Rewe International: Jan-Peer Brenneke & Marce...
 
Rewe International

Jan-Peer Brenneke & Marcel Haraszti: Auf zu neuer Stärke

Rewe International AG/Robert Harson
Die Rewe International-Vorstände Jan-Peer Brenneke und Marcel Haraszti © Rewe International AG/Robert Harson
Die Rewe International-Vorstände Jan-Peer Brenneke und Marcel Haraszti © Rewe International AG/Robert Harson

Am 1. April 2019 tritt Jan-Peer Brenneke in die Vorstandsriege der Rewe International ein. Als Bereichsvorstand Ware Handel International wird er eng mit Vorstandskollegen Marcel Haraszti zusammenarbeiten und alles, was mit Warenbeschaffung zu tun hat, stärker miteinander verflechten.

CASH: Herr Brenneke, Sie übernehmen am 1. April einen neu geschaffenen Vorstandsposten. Sie sind dann Bereichsvorstand Ware Handel International. Da schrillen bei vielen gleich die Alarmglocken. Wird der Einkauf jetzt von Deutschland aus gemanagt? Kommt auf die Industrie jetzt noch mehr Druck zu?
Jan-Peer Brenneke: Das Signal, das wir mit dem neu geschaffenen Bereichsvorstand Ware Handel International senden, sagt doch klar das Gegenteil aus. Bei der Rewe International ein eigenes Vorstandsressort Einkauf einzuführen, ist eine Stärkung der Rewe Group in Österreich. Und es ist auch ein sichtbarer Beweis dafür, dass wir im Bereich Ware auf Augenhöhe mit dem Bereich Ware der Rewe Group in Deutschland sind.
Marcel Haraszti: Es ist mir an dieser Stelle schon wichtig zu betonen, dass wir hier in Österreich nicht nur im Einkauf, sondern auch im Einkauf immer selbstständig waren und eigene Entscheidungen getroffen haben. Es tauchen da immer wieder Gerüchte auf, dass wir im Einkauf wie auch im operativen Geschäft nicht selbst entscheiden dürfen. Das ist ein falsches Gerücht.

Was sollen Sie, Herr Brenneke, in Österreich bewirken oder bewegen?
Brenneke: Die einzelnen Fachbereiche im Unternehmen, die mit dem Einkauf zu tun haben, sind immer stärker verflochten. Eigenmarken, Category Management, Qualitätsmanagement haben einen immer stärkeren Bezug zum Bereich Beschaffung. Diese Fachbereiche möchten wir horizontal noch mehr miteinander verflechten, in diesem Sinn auch weiterentwickeln und auch stärken.
Haraszti: Wir haben mit Jan-Peer Brenneke jetzt jemanden, der genau diese Querschnittsfunktion Ware, operatives Geschäft Vollsortiment, Penny usw. auf Vorstandsebene umsetzt. Damit werden wir in den einzelnen Abteilungen die Effizienz steigern.
Brenneke: Und wir haben damit auch eine Achse nach Deutschland als gleichberechtigter Partner.

Lassen Sie mich nochmals auf die eingangs gestellte Frage zurückkommen: Wenn alles so verflochten ist, wenn für den Einkauf eine eigene Vorstandsebene eingezogen wird – werden Sie den Druck auf die Industrie damit nochmals erhöhen?
Brennecke: Die Zeiten, in denen einseitig Druck auf Geschäftspartner gemacht wurde, sind doch vorbei. Natürlich, man kann es machen, aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Sie müssen sich mit Partnern auf Augenhöhe unterhalten. Es wird hart um Konditionen gekämpft, dazu stehe ich auch, aber nicht wie in der Steinzeit mit der Keule, sondern fair. Und es geht heute auch um weit mehr Themen als früher.

Wenn Sie wüssten, dass jemand in Ihren Reihen mit der Keule arbeitet, würden Sie dann einschreiten?
Brennecke: Ja, das ist nicht mein Stil. Für beste Lösungen hart zu ringen, das ist für mich okay. Aber einseitiger Druck führt nicht zum Erfolg.
Haraszti: Ich möchte diesen Generalverdacht gegenüber der Rewe auch lösen. Die Rewe hat sich immer gegen unfaire Praktiken eingesetzt und ist eingeschritten, wenn es unfair läuft. Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nicht partnerschaftlich agieren. Wir sind bei Bio, bei Regionalität so oft freiwillig in Vorleistung gegangen – übrigens auch andere Händler – man könnte also wirklich einmal eine Lanze für den Handel brechen.

Herr Brennecke, in Ihr Ressort fallen klarerweise Ware 1 und Ware 2, an der Spitze mit erfahrenen Geschäftsführern besetzt. Welche Rolle werden Sie da als Vorstand einnehmen?
Brenneke: Die Bereiche haben natürlich verschiedene Schwerpunkte, sie müssen aber im Gleichklang laufen. Ich sehe mich sozusagen als verbindendes Element.

Wenn es um Sortimentsentscheidungen geht, wer wird am Ende das Sagen haben?
Brenneke
: Diese Frage wird sich nicht stellen. Es muss im Zweifelsfall Diskussionen geben, das beste Argument wird immer gewinnen.

Werden Sie Kontakte zu den Industriepartnern haben?
Brenneke:
Ja, selbstverständlich. Ich habe in Deutschland bei Penny auch runde Tische mit Industriepartnern gemacht, um Prozesse, Abläufe und Themen zu besprechen, die für uns und für die Konsumenten wichtig sind.

Herr Haraszti, man spricht darüber, dass es der Rewe in Österreich nicht sehr gut geht. Stimmt das?
Haraszti: Das Jahr ist abgeschlossen, wir sind zufrieden. Wir haben 2018 einiges in die Wege geleitet, wir haben viel umstrukturiert und viel gebündelt – wie etwa das Kundenservicecenter, wir bringen die neue jö-Card als Multipartnerprogramm für unsere Kunden usw. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit den vielen Maßnahmen die richtigen Weichen gestellt haben. Und ja, es stimmt, in den letzten Jahren waren wir nicht der Wachstumssieger. Unser Anspruch ist es, das wieder zu werden. Darauf wurde unsere ganze Organisation in den letzten zwei, drei Jahren ausgerichtet. Nicht, weil es uns schlecht gegangen ist oder schlecht geht, sondern weil wir eben stärker wachsen wollen.

Soll der Einkauf dabei helfen?
Haraszti:
Wir wollen uns wieder mehr auf unseren Ursprung konzentrieren, auf unsere Basisleitung, auf unser Kerngeschäft, bei dem immer der Kunde im Mittelpunkt stehen muss. Daher haben wir uns auch im Warenbereich gestärkt, ja, und der soll auch dabei helfen, wieder stärker zu wachsen.  

Beim Wachstum der Händler bekommen die Eigenmarken eine immer größere Bedeutung, sagen selbige. Herr Brenneke, wie ist Ihre Sicht der Dinge zur Thematik Eigenmarke versus Markenartikel?
Brenneke:
Die Eigenmarke hat Relevanz, weil sie oft schneller und innovativer als der Markenartikel ist. Es ist klar, die Eigenmarke ist integraler Bestandteil eines Sortiments. Größe und Breite des Sortimentsanteils bestimmt aber der Kunde.

Der findet aber vor, was ihm der Einkauf im Regal serviert.
Brenneke:
Wir kennen unsere Kundengruppen und unsere Analysen sind so genau, dass wir das nötige Verhältnis Eigenmarke Markenartikel sehr gut beurteilen können. Jede Marke hat ihre Relevanz, jede muss aber eben auch um ihren Platz im Regal kämpfen. Das gilt für Marke und Eigenmarke.

Handel ist Wandel – und das betrifft auch seit Jahren die Frage, welche Ressorts wichtiger sind: Einkauf oder Vertrieb? Was meinen Sie?
Brenneke:
Heute sind die großen Themen HR, IT, Logistik – und natürlich Einkauf und Vertrieb. Was für mich ganz klar ist: Im Einkauf brauchen wir das Wissen der Leute von der Fläche, vom Vertrieb. Er ist extrem relevant.
Haraszti: Beschaffung und Category Management sind die Schnittstelle zum operativen Geschäft. Ich freue mich sehr, dass wir unter Jan-Peer Brenneke nun das Vorstandsressort Ware Handel International direkt in Wiener Neudorf in der Rewe International verankert haben. Das wird die gesamte Organisation stärken.

Herr Haraszti, Herr Brenneke, vielen Dank für dieses Gespräch!

Jan-Peer Brenneke
Der gebürtige Hamburger Jan-Peer Brenneke stieß 2009 nach einigen Stationen in verschiedenen Handelsunternehmen (Einkauf und Category Management) als Bereichsleiter Strategie- und Projektmanagement zur Rewe Group. Er wirkte bei der erfolgreichen Neupositionierung von toom Baumarkt in Deutschland mit, übernahm im Jahr 2011 die Geschäftsführung von Penny Markt GmbH mit dem Ressort Einkauf und Category Management und wechselte nach Pennys erfolgreicher Neupositionierung im Juli 2015 in die neu gegründete Einkaufseinheit „Eigenmarken Einkauf & Entwicklung national/international“. Diese übernahm er als Geschäftsführer. Der Schwerpunkt dieser Einheit war die Professionalisierung und Internationalisierung des Einkaufs von Eigenmarken der Rewe Group.Jan-Peer Brenneke ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Hamburg. Vorerst wird er für seinen neuen Job zwischen Wohn- und Dienstort noch pendeln.



Ressorts Haraszti & Brenneke
Marcel Haraszti, Bereichsvorstand Österreich Rewe International
Sein Ressort umfasst: Billa, Bipa, Bipa Kroatien, ­Merkur, Adeg, Strategie Vollsortiment Österreich, Strategie und Marketing Eigenmarken, Nachhaltigkeit, Expansion, Unternehmenskommunikation, ­jö-Card Bonus Club, Technische Abteilung/Bau

Jan-Peer Brenneke, Bereichsvorstand Ware Handel International
Sein Ressort umfasst: Die Ware-Bereiche (sprich ­Einkauf) für Österreich, Qualitätsmanagement, ­Eigenmarken. Er wird auch das Ware Geschäft von Penny International und Billa CEE verstärken und weiterentwickeln.Die Vorstandsposition Ware Handel International wurde neu geschaffen. Brenneke tritt am 1. April seine neue Funktion an, räumlich im Headquarter der Rewe International AG in Wiener Neudorf/NÖ.



© Rewe International AG/Robert Harson
Rewe International AG/Robert Harson
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