sehr zufrieden und schätzen diese Partnerschaft sehr. Bei einigen unserer Handelspartner sind wir im Röstkaffeeregal sogar mit unserem eigenen Möbel vertreten, was deutlich unterstreicht, wie sehr man unserem Qualitätsversprechen vertraut. Insgesamt sind wir im österreichischen Handel in 5.000 Geschäftsstellen vertreten; bei rund 1.000 bieten wir auch unser Non-Food-Sortiment in Form von Shop-in-Shop-Konzepten an.

Im LEH gewinnt man derzeit den Eindruck, dass sich die Geschäfte nur mehr über den Preis steuern lassen. Was halten Sie von den Rabattschlachten, und wie sehr wirken sich diese auf Ihre Kooperation aus?
Im Handel geht es naturgemäß darum, sich im härter werdenden Wettbewerb zu positionieren und die Kunden in die eigenen Geschäfte zu locken. Dass sich da im Moment sehr viel über den Preis abspielt, ist nicht zu leugnen, allerdings kann und möchte ich die Strategie unserer Handelspartner nicht kommentieren. Als Lieferant treffen uns die Aktionen aber nicht, weil wir unseren Partnern ein maßgeschneidertes und fix und fertig geschnürtes Package anbieten. Das bedeutet, wir arbeiten mit den Händlern auf Kommissionsbasis zusammen, inszenieren unseren Marken- und Produktauftritt selbst und nehmen nicht verkaufte Ware anstandslos wieder zurück. Wir wollen uns in diesem Preisumfeld gut und sauber darstellen. Rabatte sind in unserer Kalkulation nicht vorgesehen.

Heißt das, Tchibo und Eduscho Kaffee ist von den Warengruppenrabatten ausgenommen?
Ja, denn es ist uns wichtig, dass die Verbraucher, egal ob sie beim Bäcker, in der Filiale oder im Lebensmitteleinzelhandel einkaufen, unseren Kaffee frisch, unseren Qualitätsansprüchen entsprechend und zum selben Preis vorfinden. Wir wollen in all unseren Verkaufskanälen einheitlich auftreten. Das heißt aber nicht, dass unsere Kaffees nie in Aktion gekauft werden können – ganz im Gegenteil. Aber wir legen Preis und Zeitraum in einem Vertragswerk fest, das die Basis unserer Zusammenarbeit ist.

Sie sind nicht nur Geschäftsführer von Tchibo/Eduscho, sondern auch Präsident des Österreichischen Kaffee- und Teeverbands. Welche Trends kennzeichnen denn aus Ihrer Sicht das aktuelle Marktgeschehen?
Österreich ist mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 7,3 Kilogramm pro Jahr und einem Konsum von rund drei Tassen täglich ganz klar ein Land der Kaffeetrinker und liegt im europäischen Spitzenfeld. Aktuelle GfK-Daten zeigen, dass sich der Anteil der Kaffeevollautomaten seit dem Jahr 2003 von 9,1 Prozent auf 38,1 Prozent mehr als verdreifacht hat. Die tassengenaue Zubereitung auf Knopfdruck hat den Kaffeemarkt damit nachhaltig revolutioniert und die klassische Filterkaffeezubereitung zurückgedrängt. Während der Anteil der Filterkaffeemaschinen 2003 noch bei 74,2 Prozent lag, erreicht er heute nur noch einen Wert von 30,8 Prozent.

Was bedeutet das für Tchibo/Eduscho als Kaffeeanbieter?
Wir haben auf diese Bedürfnisse der Kunden reagiert und uns mittlerweile als Vollanbieter für Filterkaffee, Espresso/Caffè Crema und Einzelportionen etabliert. Wir sind in allen drei Segmenten führend am österreichischen Markt und bieten für jeden Kaffeegeschmack das richtige Heißgetränk. Neue Maßstäbe haben wir mit unserem Premium-Kapsel­kaffeesystem Qbo gesetzt, das nicht nur Kaffee in höchster Barista-Qualität garantiert, sondern den Kaffeegenuss auch so individuell und einfach wie noch nie macht. Unsere Qbo You-Rista ist aus technologischer Sicht durch die Kombination mit der eigenen App, einer Timer-Funktion oder der Steuerung über die Sprachassistentin Alexa absolut „state of the art“ und einzigartig am Markt.

Die eigenen Filialen gibt es aber nicht mehr, wenn ich mich nicht täusche ...
Ja, das stimmt. Wir haben bemerkt, dass wir in Verbindung mit der Marke Tchibo/Eduscho weitaus schneller wachsen können, und setzen deshalb auf ein Shop-in-Shop-Konzept in unseren bestehenden Filialen. Aktuell gibt es österreichweit etwa 25 Shop-in-Shops, in denen unsere Kunden in die Qbo Welt eintauchen und den einzigartigen Qbo-Kaffeegenuss erleben können. Zusätzlich sind die Qbo-Maschinen sowie Qbo-Kaffeewürfel in allen Tchibo/Eduscho-Filialen österreichweit erhältlich. Damit ist es uns auch gelungen, neue Kunden anzusprechen, die sich zuvor weniger für Tchibo/Eduscho interessiert haben. Eine echte Win-Win-Situation sozusagen.

Herr Mayer, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Tchibo/Eduscho (Austria) – Facts
Umsatz 2018: rd. 315 Mio. Euro (Schätzung)
Vertriebssystem: Cross-Channel-Anbieter mit eigenen Filialen, Online-Shop und Depots im LEH, darüber hinaus: Coffee-Service für die professionelle Rundumversorgung außer Haus
Umsatzanteile Sortiment ganzjährig: Food: 35 %, Non Food: 65 % Umsatzanteile Sortiment zu Weihnachten: Food: 20 % Non Food: 80 %
Filialen: ca. 140 (durchschnittlich 150 m2 Verkaufsfläche), 9 Tchibo-Marktplätze (durchschnittlich 800 m2 Verkaufssfläche) Depots in Fach- und Lebensmittelhandel: ca. 5.000, darunter 1.000 mit Non-Food-Angebot
Mitarbeiter: rd. 1.100 Firmensitz: Gadnergasse 71, 1110 Wien
Web: www.eduscho.at
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