Volker Hornsteiner/Billa: Lieber Rabatte stat...
 
Volker Hornsteiner/Billa

Lieber Rabatte statt Arbeitsplatzgefährdung

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Was sollen Kunden über Billa sagen? Volker Hornsteiner: „Es ist der preiswürdigste und freundlichste Supermarkt.“
Was sollen Kunden über Billa sagen? Volker Hornsteiner: „Es ist der preiswürdigste und freundlichste Supermarkt.“

Vorstandssprecher Mag. Volker Hornsteiner kann mit Billa nicht gegen den Markt schwimmen. Also wurde die Aktionspolitik an die Wirtschaftskrise angepasst, was manche als Abrücken von der Neupositionierung und als Aktionitis sehen. „Dagegen verwehre ich mich“, sagt der Billa-Boss im Interview.

CASH: Herr Vorstandssprecher, sind Sie mit der umsatzmäßigen Entwicklung von Billa im Vorjahr und laufend zufrieden?



Volker Hornsteiner: Mit der Entwicklung im Vorjahr sind wir sehr zufrieden, wir haben alle Pläne erreicht, und das nicht nur umsatz-, sondern auch ertragsmäßig. Und wir sind auch mit dem Start ins heurige Jahr zufrieden, wir haben gegenüber dem Vorjahr bis jetzt schön zulegen können.

Was glauben Sie, werden Sie auch heuer Ihren Plan erreichen? Wie lautet er?



Wie er lautet, das will ich jetzt nicht erläutern. Aber er ist ausgesprochen ambitioniert, und es wird eine sportliche Leistung sein, ihn zu erreichen. Zur Zeit liegen wir knapp dran.

Es gibt recht unterschiedliche Meinungen dazu, ob Marktanteile wirklich wichtig sind oder eben nicht. Wie wichtig sind sie Ihnen und konnte Billa auch da zulegen?



Wenn man Marktführer ist, dann ist es leicht zu sagen, Marktanteile sind wichtig. Ich finde jedenfalls, dass es für uns ein sehr gutes Zeichen ist, dass wir um zwei Zehntel zulegen konnten. Wenn nämlich alle sagen, sie spüren die Krise nicht, dann weiß man, dass man gut war. Und das freut uns, das bestätigt unseren Weg.

Jetzt gibt es Mitbewerber, die meinen, Billa verzeichnet Umsatzprobleme, deshalb machen Sie so viele Aktionen.



Da komme ich auf das soeben Geschilderte zurück: Wenn wir Umsatzprobleme hätten, dann frage ich mich, warum wir Marktanteile gewonnen haben? Vielleicht quietschen da jetzt jene, die welche verloren haben.

Aber eine gewisse Aktionitis ist doch schon festzustellen.



Also dagegen verwehre ich mich. Wir machen nichts anderes als alle anderen, schauen Sie sich die Flugblätter nicht an?

Ja, natürlich schau ich mir die an. Aber dabei denke ich immer wieder an Ihre Neupositionierung und an den Hausverstand. Damals haben Sie klipp und klar festgehalten, dass man den Preis und die Aktionspolitik nicht ausklammern wird. Aber gibt es heute nicht doch ein Abrücken von der Neupositionierung?



Nein, und das halte ich ebenso klipp und klar fest. Wenn jetzt alle über unsere Aktionspolitik schreien, dann vielleicht deshalb, weil wir sie die letzten drei Jahre etwas gedämpfter praktiziert haben, da gab es auch keine Wirtschaftskrise. Jetzt haben wir sie aber, und an die haben wir unsere Aktionspolitik angepasst. Es soll mir einer erklären, dass er das nicht macht. Und noch eines möchte ich hier festhalten: Der Lebensmittelhandel ist an einen Punkt angelangt, wo es auch wie in anderen Branchen um die Erhaltung der Arbeitsplätze geht. Ich sage Ihnen: Wir machen lieber mehr Rabatte, als Arbeitsplätze zu gefährden.

Es gibt konkret die Feststellung eines Mitbewerbers, der meint, die Rabattschlacht der Rewe Group gipfelt im systematischen Verkauf von Frischfleisch unter dem Einstandspreis. Stimmt das, bzw. wieso können Sie Fleisch so billig verkaufen?



Wer sagt das?

Zum Beispiel Spar.



Das kann ich dezidiert ausschließen. Wir verkaufen kein Fleisch unter dem Einstandspreis. Sollte das jemand behaupten, dann soll sich dieser jemand an uns wenden und schildern, wie er auf diese Idee kommt.

Ich möchte gerne auf die von Ihnen erwähnte Wirtschaftskrise zurückkommen. Inwieweit beeinflusst sie Ihre Strategie?



Wie ich schon gesagt habe, wir setzen preispolitische Akzente. Wir können als Unternehmen doch nicht gegen den Markt schwimmen. Aber darüber hinaus geht es einfach auch darum, das Unternehmen schlank und kosteneffizient zu führen. Das ist sehr wichtig, denn Kurzarbeit, wie in anderen Branchen, kann es bei uns nicht geben.

Wegen der Auflagenerfüllung, basierend auf dem Rewe-Adeg-Deal, müssen in kritischen politischen Bezirken einige Billa-Filialen abgegeben werden. Andererseits haben Sie einen Umsatzplan. Wie wollen Sie den erreichen, wenn so genannte „Kronjuwelen" wegfallen?



Erstens: Wir wollen den nicht nur erreichen, wir müssen ihn erreichen, um positive Erträge zu erwirtschaften. Also müssen wir den Umsatzverlust der Kronjuwelen kompensieren. Zweitens: Ein Aspekt ist die Expansion, wir planen heuer zwischen 20 bis 25 neue Standorte. Die Modernisierung ist ja zum Großteil abgeschlossen, wir haben keinen Stau und so macht es wieder Sinn, neue Filialen zu eröffnen. Aber es geht natürlich auch um Wachstum auf bestehender Fläche. Und dabei zeigt sich, dass die generalsanierten Filialen sehr erfolgreich sind.

Können Sie den Erfolg konkretisieren?



In der Art, dass in den letzten zwei Jahren 97 Prozent des Umsatzwachstums aus der bestehenden Fläche kommt.

Gibt es für Billa eigentlich noch viele weiße Flecken auf der Landkarte? Wo wollen Sie stärker vertreten sein? Was ist mit Vorarlberg, mit Tirol?



Es gibt genug weiße Flecken, aber wir schauen uns sehr genau an, ob wir sie wirklich besetzen wollen. Wenn Sie so wollen, es gibt keinen räumlichen Expansions-Schwerpunkt, weder in Vorarlberg, weil dort ja Sutterlüty vertreten ist, noch in Tirol. Wenn es Flächen gibt, dann prüfen wir diese. Und was Westösterreich generell betrifft, ist es schon auch eine Kostenfrage, ob man die Filialen dann auch ertragsmäßig optimal führen kann, wenn man beispielsweise an die Logistik denkt.

Jetzt dreht sich in der Branche alles um die Themen Kosten und Umsatz. Welche Bedeutung kommt in Zeiten, in denen der Preis für die Verbraucher eine große Rolle spielt, den Mitarbeitern am POS zu? Können Sie positiv auf die Kaufzurückhaltung der Kunden wirken?



Den Mitarbeitern kommt gerade jetzt eine ganz wichtige Rolle zu. Bei einem Supermarkt mit extrem starker Feinkost in Bedienung geht es eben nicht nur um den Preis. Das heißt, es geht auch um das Verkaufsgespräch, um die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Das betrifft aber nicht nur jene an der Feinkosttheke, sondern alle. Wir müssen uns vor Augen halten – inklusive aller Führungskräfte und Vorstände - dass wir gut, sogar besser sein müssen, dass wir unseren Kunden ausgezeichnete Qualität zu einem vernünftigen Preis bieten. Denn Wahlmöglichkeit, bei einem anderen Händler einzukaufen, die gibt es ausreichend.

Sind Sie mit dem Status Quo zufrieden?



Wir sind durch unsere Schulungsmaßnahmen wieder einen Schritt weiter, aber es muss besser werden. Wer jetzt nicht erkennt, wie wichtig das ist, der erkennt die Zeichen der Zeit nicht.

Ich denke, dass es jetzt auch sehr wichtig ist, den Verbrauchern sein ganz klares Profil zu präsentieren. Was sollen diese über Billa sagen: Das ist der schönste, der billigste, der am besten erreichbare, der best sortierte, der freundlichste Supermarkt?



Ich würde mich nicht nur auf eines festlegen, sondern die Kunden sollten sagen: Billa ist der preisgünstigste, noch besser der preiswürdigste und freundlichste Supermarkt.

Herr Hornsteiner, herzlichen Dank für dieses Gespräch!



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