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Paul Bacher/Spar

Paul Bacher: Ein harter Wettbewerb

Mag. Paul Bacher, Geschäftsführer der Spar-Zentrale Maria Saal, über die Position der Spar im Süden Österreichs und besondere Umstände für den Lebensmitteleinzelhandel in Kärnten und Osttirol.

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© CASH/Max Pohl
CASH: Herr Bacher, wie sieht denn aktuell der Zuständigkeitsbereich der Spar-Zentrale Maria Saal aus?
Paul Bacher: Wir haben keine Überschneidungen mit anderen Bundesländern. Unser Zuständigkeitsbereich ist ganz Kärnten und der Bezirk Lienz, also Osttirol. Per 31. März 2019 haben wir 66 Spar-Kaufleute, davon 5 Spar-express-Märkte mit unserem Partner Doppler, 68 Filialen, davon 58 Spar-Supermärkte und 10 Eurospar-Märkte, und 6 Interspar-Märkte. In Summe 140 Standorte.

Was lässt die Raumordnung noch zu?
In Kärnten ist es ganz schwierig und nur in wenigen Gebieten möglich, Märkte mit mehr als 600 m2 Verkaufsfläche zu bauen. Nur die acht Bezirkshauptstädte und die zwei Statutarstädte Klagenfurt und Villach erlauben Märkte mit mehr als 600 m2, aber auch nur, wenn ein freies EKZ-Kontingent vorhanden ist. Das heißt, es ist derzeit nur möglich, Märkte bis 600 m2 zu bauen. Aber viele weiße Flecken gibt es ohnehin nicht mehr, Kärnten hat österreichweit die höchste Dichte an Lebensmittelverkaufsfläche pro Einwohner. Dazu kommt, dass Kärnten das einzige Bundesland ist, das eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung hat. Das bedeutet einen sehr harten Wettbewerb.

Und die Situation in Osttirol?
Wir betreiben einen Interspar-Markt in Lienz. Matrei als zweitgrößter Ort hat keine 5.000 Einwohner, deshalb war es auch dort nicht möglich, mehr als 600 m2 Verkaufsfläche genehmigt zu bekommen. In Osttirol gilt die Tiroler Raumordnung, die auch relativ restriktiv ist. Insgesamt haben wir in Osttirol 18 Standorte.

Können Sie uns noch ein paar Facts zu Verkaufsfläche, Marktanteile, Umsatzentwicklung und Mitarbeiter nennen?

Die gesamte Verkaufsfläche beträgt rund 100.000 m2, alle 140 Standorte zusammengerechnet. 2018 gab es einen leichten Zuwachs, aber auch unsere Mitbewerber hatten starke Verkaufsflächenzuwächse, also insgesamt ist die LEH-Verkaufsfläche in Kärnten im Vorjahr wieder stark angestiegen. Regionale Marktanteile von Spar dürfen wir leider nicht bekannt geben. Umsatzmäßig haben wir uns 2018 etwa gleich entwickelt wie Spar in ganz Österreich, also mit einem Plus von vier Prozent. In Summe beschäftigen wir 3.300 Mitarbeiter, inklusive Tann Wernberg, davon 240 Lehrlinge.

Welche aktuellen Projekte gibt es?
Heuer gibt es mehrere Projekte: Am ​1. Mai wurde der Spar-Supermarkt in Krumpendorf am Wörthersee nach Modernisierung und Umstellung auf das SM 2.0-Konzept wiedereröffnet, im ersten Halbjahr wird noch der Standort in St. Kanzian am Klopeiner See modernisiert und erweitert, sowie der Standort in Hüttenberg im Bezirk Sankt Veit an der Glan. Im zweiten Halbjahr haben wir einen Villach-Schwerpunkt, wobei es sich im Stadtteil Völkendorf um einen Neubau eines 600 m2 Spar-Supermarktes samt Ausbildungszentrum handelt, wo es regelmäßig Seminare geben wird. Dann gibt es noch eine Standortverlegung eines Spar-Supermarktes im Stadtteil St. Leonhard. Über weitere Projekte möchte ich jetzt nichts sagen, weil wir da noch in Gesprächen sind.

Wie viele Standorte mit SM 2.0-Konzept gibt es bereits und welche Erfahrungen machen Sie damit?

Wir haben aktuell 15 SM 2.0-Standorte. Das Konzept wird sehr gut angenommen, es gibt Supermärkte mit zweistelligen Zuwachsraten auf bestehender Fläche. Wir erneuern jährlich rund 10 Prozent unseres Ladennetzes, aber es wird immer schwieriger mit den Behördenverfahren. Grundsätzlich versuchen wir, immer mehr Verkaufsfläche und/oder mehr Parkplätze dazu zu bekommen.

Und auch am Sonntag öffnen zu können?
In unserem Zuständigkeitsbereich gibt es immerhin 28 Saisonstandorte. Da gibt es Orte wie beispielsweise Bad Kleinkirchheim mit Winter- und Sommersaison-Regelung. Die meisten Orte haben aber nur eine Ein-Saison-Regelung – da kann man vom 1. Mai bis zum zweiten Septemberwochenende auch an Sonn- und Feiertagen öffnen, allerdings darf man die Öffnungszeiten nicht verlängern, das heißt man muss die 72 Wochenstunden eben anders aufteilen. Das bedeutet aber auch, dass man zweimal im Jahr einen Öffnungszeitenwechsel hat.

Haben Sie Verkaufsmöglichkeiten über die 72 Stunden hinaus?

Unsere fünf Spar-express-Standorte werden sehr gut angenommen und fallen nicht unter die 72-Stunden-Regelung.  In Wien, Niederösterreich und Salzburg können Kundinnen und Kunden ja die Interspar Hauszustellung bzw. Abholboxen nutzen. Wir haben das in Kärnten und Osttirol noch nicht, lernen davon aber ebenso wie vom Drive-In-Konzept unserer Spar-Kollegen in Ljubljana.

Sie kommen aus dem Spar-Eigenmarkenbereich, wie beurteilen Sie die Entwicklung in diesem Segment?
Meine Eigenmarkenzeit liegt zwar schon lange zurück, da waren zum Beispiel die Anfänge von Spar Natur*pur, und es ist fantastisch zu sehen, wie sich das entwickelt hat. Wir haben aber auch andere tolle Eigenmarkenkonzepte von S-Budget über free from bis Spar Premium. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der Eigenmarken weiter steigen wird, weil sie schlicht und einfach Wachstumstreiber sind.

Wachstumstreiber ist auch die Regionalität. Sowohl Kärnten als auch Osttirol haben Anteile am Nationalpark Hohe Tauern, welche Rolle spielt Regionalität für die Spar-Zentrale Maria Saal?
Wir haben mit Kärntnermilch natürlich einen großen Lieferanten von Produkten aus dem Nationalpark, aber auch andere kleinere. Insgesamt haben wir 133 regionale Lieferanten mit 2.100 Produkten. Unsere Regionalitätsbeauftragten sind stets bemüht, weitere regionale Lieferanten für uns zu finden. Wir haben jetzt beispielsweise wieder Gemüse aus Kärnten, was es lange Zeit nicht gab.

Wenn wir von Regionalität sprechen, ist im Dreiländereck ja Slowenien und Italien auch gemeint. Gibt es von dort auch Produkte?

Ja, wir bekommen Mehlspeisen von der Interspar-Bäckerei in Ljubljana, aber auch andere Waren. Und Unterkärntner Spar-Kaufleute beziehen viele Produkte aus Slowenien. Italienische Lieferanten haben wir national sehr viele.

Ist es für Spar generell mehr ein Heim- oder ein Auswärtsspiel in Kärnten?
Eindeutig ein Heimspiel! Durch unsere Zentrale in Maria Saal sind wir hier fest verwurzelt.

Ein weiterer Zuständigkeitsbereich von Ihnen ist das Tann-Werk in Wernberg. Was gibt es von dort zu berichten?
Dort wird die Fleischzerlegung für alle 140 Standorte in Kärnten und Osttirol gemacht und wir sind der Wurst- und vor allem der Schinken-Spezialist. Im letztgenannten Bereich produzieren wir geslicete Ware für ganz Österreich. Innerhalb der sechs österreichischen Tann-Werke haben wir das größte Volumen, wir produzieren ja auch für Slowenien und Kroatien einige Schinken-Produkte.

Wie ist Ihre Position zu den in die Kritik geratenen Fleischrabatten?

Rabatte sind ein Instrument, das im Handel unumgänglich ist. Das Werben über günstige Preise gehört in allen Sortimentsbereichen einfach dazu. Das war immer schon so und wird auch so bleiben. Beim Fleisch ist es zudem so, dass uns die Landwirtschaft auch regelmäßig bittet, Aktionen zu machen, damit sie ihre überschüssigen Produkte in den Markt bekommen.

Im Fleischbereich ist es nicht einfach, Nachwuchs zu rekrutieren. Stimmt mein Eindruck, dass die besten Fleischerlehrlinge oft aus den Tann-Werken kommen?

Anja Lax aus unserem Betrieb in Wernberg hat den Bundeslehrlingswettbewerb 2018 gewonnen und bereitet sich gerade auf die Europameisterschaft vor. Die Wirtschaftskammer Österreich hat Tann in Wernberg als Österreichs besten Lehrbetrieb 2018 im Bereich Fleischverarbeitung ausgezeichnet.

Und jetzt kommt auch IT-Kompetenz aus Wernberg?
Ja, im Vorjahr haben wir in Wernberg einen neuen ICS-Standort eröffnet, da sind schon über 20 hochqualifizierte Mitarbeiter tätig, 40 sollen es schließlich sein. Die arbeiten für unsere Holding in den Bereichen E-Commerce, Logistik und Warenwirtschaft. Grundsätzlich ist unsere IT in Salzburg konzentriert, Wernberg ist die erste Außenstelle.

Abschließende Frage: Welchen Stellenwert hat für Sie CSR im Bereich Mitarbeiter?

Flexible Arbeitszeitmodelle oder aktives Karenzmanagement sind nur zwei von insgesamt elf Maßnahmen, die wir bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesetzt haben und die mit dem staatlichen Gütezeichen „berufundfamilie“ gewürdigt wurden. Wir haben einen Frauenanteil von 73 Prozent und letztes Jahr wurden drei Führungspositionen in Maria Saal durch Frauen besetzt. Also auch unser Führungsteam wird immer weiblicher und vielleicht bin ich ja der letzte männliche Geschäftsführer der Spar-Zentrale Maria Saal.

Vielen Dank für das Gespräch!



Spar-Zentrale Maria Saal
Betreutes Gebiet: Kärnten und Osttirol
Anzahl der Standorte: 66 Spar-Kaufleute, davon 5 Spar-express-Märkte mit dem Partner Doppler, 68 Filialen, davon 58 Spar-Supermärkte und 10 Eurospar-Märkte, und 6 Interspar-Märkte. In Summe 140 Standorte.
Tann-Werk in Wernberg: Fleischzerlegung für alle 140 Standorte in Kärnten und Osttirol, einzelne Produkte für ganz Österreich, Slowenien und Kroatien
Mitarbeiter gesamt: 3.300 Mitarbeiter, inklusive Tann Wernberg, davon 240 Lehrlinge.

Spar-Lager Maria Saal
Grundstücksfläche: 74.925 m²
Verbaute Fläche: 36.791m² (6.700 m² ­Frischelager und 10.000 m² Trockensortiment)
Warenausgangstore: 24

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