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Lugner City

Richard Lugner: Der Rosenkavalier

Johannes Brunnbauer

Richard Lugners Engagement für seine City hat die Grenzen zwischen privat und beruflich längst egalisiert. CASH sprach mit dem Gründer des erfolgreichen EKZ über die Anfänge, die aktuellen Highlights und über die Zukunft.

CASH: Herr Lugner, Ihre Lugner City begeht im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Was hat Sie eigentlich damals bewogen, gerade hier ein Einkaufszentrum hinzubauen?
Richard Lugner: Ich hatte Ende der Achtziger Jahre in Wien bereits einige Objekte am Laufen, in denen die Kombination Büros, ein Gastrobetrieb, ein Dienstleister wie zum Beispiel ein Friseur, eine Tabak-Trafik und in einigen auch ein oder mehrere Geschäfte sehr gut angenommen wurde. Freunde und Bekannte sind zu dieser Zeit des Öfteren an mich herangetreten, das Konzept etwas größer und im innerstädtischen Bereich umzusetzen.

Und der heutige Standort war von vornherein klar?
Nicht unbedingt, aber er war insofern ideal, weil die damals hier angesiedelte Galvanisierungsfabrik Skolnik ohnehin den Standort wechseln  und wegziehen wollte. Somit galt es auch, die Nachbargrundstücke zu kaufen und rund 150 Wohnungen abzulösen. Nach etwas Hilfe seitens der Politik konnte ich schlussendlich am 27. September 1990 mit 60 Geschäften und fünf Gastrobetrieben auf insgesamt 15.000 Quadratmetern den ersten Bauteil eröffnen – inklusive 500 Parkplätzen, was zusätzlich für Attraktivität sorgte.

Wie ging’s dann weiter?
Die Baustufen 2, 3 und 4 folgten 1997, 2000 und 2005, inkludierten ein Ärztezentrum, den Kinoteil, zusätzliche Parkplätze auf insgesamt zwei Ebenen, die Brücke über den Gürtel inklusive Rolltreppe direkt von der U-Bahn-Station zu uns herauf. 2007 kam dann ein weiteres Gebäude dazu, das 2017 erweitert und um ein Hotel ergänzt wurde.

Wie sieht der Mietermix aktuell aus und denken sie an weitere Expansionen?
Momentan beherbergen wir neben dem bereits erwähnten Hotel, dem Ärztezentrum und dem Kino 115 Geschäftslokale, 28 Gastronomiebetriebe, ein 24 Stunden geöffnetes Fitnesscenter, eine Post, eine Apotheke und einen Kindergarten. Was die Expansionen betrifft, so wären diese zwar notwendig, kämen jedoch zu teuer, da die baulichen Veränderungen inklusive weiteren Grundstückkäufen samt Mieteraussiedelungen zu teuer kämen. Daher lege ich momentan eher das Hauptaugenmerk auf einen optimalen Mietermix und Modernisierung des bestehenden Centers.

Worin sehen Sie die Assets der Lugner City?
Ganz sicher in den Öffnungszeiten, weil bei uns alle Geschäfte bis 21 Uhr geöffnet haben, das großzügige Parkplatzangebot mit insgesamt 850 Parkplätzen, attraktive Gastronomiebetriebe, der Standort mitten in der Stadt direkt am Gürtel mit leichter Erreichbarkeit sowohl zu Fuß, mit dem Auto oder mit den Öffis, und nicht zuletzt unser Kinoangebot mit wahrscheinlich den bequemsten Sitzen und Loungecharakter samt Catering.

Apropos Kino. Ihre Tochter Jaqueline ist ja Geschäftsführerin der Lugner Kinos. Wie entwickelt sich dieser Geschäftszweig?
An sich sehr zufriedenstellend, nur momentan schwächelt er insofern ein wenig, weil uns das Streamingangebot rund um Netflix und Co sehr viele Kunden abspenstig macht. Wir versuchen das nun durch attraktive Angebote für Firmen und andere Gruppen zu kompensieren und denken laut darüber nach, einige der 13 Säle auch für Kabarett und Theater zu öffnen.

Sie persönlich sind ja auch stets im Einsatz. Ich denke da an das Rosenverteilen zum Muttertag oder Ihr Engagement in der Society, was ja ebenfalls zum Image beiträgt.
Ja, seit mittlerweile 29 Jahren verteile ich Rosen am Muttertag und am Valentinstag an alle Frauen, am Vatertag gibt’s Uhren oder andere Gadgets für die Herren und mit meiner Societypräsenz erspare ich mir definitiv einen Großteil an Werbekosten.

Johannes Brunnbauer

Welche Shops würden Sie als explizite Highlights deklarieren?
Zweifelsohne das Zugpferd schlechthin ist der MediaMarkt, der Merkur geht ebenfalls super und von den Gastrobetrieben ist unsere Running-Sushi-Bar die unbestrittene Nummer eins.

Ein Thema, das Sie immer wieder anschneiden, ist die Sonntagsöffnung. Wird sich diesbezüglich etwas tun in absehbarer Zeit?
Könnte gut möglich sein, weil es ja nicht nur die Lugner City betrifft. So hat Standort + Markt eine Interessensgruppe gegründet, bei der 130 EKZ mit im Boot sind und für die unter anderem das Thema Sonntagsöffnung Relevanz hat. Von diesem Zusammenschluss erwarte ich mir einiges, zumal auch die SCS, das Donauzentrum und die SES mit 29 Centern mit im Boot sind.

Abschließend eine ganz persönliche Frage: Sie werden heuer 87 Jahre alt, sind nach wie vor rüstig und erfreuen sich bester Gesundheit, aber ist die Nachfolgefindung ein Thema für Sie?
Ich will meine Nachfolge mit Familienmitgliedern besetzen, aber unabhängig davon gibt es für alle Betriebe Geschäftsführer, falls die Familienmitglieder diese Jobs nicht machen wollen.

Herr Lugner, ich danke für das Gespräch.

Lugner City Facts
Eröffnung: 27. 9. 1990
Geschäfte 1990: 60; Geschäfte 2019: 115
Gastronomiebetriebe 1990: 5; Gastronomiebetriebe 2019: 28
Parkplätze 1990: 500; Parkplätze 2019: 850 + 700 (Stadthallenparkplätze)
Öffnungszeiten: 9 – 21 Uhr
Umsatz 1991: 37 Mio. €; Umsatz 2018: 129 Mio. €
Geschäftsführer: Gerald Friede


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