Hofer: Horst Leitner: Hofer soll Nr. 1 im LEH...
 
Hofer

Horst Leitner: Hofer soll Nr. 1 im LEH bleiben

Horst Leitner hat nicht lang gezögert und das Angebot von Hofer, als CEO die Geschicke des Diskonters in Österreich und einigen anderen Ländern zu lenken, gleich angenommen. Für ihn ist Hofer ein regionaler Nahversorger mit One-Stop-Shopping Qualität, beides will er ausbauen.

Horst Leitner: „Ein wesentliches Merkmal von Hofer als erfolgreicher Diskonter ist der hohe Anteil an Eigenmarken. Daran halten wir in Zukunft ebenso fest und werden unsere Eigenmarken kontinuierlich weiterentwickeln."
© Hofer KG
Horst Leitner: „Ein wesentliches Merkmal von Hofer als erfolgreicher Diskonter ist der hohe Anteil an Eigenmarken. Daran halten wir in Zukunft ebenso fest und werden unsere Eigenmarken kontinuierlich weiterentwickeln."
CASH: Herr Leitner, dass Herr Helm, also Ihr Vorgänger, Hofer verlassen hat, war für die meisten in der Branche sehr überraschend, auch für uns. Wie lange haben Sie gebraucht, um zu Ihrem nächsten Karriereschritt als CEO von Hofer Ja zu sagen?
Horst Leitner: Ich habe keine Sekunde gezögert. Bei so einem tollen Angebot ist mir die Entscheidung sehr leicht gefallen. Nach fast acht Jahren in den USA die Möglichkeit zu haben, eine der spannendsten Positionen im Lebensmittelhandel in Zentraleuropa zu übernehmen, war eine Gelegenheit, die nur selten kommt. Natürlich hat die Tatsache, für die neue Stelle in meine alte Heimat zurückzukehren, die Entscheidung zusätzlich positiv beeinflusst.

Worin liegt der große Unterschied zwischen dem jetzigen Job und Ihrem bisherigen?
Ein wesentlicher Unterschied ist die Marktgröße, genauso kulturelle Aspekte wie die Konsumentengewohnheiten, die sich auch in der Zusammensetzung der Warengruppen widerspiegeln. Und das Thema „Nachhaltigkeit“ wird in Amerika anders interpretiert als in Österreich. Ich profitiere auf jeden Fall sehr von meinen internationalen Erfahrungen, denn es schärft den Blick für den heimischen Markt und die Kundenwünsche.

Sie kennen die Hofer KG ja nach 26 Jahren mehr oder weniger in- und auswendig. Mit diesem Wissen: Wo werden Sie Ihre Schwerpunkte setzen?
In unserem Selbstverständnis als regionaler Nahversorger wollen wir uns künftig am Point of Sale noch mehr auf Frische und Regionalität konzentrieren und das Angebot für unsere Kunden dementsprechend weiter ausbauen. Daneben werden wir unserer Kern-DNA, dem Diskontprinzip, stets treu bleiben. Unsere Kunden können sich immer auf den Hofer-Preis verlassen. Höchste Qualität, Frische und Regionalität zum attraktiven Preis werden heute wie in Zukunft unser Anspruch sein.

2017 ist Hofer das erste Mal im Nielsen-Universum abgebildet worden, 2018 gibt es also schon die Vergleichsmöglichkeit, auch wenn Hofer gemeinsam mit Lidl ausgewiesen wird. Welche Entwicklung in diesem Zeitraum können Sie schon feststellen, auch wenn die endgültigen Facts ja noch nicht vorliegen?
Die Zusammenarbeit mit AC Nielsen bietet uns die Möglichkeit detaillierte Auswertungen einzelner Warengruppen im Vergleich zum Markt vorzunehmen. Die ersten Erkenntnisse, die wir ziehen können sind zum Beispiel die steigende Bedeutung von Eigenmarken am europäischen Markt oder das große Wachstum von Bio-Lebensmitteln in Österreich. Unsere Stärken, aber auch Potenziale werden durch die detaillierte Auswertung und die Vergleichsmöglichkeiten deutlich. So attestiert uns Nielsen beispielsweise, dass die Kategorie „Frische“ eine klare Hofer-Stärke ist. Unsere konsequenten Bemühungen zu diesem Thema ernten somit Früchte. Wir können Markttendenzen ablesen und dadurch noch gezielter Schwerpunkte setzen.

Es gibt ja gerade im Diskont sehr unterschiedliche Interpretationen zum Vertriebstyp. Ihr Vorgänger hat ihn zuletzt als One-Stop-Shop bezeichnet. Wie bezeichnen Sie die Hofer-Läden? Supermarkt? Softdiskonter? Und was bedeutet das dann letztendlich in der Umsetzung?
Hofer hat sich vor mittlerweile 51 Jahren mit dem damals typischen Palettenverkauf am Markt etabliert und schrittweise immer mehr Kunden begeistert. Unser heutiges Verständnis von Diskont hat mit den damaligen Attributen nicht mehr viel zu tun. Für mich stellt sich daher nicht die Frage, wie wir uns bezeichnen, sondern was wir für unsere Kunden sein wollen. Daher sehe ich Hofer heute als Nahversorger, dessen Ladendesign im Laufe der Jahre immer wieder neu interpretiert und mit neuen Features adaptiert wurde. Dabei bieten wir Top-Eigenmarken, ein fokussiertes Sortiment und ausgewählte Markenartikel zum stets besten Preis-Leistungs-Verhältnis an. Wir beobachten Trends, identifizieren Innovationen und Kundenbedürfnisse wie zum Beispiel Bio, Tierwohl oder vegetarische, vegane Produktlinien und passen unser Angebot laufend an. Auch Nachhaltigkeit ist bei Hofer nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsinitiative „Projekt 2020“ und den verschiedenen Leuchtturmprojekten gelebte Realität. So haben wir es uns etwa mit der Hofer-Verpackungsmission zum Ziel gesetzt, die Verpackungsmenge bis zum Jahr 2025 um 30 Prozent zu reduzieren und die Recyclingfähigkeit bei Eigenmarkenverpackungen bis zum Jahr 2022 auf 100 Prozent zu steigern.

Gerade von Ihnen als neuen Generaldirektor und als Experte des Einkaufsgeschäftes möchte ich natürlich wissen: Wie bzw. werden Sie die Balance zwischen Hofer-Marken und Markenartikeln halten? Wohin wird sich das Unternehmen diesbezüglich entwickeln?
Ein wesentliches Merkmal von Hofer als erfolgreichem Diskonter ist der hohe Anteil an Eigenmarken. Daran halten wir in Zukunft ebenso fest und werden unsere Eigenmarken – auch durch innovative Artikel – kontinuierlich weiterentwickeln. Unser Gespür für Produktinnovationen sehen wir dabei als großen Wettbewerbsvorteil. Durch unsere Nähe zum Kunden und unseren regen Austausch mit Partnern und Lieferanten erkennen wir Trends frühzeitig und können entsprechende Angebote liefern. Gleichzeitig werden Markenartikel weiterhin im Sortiment vertreten sein, denn mit punktuell ausgewählten Top-Brands runden wir unser One-Stop-Shopping-Angebot optimal ab.

Hofer genießt in der Industrie einen sehr guten Ruf. Man werde hart, aber fair behandelt und Vereinbarungen halten. Womit dürfen österreichische Hersteller, auf die Hofer ja großen Wert legt, in Zukunft rechnen? Werden sie auch in Zukunft eine tragende Säule für das Sortiment sein?
Als einer der größten Abnehmer von Produkten der österreichischen Landwirtschaft liegt uns eine gute, intensive und faire Zusammenarbeit mit den heimischen Bauern am Herzen. Denn wir wissen, um eine zuverlässige Qualität garantieren zu können, benötigen wir die richtigen Partner. Daher sind wir bemüht, ihnen faire Preise, Planungssicherheit und langfristige Perspektiven zu bieten. Mit zahlreichen Lieferanten arbeiten wir bereits jahrzehntelang – mit einigen sogar seit Beginn unserer Geschäftstätigkeit – zusammen und daran soll sich auch nichts ändern.

Unter den Diskontern spielt Hofer die tragende Rolle am österreichischen Markt. Das Wachstum hat sich aber schon 2017 abgeschwächt und auch 2018 soll eher der Nicht-Diskontbereich im LEH für Wachstum gesorgt haben. Worauf führen Sie das zurück?
Hofer zählt zu den erfolgreichsten österreichischen Lebensmitteleinzelhändlern. Dies bestätigt auch Platz eins bei der Konsumentenumfrage „Best Retailer“ von CASH und Kantar TNS Austria. Diesen Status haben wir uns erarbeitet und umso mehr setzen wir uns dafür ein, ihn zu halten. Wir widmen unsere Aufmerksamkeit aktuellen Trends und versuchen zu antizipieren, was unsere Kunden wollen und wofür sie sich begeistern. Wenn wir Potenzial erkennen und Testläufe vielversprechende Ergebnisse bringen, so lassen sich selbst für einen Diskonter vielleicht unübliche Geschäftsfelder erfolgreich implementieren. Das zeigen Beispiele wie die BackBox, HoT, FairHof oder ganz aktuell unsere „Zurück zum Ursprung“-Bio-Babynahrung.

Wie sehr machen die Preiskämpfe der Supermärkte, die Tausenden Eigenmarken Hofer zu schaffen? Wahrzunehmen ist ja, dass Hofer in den Flugblättern viel stärker die Preistrommel rührt, mit dem roten Balken im Flugblatt wird man an Penny, an Spar erinnert.
Bei unseren Eigenmarken orientieren wir uns stets an der Qualitätsbenchmark der Markenprodukte und bieten dann ein entsprechendes Pendant von mindestens der gleichen Qualität an – aber zum attraktiveren Preis. In den vergangenen Jahren haben wir unser Frischeangebot laufend ausgebaut. Ebenso stieg das Kundenbedürfnis nach weiteren Preisaktionen, weshalb wir unter anderem mit Samstag einen weiteren Aktionsschwerpunkt in der Woche eingeführt haben. Zudem weisen wir mit dem Hofer-Preiskick zweimal wöchentlich auf ausgewählte Produkte zu besonders günstigen Preisen hin und reduzieren unter „Dauerhaft günstiger“ immer wieder ausgewählte Artikel dauerhaft im Preis. Darüber hinaus wird es heuer auch zeitlich begrenzte Sonderangebote bei Markenartikeln aus dem Standardsortiment geben.

Rewe International startet am 2. Mai mit einem neuen Kundenclub. Was denken Sie über einen Kundenclub für Hofer? Kann es das jemals geben?
Unser Zugang ist es, allen Kunden dauerhaft günstige Preise und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten, ohne jemanden zu bevorzugen. Das sind unsere Kunden gewohnt und darauf verlassen sie sich auch. Derzeit planen wir daher keine Kundenkarte.

Und was steht bei Ihnen im digitalen Bereich, in Sachen Onlineshop, bei E-Commerce im Fokus?
Wir haben das Thema nach wie vor genau im Blick. Sollte die Zeit reif sein, werden wir die passende Antwort liefern. Bis dahin setzen wir weiter auf unseren Service „Hofer liefert“, bei dem Kunden vor allem sperrige Artikel ganz einfach online oder in der Filiale bestellen und anschließend bequem bis nach Hause geliefert bekommen. Dieses Angebot werden wir noch weiter ausbauen.

Was möchten Sie denn als neuer Hofer-Chef in den nächsten fünf Jahren erreicht haben?
Unser Ziel ist, Umsatz und Marktanteil kontinuierlich zu steigern und die Nummer eins im Lebensmitteleinzelhandel zu bleiben. Wir haben uns als Nahversorger einen Namen gemacht – neun von zehn Österreichern kaufen bei Hofer ein. Das spricht für unser modernes Filialnetz und das Wohlfühlambiente in unseren Märkten. Gleichzeitig sehen wir im Bereich Frische noch Potenzial, weshalb wir diesem Thema weiterhin verstärkt unsere Aufmerksamkeit widmen werden. Außerdem suchen wir laufend nach Möglichkeiten, um den Einkauf für unsere Kunden noch angenehmer und komfortabler zu gestalten. Unser Ziel ist, dass wir unser One-Stop-Shopping-Angebot weiterhin optimieren und unser Sortiment entsprechend der Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden erweitern.

Welches Ziel haben Sie über die österreichische Grenze hinaus?
In den Ländern Schweiz, Italien, Ungarn und Slowenien, für die wir ebenso verantwortlich sind, sehen wir noch viele Wachstumschancen. In all diesen Ländern streben wir heuer als auch in den kommenden Jahren weiterhin hohe Zuwachsraten an.

Herr Leitner, vielen Dank für dieses Interview!
Hofer-Facts 2018
  • Umsatz: 4,2 Mrd. Euro
  • Marktanteil: 20,6 % im LEH
  • Anzahl Filialen: mehr als 500
  • Expansion: 22 Neueröffnungen, 19 Modernisierungen
  • Filialflächen: zwischen 382 und 1.412 m²
  • Anzahl Mitarbeiter: mehr als 12.000
  • Anzahl Lehrlinge: 421 (per 31.01.2019)
Horst Leitner (53)
  • ist seit 1. 12. 2018 CEO der Hofer S/E
  • ist seit 1992 für die Unternehmensgruppe Aldi Süd/Hofer tätig.
Karriereweg:
  • Verkauf, Zentraleinkauf
  • Geschäftsführer Zweigniederlassung Weißenbach seit 2006
  • Leitung des Zentraleinkaufs von Hofer S/E
  • ab 2011 Leitung des Zentraleinkaufs Aldi USA
  • seit 2016 Mitglied der Hauptgeschäftsführung Aldi USA
stats