Christoph Holzer/Spar Tirol und Salzburg: Kau...
 
Christoph Holzer/Spar Tirol und Salzburg

Kaufleute als Speerspitze

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Er hat ambitionierte Pläne und ist daher immer auf dem Sprung: Christoph Holzer, Geschäftsführer Spar Tirol und Salzburg. © Spar
Er hat ambitionierte Pläne und ist daher immer auf dem Sprung: Christoph Holzer, Geschäftsführer Spar Tirol und Salzburg. © Spar

Der Diskont hat sich österreichweit zu einem starken Mitbewerber entwickelt. Als Gegenstrategie setzt Mag. Christoph Holzer, Spar-Geschäftsführer für Tirol und Salzburg, den Fokus auf die konsequente Weiterentwicklung regionaler Produkte und die Stärkung der selbstständigen Kaufleute.

CASH: Herr Holzer, Spar Österreich steigerte 2008 im LEH inkl. Kaufleute seinen Umsatz um 6,4 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro. Wie sieht die aktuelle Marktposition von Spar in Tirol und Salzburg aus?



Christoph Holzer: Generell ist es so, dass wir keine regionalen Marktanteile bekannt geben. Das Jahr 2008 ist für Spar in Tirol und Salzburg jedoch sehr erfolgreich und mit einer schönen Umsatzentwicklung verlaufen. In beiden Bundesländern sind wir in einer Top-Marktposition vertreten. Diese wollen wir, mittelfristig gesehen, natürlich weiter ausbauen.

Was sind in Tirol und Salzburg aus Ihrer Sicht die gravierenden Unterschiede in der Marktbearbeitung?



Grundsätzlich gibt es keine. In beiden Bundesländern haben wir den Fokus sehr stark auf die Regionalität gelegt. Tirol und Salzburg sind natürlich insofern unterschiedlich zu bewerten, als die Produzentensituation eine andere ist. In Tirol gibt es deutlich mehr Obst- und Gemüseanbau als in Salzburg, wo andere klimatische Vorrausetzungen herrschen.

Und welche Faktoren waren Ihrer Ansicht nach in beiden Bundesländern für den Spar-Erfolg entscheidend?



Der Erfolg ist auf funktionale Dinge, auf unsere Eigenmarken sowie auf die Weiterentwicklung der Regionalität zurückzuführen. Entscheidend waren einerseits jene Aktivitäten, wie etwa der Salzburger Bauernherbst oder die Tiroler Gemüsetage, die die regionalen Produkte entsprechend vermarkten und präsentieren, andererseits jene Aktivitäten, die unseren Kunden einen Zusatzvorteil bieten, wie Gutscheine oder Gewinnspiele.

Und wie sieht Ihre Prognose für 2009 aus?



Es ist schwierig, für 2009 schon jetzt eine endgültige Prognose abzugeben. Wir sind ein sehr saisonales Gebiet, d.h. bei uns sind z.B. die Osterwochen für den ersten Teil des Jahres entscheidend. Natürlich haben wir uns als Konzern eine entsprechend ambitionierte Steigerung vorgenommen. Und wir setzen gezielte Aktivitäten, um diese zu erreichen.

Sie haben gerade das Stichwort gegeben: Mit welcher Strategie kurbeln Sie das Wachstum heuer weiter an?



Unser Fokus liegt derzeit darauf, uns bei den Konsumenten als der Anbieter für regionale Produkte zu positionieren und das Thema Regionalität auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erfolgreich weiter zu entwickeln. Damit wollen wir einen deutlichen Wachstumsschub erreichen. Aber auch unsere Eigenmarken entwickeln sich derzeit sehr gut.

Wer sind eigentlich Ihre stärksten Mitbewerber? Die Wettbewerbssituation gestaltet sich in Tirol doch sicherlich anders als in Salzburg.



Das ist richtig. In Tirol ist eindeutig die Firma MPreis ein sehr interessanter und starker Mitbewerber, in Salzburg ist es hauptsächlich die Rewe-Gruppe. Mittlerweile ist aber in beiden Bundesländern der Diskont einer der ganz starken Mitbewerber. In Tirol liegt die Verkaufsflächendichte deutlich über dem Bundesschnitt, und auch in Salzburg hat in den letzten Jahren eine starke Expansion stattgefunden.

Und wie können Sie diesen Paroli bieten?



Eine unserer Stärken ist sicherlich unsere duale Marktbearbeitung. Einerseits mit unseren selbstständigen Kaufleuten, andererseits mit unseren Filialen und Interspar-Betrieben. Gerade unsere Kaufleute sind natürlich eine ganz starke Speerspitze. Unsere zweite Stärke ist, dass wir sehr stark regional verankert sind. Generell denke ich, dass wir mit unseren Konzepten bei den Konsumenten sehr gut punkten.

Sie haben bereits die regionalen Produkte, auf die Sie in Ihrem Sortiment einen starken Fokus setzen, angesprochen. Doch die Konsumenten sind sparsamer geworden, der Preiseinstieg boomt. Wie wirkt sich das auf Ihre Preispolitik und auf den Umsatz dieser regionalen Produkte aus?



Die Preispolitik bei den regionalen Produkten ist unverändert. Sie kann sich auch nicht den Diskontpreisen anpassen. Wir müssen bei den Konsumenten das Bewusstsein schärfen, dass die regionale Produktion aufgrund der geografischen Gegebenheiten, aufgrund der Größe der Produktionsbetriebe und anderer mitwirkender Komponenten, einen höheren Preis hat. Wir müssen zudem klar machen, dass es darum geht, die österreichischen Produktionsbetriebe zu erhalten.

Merken Sie schon einen Rückgang in der Nachfrage der regionalen Produkte?



Nein, im Gegenteil. Die regionalen Produkte entwickeln sich weiter. Es entwickeln sich einerseits die Preis-einstiegslagen, aber es entwickeln sich auch die regionalen Produkte. Die Preiseinstiegslage wird immer wichtiger, doch ich glaube nicht, dass sie zu Lasten der Regionalität geht.

Sie haben bereits mehrmals die Tiroler Gemüsetage veranstaltet. Werden diese auch heuer wieder stattfinden?



Selbstverständlich, wir werden auch voraussichtlich erstmals Salzburger Gemüsetage veranstalten. Die Resonanz der Kunden ist sehr positiv, das schlägt sich auch in einer deutlichen Steigerung der Umsätze nieder. Wir leben damit aber auch unsere Überzeugung. Als österreichisches Unternehmen wollen wir den Konsumenten eine qualitativ hochwertige Ernährung bieten.

Und was resultiert aus den Gemüsetagen für die Lieferanten?



Das Resultat ist eine deutliche Stärkung der Lieferanten. Denn auch für sie ist es wichtig, dass die Konsumenten das Produkt gezielt nach seiner österreichischen Herkunft kaufen. Gelingt das, bedeutet das eine klassische Win-win-Situation.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit den Lieferanten?



Sehr zufrieden. Wir haben in Tirol und Salzburg das Glück einer sehr guten regionalen Agrarmarketing-Organisation, die im Sektor Qualitätsentwicklung mit den Bauern sehr gut zusammenarbeitet, und auf unsere Anregungen eingeht. Wir haben sehr hohe Qualitätsanforderungen, die von den Produzenten zu erfüllen sind. Im Gegenzug erhalten diese aber die Sicherheit, dass bei Einhaltung der Qualitätskriterien die Ware abgenommen wird. Das ist bei derart kurzlebiger Ware ein großer Vorteil.

Und wie beurteilen Sie generell die Zusammenarbeit mit der Industrie?



Ich sehe die Industrie als wichtigen Partner des Handels. Wir haben mit der regionalen Produktion regen Austausch und wollen für diese eine Plattform sein.

Vor Kurzem haben Sie neun Zielpunkt-Standorte in Salzburg übernommen …



Die Übernahme der Zielpunkt-Standorte steht derzeit noch unter der kartellrechtlichen Vorbehaltsfrist. Die kartellrechtliche Anmeldung ist erfolgt, derzeit läuft die Prüffrist, und wenn diese positiv verläuft, dann werden wir diese insgesamt 13 Standorte übernehmen.

Und wann rechnen Sie mit dem Bescheid?



Ich will jetzt nicht vorgreifen, aber wir sind optimistisch, dass es bald sein wird.

Auch einige Adeg-Kaufleute haben schon zur Spar gewechselt. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Entwicklung?



Klarerweise, sehr zufrieden. Wir sind bereits seit vielen Jahrzehnten ein starker Partner des selbstständigen Einzelhandels und werden auch in den nächsten Jahrzehnten der stärkste Partner sein. Es macht immer Freude, wenn man einen Kaufmann aus der Region, der schon viele Jahre bei seiner Organisation war, davon überzeugen kann, dass wir das bessere Konzept bieten können.

Also gehe ich jetzt davon aus, dass Sie gerne noch mehr hätten …



Es ist immer sinnvoll, sich mit allen Kaufleuten in der Region auszutauschen. Nicht immer, um zwangsläufig jemanden herüber zu holen, aber natürlich sind wir interessiert an neuen Kaufleuten, die zu uns wechseln.

Welche ist eigentlich Ihre stärkste Vertriebsschiene?



Die stärkste Schiene von der Umsatzbedeutung her ist sicherlich der gesamte Filialbereich, Eurospar und Spar. Bei diesen beiden ist es eindeutig Spar, weil es viel mehr Filialen gibt, dadurch ist natürlich der Umsatz höher.

Und bei welcher Vertriebsschiene sehen Sie noch die größte Möglichkeit für eine Weiterentwicklung?



Potenzial sehe ich sowohl bei den Kaufleuten als auch bei der Supermarkt-Schiene. Die regionale Nahversorgung, das Geschäft im Ort wird wieder an Bedeutung gewinnen. Die Verbrauchermärkte werden hingegen in Zukunft immer schwieriger zu entwickeln sein, weil bereits eine hohe Deckung gegeben ist.

Herr Holzer, vielen Dank für das Gespräch!



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