Reformhaus Prokopp: Regina & Christian Prokop...
 
Reformhaus Prokopp

Regina & Christian Prokopp: Bestens beraten

Regina und Christian Prokopp führen das gleichnamige Familienunternehmen erfolgreich und mit viel Enthusiasmus. Um ihr Reformhaus auch für die sechste Generation zu erhalten, haben sie das ­Geschäft umstrukturiert und spezialisiert.

Galerie: Regina & Christian Prokopp im Interview: Bestens beraten

CASH: Prokopp feierte heuer das 120-Jahre-Jubiläum. Ein guter Anlass also für einen Rückblick. Sie sind seit etwa 25 Jahren im operativen Geschäft tätig. Wie hat sich Prokopp seither verändert und wo steht das Unternehmen heute?
Christian Prokopp: Wir haben heute 17 Standorte in und um Wien sowie in Graz. Im nächsten Jahr eröffnen wir unseren 18. Standort in Gänserndorf. Wir haben das Geschäft in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Reformhaus mit großem Kompetenzbereich Naturkosmetik weiterentwickelt und konnten unseren Umsatz in den letzten zehn  Jahren auf rund 15 Millionen Euro verdoppeln.

Was würden Sie heute als die größten Herausforderungen für Reformhäuser festmachen?
Regina Prokopp: In den letzten zwei Jahren stocken auch Supermärkte ihr Biosortiment laufend auf, für uns ist das natürlich eine Herausforderung, da viele Produkte, die bisher Reformhausware waren, nun auch im klassischen Einzelhandel verfügbar sind. Wir sind deshalb gerade dabei, unser Sortiment umzustrukturieren.

Wie können Sie dem entgegensteuern und was gehört zu der Umstrukturierung dazu?
Regina Prokopp: Wir wollen beispielsweise spätestens im Jänner unsere Filialen testweise mit Abfüllstationen für Getreide ausstatten. Unser Ziel ist es, möglichst plastikfrei zu werden. Der zweite Aspekt betrifft die Naturkosmetik, auf die wir uns zunehmend spezialisieren. Dazu gehört unter anderem, dass wir auf Produkte, die Inhaltsstoffe wie Parabene oder Erdölderivate enthalten, verzichten. Wir haben bereits einige überaus beliebte Marken wie Estée Lauder aus der klassischen Systemkosmetik durch neue Naturkosmetik-Marken ersetzt. Die Zahlen bestätigen uns, dass das der richtige Weg ist.

War das eine Entscheidung, die Ihnen schwergefallen ist?
Christian Prokopp: In jeder Unternehmensgeschichte kommt zumindest einmal die Zeit, in der man sich neu orientieren muss. Für uns findet diese notwendige Neuorientierung jetzt statt.
Regina Prokopp: Am Markt verändert sich momentan sehr viel und viele Firmen, die früher einen anderen, konventionellen Weg gegangen sind, fangen nun an, einen Teil ihrer Produkte umzustellen. Das ist ein großes Thema, bei dem keiner mehr wegschauen kann.

Ein weiteres großes Thema, das den Österreichern wichtig ist – so zumindest der Tenor – sind regionale Produkte. Spiegelt sich das auch im Prokopp-Sortiment wider?
Regina Prokopp: Wir haben sehr viele deutsche Produkte, da der Bio-Sektor in Deutschland einfach riesig ist. Wir sind aber gerade dabei, vermehrt auf österreichische Waren umzusteigen. Für die geplanten Abfüllstationen werden wir mit heimischen Bauern aus der Umgebung zusammenarbeiten. Regionalität ist ein wichtiges Thema und es passt natürlich auch zu unserer Nachhaltigkeits-Philosophie.

Abgesehen vom Sortiment, womit grenzen Sie sich noch vom LEH und DFH ab?
Regina Prokopp: Unser zentrales Merkmal sind unsere Mitarbeiter und ihre Beratungskompetenz. Wir schulen unsere Mitarbeiter laufend und laden Ärzte ein, um das Beratungsniveau noch mehr zu steigern. Ich denke, dass genau darin unsere größte Stärke liegt. Unsere Kunden kommen oftmals mit einer ganz konkreten Fragestellung zu uns und suchen aktiv nach Beratung. Viele kommen mit dem Befund ihres Allergietests und sind am Ende erleichtert und überrascht, was sie alles sehr wohl essen können. Sie bekommen bei uns darüber hinaus Rezepte und Fachbücher. Auf diese Weise gewinnen wir viele Kunden.
Christian Prokopp: Beratung ist auch in unserem Onlineshop vordergründig. Wir hinterlegen beispielsweise bei Naturkosmetikprodukten die Inhaltsstoffe und übersetzen das latein-englische Kauderwelsch, das kaum eine Konsumentin versteht. Unser Webshop hat zudem einen Allergiefilter, der alle Produkte, welche die Inhaltsstoffe enthalten, auf die ein Kunde allergisch ist, ausschließt.
Regina Prokopp: Ein sehr wichtiges Anliegen ist uns auch, dass sich unsere Kunden bei uns wohlfühlen. Seit Kurzem haben wir zum Beispiel einen Hundeplatz bei der Kassa. Dort kann man den Vierbeiner während des Aufenthalts in der Filiale anbinden. Die Hunde bekommen Leckerlis und Wasser. Das kommt bei den Kunden sehr gut an.

Und wer sind Ihre Kunden? Wenn man sich im Shop umsieht, bekommt man den Eindruck, dass es vorwiegend Frauen sind.
Christian Prokopp: Der Eindruck stimmt. Unsere Kunden sind zu 90 Prozent weiblich und vom Alter her etwa 30 plus.

Viele Einzelhändler setzen zur Kundengewinnung auf Rabatte und Aktionen. Wie stehen Sie dazu?
Christian Prokopp
: Wir machen regelmäßig Aktionen, aber der Umsatzanteil ist gering und nicht vergleichbar mit dem Lebensmittelhandel. Wir sehen Rabattschlachten auch mit großer Zurückhaltung.

Sie führen auch Bistros in einigen Ihrer Reformhäuser, welchen Anteil haben diese am Filialumsatz?
Christian Prokopp:
Wir haben zwei Res­taurants, in Baden und im Donauzentrum. Da beide Standorte recht gut frequentiert sind, rechnet sich das für uns. Eventuell würde es noch an einem oder zwei weiteren Standorten gut laufen, aber der Umsatzanteil ist nicht so hoch, dass wir demnächst eine Restaurantkette betreiben könnten. Als wir im Jahr 2000 unsere erste Vegetaria eröffnet haben, stand gesundes und vegetarisches Essen nicht so im Fokus wie heute. Wir wollten damals zeigen, dass vegetarisch sehr gut schmecken kann.

Wie haben Sie das große Prokopp-Jubiläum gefeiert?
Regina Prokopp
: Wir haben hier im Innenhof unserer Badener Filiale gemeinsam mit Stammkunden, Partnern und Mitarbeitern gefeiert. Einige unsere jüngsten Lieferanten sind Start-ups und auch sie waren auf der Feier mit einem Stand vertreten und haben ihre Produkte präsentiert. Es war ein wirklich schönes Fest.

Kooperieren Sie mit vielen Start-ups?
Christian Prokopp: Wir arbeiten mit einigen Jungunternehmen zusammen. Die jüngsten drei sind Tummy Love, ein deutsches Unternehmen, das besonders schonend zubereitete Babynahrung erzeugt, ebenso wie Zirpinsects – ein Wiener Start-up, das essbare Insekten anbietet. Ein weiterer Partner ist ebenfalls ein Wiener Jungunternehmen namens Unverschwendet, das Überschussmengen von Obst und Gemüse heimischer Bauern zu Produkten wie Chutneys oder Marmeladen verarbeitet.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

120 Jahre Prokopp
* 1898: Hans Prokopp gründet die Drogerie Prokopp in der Theresiengasse in Baden
* 1924: Fritz Prokopp steigt in das Geschäft des Vaters ein
* 1964: Der Enkel des Gründers, Peter Prokopp, leitet die Geschäfte und ist noch heute jeden Tag im Büro.
* 1977: Prokopp wird Mitglied von Gewusst Wie, einer Vereinigung für Fachdrogerien
* 1991: Heutiger Eigentümer & GF Christian Prokopp steigt in das Unternehmen ein
* 1994: Ehefrau Regina übernimmt Leitung des Einkaufs von Accessoires &  ab 2005 die Verkaufsleitung
* 2018: 17 Reformhäuser & 2 Restaurants, 6. Generation ist bereits in den Startlöchern

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