Pride Biz Austria: Astrid G. Weinwurm-Wilhelm...
 
Pride Biz Austria

Astrid G. Weinwurm-Wilhelm: Sichtbar statt versteckt

Verena Moser
Astrid G. Weinwurm-Wilhelm: "Vielfältige Perspektiven sind eine Ressource."
Astrid G. Weinwurm-Wilhelm: "Vielfältige Perspektiven sind eine Ressource."

Rund 15 Prozent aller Personen in Österreich identifizieren sich als LGBTIQ+, also als schwul, lesbisch, bisexuell oder intergeschlechtlich, transgender oder einfach keiner Geschlechtsidentität zugehörig. Noch immer haben solche Personen mit Vorurteilen zu kämpfen – auch im Berufsleben. Astrid G. Weinwurm-Wilhelm setzt sich als Präsidentin des Vereins Pride Biz Austria für einen Erfahrungsaustausch rund um das Thema und für inklusive Unternehmensstrukturen ein.

CASH: Frau Weinwurm-Wilhelm, es ist 2022 – sind die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht überhaupt noch Themen, wenn es um das Geschäft geht?
Astrid G. Weinwurm-Wilhelm: Ja, sind sie immer noch. Nach wie vor ist nur knapp ein Viertel der LGBTIQ+-Personen am Arbeitsplatz geoutet. Das bedeutet, rund 75 Prozent dieser Personen verbiegen oder verleugnen ihre Lebensform oder konstruieren eine Parallelwelt. Heterosexuellen ist oft nicht bewusst, wie kräfteraubend das sein kann. Als Selbstversuch empfehle ich, eine Woche lang zu vermeiden, über die eigene Beziehung zu sprechen. Dann fällt erst auf, wie oft wir uns auf die Zunge beißen müssen. Wer am Arbeitsplatz nicht out sein kann, zieht sich zurück und wird möglicherweise bei Karriere­schritten übersehen.

Was kann der Arbeitgeber machen, um das zu vermeiden?
Ich sehe die Firmen in der Verantwortung, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich wirklich jeder wohlfühlt. Gibt es bei Formularen die Option für ein drittes Geschlecht? Welche Familienstände können angegeben werden? Wem werden Sozialleistungen angeboten und wer darf beim Personaleinkauf mitbestellen? Das betrifft nicht nur LGBTIQ+-Personen.

Welche Rolle spielt dabei die Größe der Firma?
KMU sind leider noch weit entfernt, sich mit Diversität auseinanderzusetzen, große Organisationen haben natürlich ganz andere Möglichkeiten. Selbst da braucht es ein Verständnis für das Thema. Setzt sich die Organisation erst im Zuge eines Outings damit auseinander, wie mit der Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Personal umgegangen wird oder wie diese in die organisatorischen Prozesse eingebunden werden, ist es zu spät. Aber auch große Unternehmen stoßen an ihre Grenzen, etwa wenn es um die Dritte Option geht. Bei den Stellenausschreibungen steht dann "m/w/d" – also "divers" – nur lässt sich das "d" nicht bei der Krankenkassa anmelden. Zum Glück gibt es bereits eine Arbeitsgruppe von SAP, IBM und Erste Group, die an einer entsprechenden Umstellung arbeitet.

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