Spar: Gerhard Drexel: Vom Großhändler zum Ton...
 
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Gerhard Drexel: Vom Großhändler zum Tonangeber

Markus Wache

So beschreibt Spar-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel die Reise, die der Lebensmittelhändler in den vergangenen 65 Jahren gemacht hat. Im CASH-Interview zieht der Präsident der Spar-Kaufleute Bilanz und verrät, wohin es in Sachen Eigenmarken und Aktionsanteile in Zukunft gehen soll.

CASH: Herr Drexel, die Spar feiert heuer ihren 65. Geburtstag. Aus dem ursprünglichen Großhandelsunternehmen ist mittlerweile eine erfolgreiche Retail-Company geworden, die von Jahr zu Jahr wächst und auch außerhalb der Grenzen Österreichs erfolgreich Fuß gefasst hat. Worauf sind Sie als Vorstandsvorsitzender besonders stolz, wenn Sie an all das denken, was die Spar bisher erreicht hat?
Gerhard Drexel: Besonders stolz bin ich auf unser fantastisches Team an Mitarbeitern, Kaufleuten und Führungskräften und dass es uns gelungen ist, die heutige Marktposition zu erreichen und dabei zu 100 Prozent ein österreichisches Familienunternehmen zu bleiben. Seit 1990, dem Jahr in dem ich bei der Spar zu arbeiten begonnen habe, konnten wir unseren Marktanteil in Österreich von 16 Prozent auf 32 Prozent verdoppeln. Gleichzeitig haben wir den Auslandsmarkt in den vier Nachbarländern Italien, Slowenien, Kroatien und Ungarn erfolgreich erschlossen, die SES als eigenständige strategische Geschäftseinheit aufgebaut und Hervis weiterentwickelt. Dass wir darüber hinaus in der gesamten Spar eine Unternehmenskultur aufbauen konnten, die sich vor allem durch Menschenfreundlichkeit, Modernität und Unkompliziertheit auszeichnet, macht uns im Wettbewerb einzigartig und nicht kopierbar.

Und wie zufrieden sind Sie mit dem Jubiläumsjahr 2019 bis jetzt?
Wir sind mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2019 sehr zufrieden. Laut Auswertung von A.C. Nielsen sind wir in Österreich im ersten Halbjahr 2019 in Bezug auf die Marktanteile mit deutlichem Abstand zu den Mitbewerbern wieder Wachstumsführer geworden. Wir wachsen aber auch mit Spar in den vier Nachbarländern kräftig und unsere Geschäftsfelder Hervis und SES sind heuer ebenfalls in einem eindeutigen Wachstumsmodus.

Mit 32 Prozent Marktanteil im Vorjahr rücken Sie immer näher zur Rewe auf, die 2018 laut Nielsen-Zensus-Daten einen Wert von 34,2 Prozent erreicht hat. Es gleicht natürlich einem Blick in die Glaskugel, aber wird die Spar bald die Nummer eins im Lebensmittelhandel sein?
Unser erklärtes Ziel ist die Wachstumsführerschaft, die wir unter den Vollsortimentern in den vergangenen neun Jahren neun Mal in Folge erreicht haben. Wenn man die Diskonter miteinbezieht, sind wir in den letzten neun Jahren sieben Mal Wachstumsführer geworden. Für uns ist die Dynamik des Unternehmenswachstums wichtiger als die reine Frage nach der Marktposition.

Aber reizvoll wäre es schon, die Nummer eins zu sein?
Nein kann man darauf natürlich nicht sagen (lacht).

Welchen Anteil haben die Kaufleute an der erfreulichen Entwicklung der Spar und wie wollen Sie diese wichtige Säule des Konzerns, für die Sie als Präsident auch verantwortlich sind, in Zukunft weiter stärken?
Unsere 700 selbstständigen Spar-Kaufleute haben mit einem Umsatzwachstum auf bestehender Fläche von 3,3 Prozent im Jahr 2018 einen besonders hohen Anteil an dieser Wachstumsdynamik. Sie sind – und das ist vor dem Hintergrund unseres 65-Jahr-Jubiläums besonders wichtig zu betonen – zum einen unsere Wurzel und unsere Herkunft, zum anderen aber auch das Herz und lebendige Zentrum der Spar. Wir verfolgen hier seit vielen Jahren eine beeindruckende Modernisierungsoffensive und unterstützen unsere Kaufleute bei der Erneuerung und Vergrößerung ihrer Standorte. Diesen Weg werden wir auch in Zukunft weiter fortsetzen. Darüber hinaus haben wir große Freude am Dialog mit unseren Kaufleuten, ganz nach dem Motto „Jeder kann von jedem etwas lernen“. Das ist ein ganz zentraler Glaubensgrundsatz bei uns.

Zentraler Bestandteil Ihrer Unternehmensphilosophie sind auch die Spar-Eigenmarken, die heute bereits über 40 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie wird sich das Verhältnis von Eigenmarken und Marken bei der Spar denn in den kommenden Jahren entwickeln oder anders gefragt: Wie hoch wird der Eigenmarkenanteil noch klettern?
Wir haben den Umsatzanteil unserer Eigenmarken in den letzten 15 Jahren von damals gut 20 Prozent auf über 40 Prozent signifikant gesteigert und damit unsere Abhängigkeit gegenüber der mächtigen internationalen Markenartikelindustrie reduziert. Und gleichzeitig konnten wir uns durch unsere Eigenmarkenoffensive im Wettbewerb durch stärkere Differenziertheit, Einzigartigkeit und Profilierungskraft abheben. Zu Ihrer Frage nach den künftigen Umsatzanteilen unserer Eigenmarken möchte ich sagen, dass wir dem Denken ganz grundsätzlich keine Grenzen setzen dürfen. Deshalb gibt es bei uns auch keine prozentuelle Zielmarke. Ich bin der Meinung, es soll ein inspirierendes Nebeneinander von Herstellermarken einerseits und Handelsmarken andererseits geben. Beide sollen sich ergänzen und auch beflügeln.

Aus Industriekreisen ist zu hören, dass dieses inspirierende Nebeneinander noch ausbaufähig ist, weil neue Produkte häufig nicht gelistet werden, sich aber dann als Eigenmarke in den Regalen wiederfinden ...
Produktinnovationen der Industrie gefallen uns nur dann nicht, wenn sie entweder an den Konsumentenbedürfnissen vorbei entwickelt wurden oder zum Zeitpunkt ihres Launches einen prohibitiv hohen Einstandspreis haben, der dann in der Folge zu einem prohibitiv hohen Verkaufspreis führt. Das passt dann nicht mit unserer Strategie zusammen. Und zum Thema Kopierfreudigkeit ist Folgendes zu sagen: Wir haben alleine im Geschäftsjahr 2018 hier in Salzburg 990 neue, zum Teil sehr innovative Eigenmarken entwickelt. 400 davon für den österreichischen Markt und fast 600 für unsere vier Nachbarländer. Und die Industrie stellt ja genau diese Eigenmarken für uns her, was ja wiederum deren Umsatzentwicklung positiv beeinflusst. Ganz abgesehen davon sind wir auf der Großfläche mit Interspar der größte Anbieter von Markenartikeln. Wir führen hier etwa 20.000 Artikel im Food-Bereich, davon circa 15.000 Herstellermarken und circa 5.000 Eigenmarken. Die Kunden haben also eine entsprechend große Auswahl und bestimmen durch ihren Einkauf auch die Entwicklung der Marken- und Eigenmarkenumsatzanteile mit. Und unser Erfolg zeigt, dass wir hier den richtigen Weg eingeschlagen haben.
„Wir sind selten die Initiatoren von Preisschlachten.“
Gerhard Drexel

Die Spar scheint mit ihrer Strategie also gut gerüstet zu sein für die Zukunft. Welchen Herausforderungen werden Sie sich denn in den kommenden Jahren stellen müssen?
Die größten künftigen Herausforderungen für den Handel sind aus meiner Sicht zum einen das sogenannte Over-Storing, also dass es aus betriebswirtschaftlicher Sicht in Relation zur Bevölkerung zu viele Supermärkte gibt. Hier hilft nur Expansion mit Augenmaß und der Grundsatz, dass qualitatives Wachstum dem quantitativen vorzuziehen ist. Zum anderen ist es der Kampf um Marktanteile, der immer wieder zu irrationalen Preisschlachten im In- und Ausland führt. Als dritten Punkt möchte ich den Wettbewerb um die besten Talente, sprich um die besten Mitarbeiter nennen und die vierte große Herausforderung ist die fortschreitende Digitalisierung im Handel. Ich glaube, dass wir bei der Spar für all diese Herausforderungen gut vorbereitet sind.

Bei den irrationalen Preisschlachten macht die Spar aber auch mit, oder?
Ja, aber wir sind selten die Initiatoren dieser Preisschlachten und das ist ein feiner Unterschied.

Ihr Mitbewerber hat angekündigt, die Aktionsanteile auf lange Sicht senken zu wollen. Auch für Sie eine Option?
Der Aktionsumsatzanteil der Spar in Österreich ist seit Jahren stabil auf einem hohen Niveau. Mit leicht über 30 Prozent liegen wir hier auf etwa demselben Niveau wie die gesamte LEH-Branche ohne Diskont. Die wichtigsten Trends für unsere Branche sind Bio, Regionalität, gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit, Convenience, Premium, aber auch – und das wird nie aufhören – Preisgünstigkeit. Die Kunden wollen eine bestimmte Qualität zu einem günstigen Preis einkaufen. Wir werden in unserer Sortimentsarbeit und Sortimentspolitik weiterhin genau auf diese Trends setzen, damit sich die Spar als beliebtester und erfolgreichster Lebensmittelhändler in Österreich und ausgewählten Nachbarländern etablieren kann. Ganz nah bei den Kunden, werteorientiert, als Anwalt der Konsumenten, innovativ, modern und erfrischend unkompliziert.

Herr Drexel, herzlichen Dank für unser Gespräch.
Spar-Facts
Spar Österreich-Konzern ohne Hervis
  • Umsatz konsolidiert, brutto: 6,13 Mrd. Euro (+4 %)
  • inkl. Endumsätze Kaufleute/VK-Umsatz brutto: 6,88 Mrd. Euro (+4 %)
  • Aspiag VK-Umsatz brutto: 5,69 Mrd. Euro (+7,2 % wkb, Landeswährung)
  • Hervis VK-Umsatz brutto: 0,52 Mrd. Euro (+0 %)
  • SES/VK-Umsatz brutto: 2,76 Mrd. Euro (+2,6 %), davon Interspar- und Hervis-Umsätze: 806 Mio. Euro

Quelle: Unternehmensangaben, Geschäftsjahr 2018

Markus Wache
Gerhard Drexel: "Es soll ein inspirierendes Nebeneinander von Hersteller- und Handelsmarken geben."
Markus Wache
Gerhard Drexel: "Es soll ein inspirierendes Nebeneinander von Hersteller- und Handelsmarken geben."


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