Spar Österreich: Johannes Holzleitner: Unverw...
 
Spar Österreich

Johannes Holzleitner: Unverwechselbar sein

Markus Wache
Johannes Holzleitner: „Wir haben generell nicht das Bedürfnis, eine gute Idee zu kopieren, wir wollen sie verkaufen."
Johannes Holzleitner: „Wir haben generell nicht das Bedürfnis, eine gute Idee zu kopieren, wir wollen sie verkaufen."

Das ist für Mag. Johannes Holzleitner ein Eckpfeiler des Erfolgs der Spar. Im CASH-Interview schildert der Bereichsleiter Lieferantenpolitik & Sortimentsstrategie zudem was Start-ups besser machen als die großen Markenartikler und warum Weltmarken Gefahr laufen, für die Konsumenten verzichtbar zu werden.

CASH: Herr Holzleitner, mit Ihrer Initiative Young & Urban by Spar unterstützen Sie seit rund einem Jahr kreative Jungunternehmer. Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit mit Start-ups?
Johannes Holzleitner: Wir als Lebensmittelhändler machen dann einen guten Job, wenn wir am Puls der Zeit sind, die Bedürfnisse und die Trends der Bevölkerung erkennen und diese in unserem Sortiment aufgreifen. Dazu bedarf es dann auch von Zeit zu Zeit einer Veränderung in der Sortimentsstrategie. Im Jahr 2008 haben wir uns mit der Einführung von S-Budget für eine solche entschieden und rund zehn Jahre später ist das mit Young & Urban by Spar wieder der Fall. Hier sind kreative Jungunternehmer am Werk, die aus ihrem eigenen Bedürfnis heraus ein innovatives und bisher noch nie dagewesenes Produkt entwickeln, das den Nerv vieler Konsumenten trifft. Aktuell haben wir rund 30 Marken aus den unterschiedlichsten Bereichen im Portfolio, die mit einer Outstanding-Position in Kombination mit einem echten Gründer sowie dem entsprechenden Gründermotto überzeugen und die Konsumenten für sich begeistern können. Für die Spar eröffnen sich damit neue Chancen, sich vom Mitbewerb zu differenzieren.


Start-ups sind aber auch bei Ihren Mitbewerbern gern gesehene Kooperationspartner. Inwiefern kann man sich mit der Listung solcher Marken denn überhaupt noch differenzieren?
Natürlich beobachten auch unsere Mitbewerber die Veränderungen am Markt und in der Gesellschaft, aber wenn man sich die Entwicklung der Spar in den vergangenen Jahren ansieht – wir waren jetzt neun Mal in Folge Wachstumssieger im LEH – dann würde ich sagen, wir machen einen ausgesprochen guten Job. Und Differenzierung ist dabei ein wesentlicher Erfolgsbestandteil, um unverwechselbar zu sein. Für das Sortiment bedeutet das, immer Augen und Ohren offenzuhalten und genau hinzuhören, was die Kunden suchen. Mit unseren Eigenmarken sind wir hier sehr gut aufgestellt und bieten Produkte, die die anderen nicht haben. Und so verhält es sich auch bei Young & Urban by Spar: Wir helfen den Jungunternehmern bei ihren ersten Schritten im LEH, und verlangen dafür drei Jahre Exklusivität.

Johannes Holzleitner: „Wir müssen bei der Zusammenstellung des Sortiments in Zukunft noch stärker auf den Dreiklang ‚bekannt, aber unbedeutend und damit verzichtbar‘ achten.“
Markus Wache
Johannes Holzleitner: „Wir müssen bei der Zusammenstellung des Sortiments in Zukunft noch stärker auf den Dreiklang ‚bekannt, aber unbedeutend und damit verzichtbar‘ achten.“
Drei Jahre sind für Jungunternehmer eine lange Zeit – viele überstehen diesen Zeitraum gar nicht.
Wir gehen davon aus, dass die Start-ups mit denen wir zusammenarbeiten, gute Zukunftsperspektiven haben, sofern die Gründer auch weiterhin daran arbeiten, ihre Marke bekannt zu machen. Wer sich darauf ausruht, dass er mit seinem Produkt in 1.500 Spar-Standorten gelistet ist, aber nicht mehr darauf achtet, die Marken-Begehrlichkeit bei den Kunden weiter aufzubauen, der hat schon verloren. Denn null Begehrlichkeit mal 1.500 Standorte bleibt eben null. Aber wenn etwas da ist, das die Kunden anspricht, dann können wir das sehr gut multiplizieren. Und darüber hinaus erhalten die Jung­unternehmer natürlich unser volles Unterstützungspaket.

Wie sieht dieses denn konkret aus?
Wir sind bereit unser Marktwissen und unsere Erfahrung in den Bereichen Vermarktung, Distribution, Verpackungsgestaltung, Logistik, Rezepturentwicklung, Produzentenauswahl, Lebensmittelrecht, Qualitätssicherung und dergleichen mit einzubringen. Außerdem wandern alle Produkte unter das Markendach Young & Urban by Spar und werden im Flugblatt, auf unserer Website oder via TV-Werbung und in Inseraten vorgestellt. Am POS, wo wir immerhin über eine Millionen Kunden täglich begrüßen, machen eigene Stopper mit dem Foto des Gründers innerhalb der entsprechenden Kategorie auf das jeweilige Produkt aufmerksam und wir denken aktuell auch über ein Zweitplatzierung nach, in der wir alle Marken, die nicht gekühlt werden müssen, gemeinsam an einem Ort präsentieren können. Die geforderte Exklusivität war daher bis dato bei den meisten Jungunternehmern noch kein KO-Kriterium für eine Zusammenarbeit.

Ein KO-Kriterium für viele könnte aber die Befürchtung des Kopiertwerdens in Form einer Eigenmarke sein. Wie groß ist diesbezüglich die Versuchung Ihrerseits?
Gar nicht groß. Man muss da noch einmal einen Unterschied machen. Mit unseren Eigenmarken sind wir in der Lage sehr früh Trends aufzugreifen und aufgrund der benötigten Menge und der Abnahmegarantien auch hohe Qualitätsstandards umzusetzen. Bei Young & Urban by Spar geht es um Produkte, die noch nie dagewesen sind, die wir voll unterstützen und im Grunde genommen genauso wie unsere Eigenmarken behandeln. Ich muss nichts kopieren, was ich ohnehin exklusiv habe. Ganz abgesehen davon haben wir generell nicht das Bedürfnis eine gute Idee zu kopieren. Wir wollen gute Ideen verkaufen. In ausgewählten Fällen hat aber eine exklusive Eigenmarken-Start-up-Kooperation durchaus Sinn, wie zum Beispiel bei Spar enjoy Cola oder Spar Veggie by Neni.

Und wie werden Sie reagieren, wenn ein Start-up nach Ablauf der drei Jahre auch mit dem Mitbewerb zusammenarbeitet?
Wenn sich die Wettbewerbssituation verändert, dann werden wir entsprechende Schritte setzen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Das wird man dann sehen, wenn es so weit ist.

Der Platz im Regal ist hart umkämpft und dass die Markenartikler jetzt nicht mehr nur mit den Spar-Eigenmarken, sondern auch mit Start-ups konkurrieren müssen, kann für Ihre Geschäftsbeziehungen nicht wirklich förderlich sein, oder täusche ich mich da?
Einfacher wird es sicher nicht, aber das liegt nicht nur an unserer Kooperation mit den Start-ups, sondern ist teilweise auch hausgemacht. Es ist leider so, dass vor allem die großen, globalen Markenartikler in vielen Fällen nicht mehr so innovationskräftig sind. Deren Marken laufen Gefahr an Bedeutung zu verlieren. Lange Zeit hat es geheißen, wer bekannt ist, ist erfolgreich. Es gibt aber viele Produkte, die zwar bekannt, in den Augen der Konsumenten aber verzichtbar sind. Gezeigt hat sich das zum Beispiel als Nestea vom österreichischen Markt gegangen ist. Wir waren zutiefst schockiert, dass es hier keine negativen Kundenreaktionen gab und niemand diese Weltmarke vermisst hat. Auf diesen Dreiklang „bekannt, aber unbedeutend und damit verzichtbar“ müssen wir als Händler in Zukunft noch stärker achten, wenn wir unser Sortiment zusammenstellen.

Macht die Markenartikelindustrie wirklich so einen schlechten Job?
Nein, denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir auch mit den Global Playern ausgesprochen gute Geschäfte machen, wenn die Konsumenten deren Produkte nachfragen. Aber wenn es um die Themen Innovationskraft und Kreativität geht, dann gibt es noch viel Luft nach oben. Es gibt aber auch erfreuliche Ausnahmen wie zum Beispiel Rauch mit der neuen Linie Rauch Juice Bar oder Vöslauer mit der 100 % rePET-Flasche. Aber ganz generell sind die Start-ups und auch die starken österreichischen Mittelständler den Großen um Längen voraus.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Die globalen Markenartikler denken halt an die Auslastung ihrer enormen Maschinenkapazitäten und die Höhe des Aktienkurses. Da ist die x-te Sorte zu machen oder die Marke in andere Kategorien zu transferieren der sicherste Weg zur Gewinnmaximierung ohne ein großes Risiko eingehen zu müssen. Oft haben sie auch aufgrund ihrer Größe und Vorgaben der fernen Mutterkonzerne gar nicht die Möglichkeit, an den Bedürfnissen der Österreicher orientierte Produkte zu entwickeln. Damit kann man zwar gutes Geld verdienen, wird eine Marke aber nicht langfristig und werthaltig positionieren können.
Herr Holzleitner, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Johannes Holzleitner
  • hat vor 20 Jahren bei der Spar als Sortimentsmanager für gekühlte Fertiggerichte und TK begonnen
  • setzt auf Erfahrung, Kontinuität und Gestaltungswillen gepaart mit der Lust auf Erfolg
  • will sich mit Young & Urban by Spar vom Mitbewerb differenzieren
Young & Urban by Spar
  • wurde im April 2018 gestartet
  • vereint aktuell rund 30 Start-ups (z. B. Neni, Neoh, Inspiriti, Nussyy, Evan, Basenbox, Sweet o Mio, Lobsters, Lycka, Gusswerk Bio-Brotbier, Silva, ­Seicha Matcha) aus den unterschiedlichsten ­Bereichen (z. B.: Getränke, Brot, Eis, Schokoriegel, Grundnahrungsmittel) unter einem Markendach.
  • kann bis zu 60 Jungunternehmer innerhalb von drei Jahren aktiv unterstützen


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