Interview Rudolf Staudinger/Spar: Rudolf Stau...
 
Interview Rudolf Staudinger/Spar

Rudolf Staudinger im CASH-Interview: "Alle Kunden sind preissensibel"

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Rudolf Staudinger: "Am Expansionsmarkt spürt jeder jeden Mitbewerber."
Rudolf Staudinger: "Am Expansionsmarkt spürt jeder jeden Mitbewerber."

So auch jene in Italien, Ungarn, Slowenien und Kroatien, sagt Spar-Vorstandsdirektor Mag. Rudolf Staudinger, in dessen Ressort Betriebe International die Aspiag fällt. Und die legte beim Gesamtumsatz um satte zehn Prozent zu.

CASH: Herr Staudinger, in Österreich poppt wieder einmal das Thema Ladenöffnungszeiten auf, angetrieben von der Rewe International mit dem Wunsch nach einer Verlängerung der Rahmenöffnungszeit auf 76 Stunden. In Italien will die Regierung die Sonntagsöffnung kippen, einige Ausnahmen sollen bestehen bleiben. Wie kommt die Aspiag in ihren Ländern Italien, Slowenien, Kroatien und Ungarn mit den Öffnungszeiten zurecht?
Rudolf Staudinger: In Österreich sind wir mit den Öffnungszeiten zufrieden. Im Ausland ist es kein Thema, da die Öffnungszeiten in allen genannten Ländern viel liberaler als in Österreich sind. Wir können im Grunde überall so lange offenhalten wie wir wollen.

Nützen Sie die Öffnungszeiten in diesen Ländern zur Gänze?
Nein, wir nützen die Öffnungszeiten nicht zur Gänze, weil die Möglichkeiten uns mehr Raum geben, als wir benötigen.

Sie betonen ja immer wieder, dass die Länderorganisationen so unabhängig vom Mutterkonzern arbeiten können. Wie kann man sich das vorstellen?
Was die Hintergrund-Organisation angeht, also von der IT bis zur Logistik, ist es wünschenswert, möglichst einheitliche, also zentrale Regelungen zu haben. Dort wo es um regionale Aspekte geht, also den Ladenbau, den Einkauf und das Sortiment, natürlich auch bei der Personalpolitik, dort sind nationale und regionale Entscheidungen gefragt. Aber auch hier arbeiten wir in Teilbereichen, wie zum Beispiel den Eigenmarken, ganz eng zusammen.

Und wie funktioniert das beim Sortiment und bei den Eigenmarken?
Bei den Eigenmarken gibt es natürlich viel Erfahrung und viele Entwicklungen aus Österreich, der große Strom geht daher von Österreich in Richtung Ausland. Aber es kann auch umgekehrt sein, denn so liegen beispielsweise die Wurzeln von Spar Premium in Italien. Und oftmals werden österreichische Eigenmarken-Ideen zwar im Ausland übernommen, aber von jeweils regionalen Firmen erzeugt.

Wie preissensibel sind eigentlich die Italiener, die Ungarn usw.? Stellen Sie da einen Trend fest?
Alle Kunden sind preissensibel. Wie sehr, das hängt stark von der wirtschaftlichen Situation im Land, vom Einkommen der Menschen und sozusagen von der Frage ab: Wo ist der Druck für sie am größten? Die niedrigsten Löhne gibt es in Ungarn und Kroatien, daher ist dort die Preissensibilität per se schon am höchsten.

… und in Italien, wo es ja mit Hofer bzw. Aldi einen Ihnen bestens bekannten Mitbewerber gibt, was wird sich da preispolitisch ändern müssen?
Aldi hat in dem von uns bearbeiteten Gebiet rund 20 Filialen. Es ist noch schwer abschätzbar, welche Langzeitauswirkung es geben wird. Italien ist kein einfacher Markt, weil es große regionale Unterschiede gibt.

Aber welche Preisakzente haben Sie seit der Aldi-Eröffnung gesetzt?
Hohe Preissensibilität gibt es natürlich auch in Italien. In Erwartung der ersten Aldi-Eröffnung haben wir unsere Range an Primi Prezzi, also die Einstiegspreismarke, und S-Budget, erweitert.

Spüren Sie Aldi schon beim Umsatz?
Bis heute sind die Auswirkungen geringer als erwartet ausgefallen. Aber wir spüren ihn natürlich am Expansionsmarkt, also bei der Suche nach Grundstücken. Aber da spürt jeder jeden.

In Kroatien hat die Spar ja Billa gekauft. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung als neuer Eigentümer?
Wir sind grundsätzlich zufrieden, haben aber noch einiges an Umstrukturierungsarbeiten vor uns. Da haben wir also noch etwas Arbeit.

Was genau heißt das?
Wir bemerken ein interessantes Phänomen: Einige ehemalige Billa-Läden sind sehr nahe bei bestehenden Spar-Märkten. Die Spar-Supermärkte wurden als solche geplant und kommen daher bei den Kunden offenbar besser an als die nur umgestellten Märkte. Daher liegen wir zwar insgesamt im Umsatz gut, aber manche ehemalige Billa-Standorte erreichen nicht ganz den geplanten Umsatz.

Hat Sie das überrascht?
Ja, schon. Dafür war das Onboarding der Billa-Mitarbeiter bei uns eine besonders positive Überraschung für mich: Sie waren von Beginn an höchst motiviert.

Sind Sie mit der Umsatzentwicklung der Aspiag im laufenden Jahr zufrieden?
Sie wissen, dass wir unterjährig keine Zahlen nennen. Aber ich kann berichten, dass wir sowohl insgesamt betrachtet und ,like for like‘ ausgesprochen gut unterwegs sind.

Es soll ja auch weiteres Umsatzwachstum geben, halten Sie fest. Woher soll das eigentlich kommen?
Innerhalb der Aspiag-Länder gibt es für uns doch noch viele weiße Flecken. Eigenexpansion ist daher das große Thema. Falls es interessante Firmen- oder Standortübernahmen gäbe, würden wir dies auch in Betracht ziehen.

Wie etwa Konzum-Standorte in Kroatien?
Wir haben uns bereits intensiv damit auseinandergesetzt, aber aktuell ist ja noch gar nicht sicher – ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen – wie die Sache mit Agrokor bzw. Konzum überhaupt ausgeht.

Haben Sie von der Schwäche des Unternehmens bisher schon profitiert?
Ja. Zu Beginn der Krise haben wir stark von der Konzum-Schwäche profitiert, jetzt hat sich der Konzum aber erholt und wie sich die endgültigen Entscheidungen bei Konzum auswirken werden, wird uns die Zukunft zeigen.

2014 hat sich die Spar aus Tschechien zurückgezogen. Wann lohnt es sich nicht mehr, in einem Land vertreten zu sein?
Der Marktanteil in Tschechien war gering, darüber hinaus waren die Filialen über das ganze Land hinweg verteilt. Wir waren in keinem Gebiet wirklich stark. Wir waren daher auch für die Lebensmittelindustrie kein wichtiger Partner. Um ein wichtiger Partner zu werden und eine bedeutende Stellung im Lebensmittelhandel in Tschechien erreichen zu können, hätten wir noch sehr hohe Investitionen tätigen müssen. Wir schleichen uns ja nicht wie Amazon mit Verbindungskabeln ins Land. Das Risiko der zu tätigenden Investitionen war uns letztlich zu hoch.

In Italien investieren Sie gerade kräftig.
Wir investieren 180 Millionen Euro in den Neubau eines Logistikzentrums im Süden von Padua, weil die bestehenden Großhandelsläger einfach zu klein geworden sind. Wir bauen aktuell ein Auslieferungslager für Obst und Gemüse, eines für Frischeartikel und ein neues Fleischwerk. Die bestehenden Läger in Bozen, Udine und Mestrino werden für die Schnelldreher beibehalten, die Plattform für den Rest des Trockensortiments wird später auch in dem neuen Logistikzentrum angesiedelt.

Alles Maßnahmen, um die Möglichkeiten für ein Wachstum zu sichern?
Ganz genau!

Herr Staudinger, vielen Dank für unser Gespräch!

Aspiag 2017
Strukturdaten

Standorte Spar/Interspar: 1.308 (1.226)
Verkaufsfläche in m²: 1.112.318 (1.050.927)
Mitarbeiter: 35.335 (32.857)
davon Lehrlinge: 882 (986)

Quelle: Unternehmensangaben; Klammerwerte: 2016;
Mitarbeiter: beschäftigte Personen inkl. Teilzeitkräfte und Lehrlinge

Verkaufsumsatz brutto: 5,36 Mrd. € (+10 %)
Italien: 2,16 Mrd. € (+4,5 %)
Slowenien: 0,78 Mrd. € (+4,0 %)
Ungarn: 1,82 Mrd. € (+8,9 %)
Kroatien: 0,60 Mrd. € (+57,5 %)

Quelle: Unternehmensangaben; %-Veränderungen wechselkursbereinigt

Rudolf Staudinger: „Hohe Preissensibilität gibt es natürlich auch in Italien. In Erwartung der ersten Aldi-Eröffnung haben wir unsere Range an Primi Prezzi, also die Einstiegspreismarke und S-Budget, erweitert.“ (Fotos: Markus Wache)
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Rudolf Staudinger: „Hohe Preissensibilität gibt es natürlich auch in Italien. In Erwartung der ersten Aldi-Eröffnung haben wir unsere Range an Primi Prezzi, also die Einstiegspreismarke und S-Budget, erweitert.“ (Fotos: Markus Wache)
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