Neurobiologe: Bernd Hufnagl: "Angst vorm Sche...
 
Neurobiologe

Bernd Hufnagl: "Angst vorm Scheitern killt den Mut"

Jeff Mangione

Bernd Hufnagl, Neurobiologe, sprach beim CASH-Handelsforum 2020 über den Mut zur Veränderung. Wie sich Mut im unternehmerischen Denken äußert und warum der Handel gut beraten ist, künftig zu reduzieren, verrät er konkret im Interview mit Alexandra O'Neill.

CASH: Herr Hufnagl, welche Prozesse löst das Onlineshopping denn im menschlichen Gehirn genau aus?
Bernd Hufnagl: Dazu möchte ich ein konkretes Beispiel nennen, ich war Anfang des Jahres in Hamburg auf einem Vortrag. Nach dem Vortrag kommt einer der Teilnehmer zu mir und erzählt mir, dass er gerne Autos im Internet konfiguriert. Er selbst fährt privat einen Škoda und konfiguriert Ferraris online. Ich habe ihn dann gefragt, ob es ihn nicht frustriere und psychisch fertigmache, wenn er so etwas tut, ohne Aussicht, jemals einen Ferrari kaufen zu können. So werden Sehnsüchte erzeugt, die bei billigeren Konsumgütern nicht selten befriedigt werden. Das Anhäufen nicht notwendiger Dinge und die damit verbundene Privatverschuldung sind ein bekanntes Problem. E-Commerce trägt auf jeden Fall zu diesem Phänomen bei. Unzufriedenheit und Frustration können aber auch nicht das Ziel sein. Jeder Einzelne müsste sich deshalb selbst fragen: Wie bekomme ich dort, wo ich mich täglich anstrenge – am Arbeitsplatz –, meine Belohnung? Dabei gilt: Wir müssen zeitnah die Auswirkung der eigenen Anstrengung sehen können. Ich nenne es die „Rasenmäher-Logik“.

Und was bedeutet diese Logik auf die Zukunft des Handels umgelegt? 
Ich bin zwar kein Trendforscher, aber wenn alles schneller und effizienter geliefert und verfügbar sein wird, desto eher wird der stationäre Handel wohl an Relevanz verlieren. Die Altersgruppe 70+ beispielsweise, davon wird es in 20 bis 30 Jahren sehr viele geben. Das fängt schon mit der Lieferung von Lebensmitteln nach Hause an, oder dem Kühlschrank, der erkennt, dass etwas fehlt und dann gleich das Richtige nachbestellt. Wichtig ist, dass sich der Handel der Konkurrenz zu Amazon und Co bewusster wird, das heißt sich anstrengt, lokalen und regionalen Handel und Produkte zu forcieren.

Das gesamte Interview lesen Sie im CASH E-Paper der Dezember-Ausgabe.

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