Spar: "Die Sekunden im TV wurden zugeteilt"
 
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"Die Sekunden im TV wurden zugeteilt"

Sabine Klimpt

36 Jahre hat Gerhard Fritsch bei der Spar verbracht. Im CASH-Interview spricht er über die Wendepunkte des Werbemarktes und erklärt, warum das Wichtigste die Einführung von S-Budget war und sein Nachfolger, der mit 1. Jänner 2023 übernimmt, nicht aus der Spar kommt. 

Viel Zeit, sich einzuarbeiten, hatte Gerhard Fritsch 1986 nicht. Der legendäre Spar-Marketing-Chef Werner Parkos holte den gebürtigen Oberösterreicher von AC Nielsen als seinen Assistenten und beförderte ihn noch im selben Jahr zum Werbeleiter der Spar. Als Parkos 2003 in Pension ging, betraute Gerhard Drexel ihn, also Fritsch, mit der Leitung des Konzernmarketings. Alle hatten gedacht, dass das nach innen und außen so harmonische Duo Drexel-Fritsch gleichzeitig in Pension gehen würde, doch man verständigte sich darauf, dass Fritsch den neuen Vorstand für Marketing, Markus Kaser, noch zwei weitere Jahre unterstützen wird. Und während Gerhard Drexel in seinem ersten Pensionsjahr gleich ein Buch geschrieben hat, hatte Fritsch in Pandemiezeiten alle Hände voll zu tun, den Marketingdruck hoch zu halten und gemeinsam mit Kaser seinen Nachfolger zu finden, der das komplexe Konzernmarketing leiten könnte. Mit CASH-Herausgeberin Dagmar Lang ließ Gerhard Fritsch 36 Jahre Spar Revue passieren.

CASH: Ganz ungewöhnlich für die Spar hat man Ihre Position mit einem externen Fachmann besetzt. Gab es niemanden aus den eigenen Reihen?
Gerhard Fritsch: Durch den Vorstandswechsel mit der Pensionierung von Gerhard Drexel und Rudolf Staudinger hat es eine unglaubliche Rotation in der Führungsmannschaft gegeben, wir hatten so viele Positionen mit Spitzenleuten zu besetzen, dass es dann trotz intensiver interner Suche keine Optionen mehr gab, meine Nachfolge intern zu regeln. Also haben wir am Markt gesucht und mit Jörg Pizzera einen ausgezeichneten Fachmann gefunden, der das komplexe Spar-Konzernmarketing sicherlich hervorragend steuern wird können.

Was geben Sie ihm mit auf den Weg?
Einmal das Wissen, wie ein österreichisches Familienunternehmen mit einer Matrix-Organisation funktioniert. Die Spar ist von einer außergewöhnlichen Gesprächskultur geprägt, ihr ganzer Erfolg basiert auf den gemeinsamen Werten.

Weiß er auch schon, wie der Lebensmittelhandel tickt?
McDonald’s handelt mit Lebensmitteln – auch wenn das Sortiment im Vergleich zum LEH sehr eingeschränkt ist – und außerdem hat Jörg Pizzera auch eine Vergangenheit bei Unilever. Somit ist ihm der Markt nicht unbekannt. Dass er Marketing „kann“, ist unbestritten. Meine Aufgabe – wie gesagt – wird in der Übergangsphase viel eher darin liegen, ihm den Spirit von Spar nahezubringen.

Zu den Eigenschaften der Spar zählen Loyalität und Treue. Wann haben Sie die Agentur Wirz engagiert?
Das war 1993, wir haben nächstes Jahr unser 30-jähriges Jubiläum in der Zusammenarbeit. Die Agentur Wirz hat sich damals bei einem Pitch gegen die betreuende Agentur Rock & Partner durchgesetzt. Die Wirz hat das Konzept mit dem Spar-TV vorgestellt. Für die Handelswerbung war das ein Quantensprung. Wir haben ja de facto jeden Tag einen Spot gedreht, ich war mehr auf der Straße und im Hotel als im Büro. Wir konnten mit der Idee des Spar-TV sehr viele Themen besetzen, von österreichischem, AMA-zertifiziertem-Tann-Fleisch über Spar Natur*pur-Bio bis hin zur Zuckerreduktion. Wir haben es auf alle Fälle geschafft, den Markenkern sehr vielfältig zu gestalten.

Wenn Sie jetzt ihre 36 Jahre Revue passieren lassen, was waren die Meilensteine?
Zunächst verdanke ich zwei Menschen besonders viel: meinem ersten Chef Werner Parkos, der ein echter Mentor von mir war. Von ihm habe ich einfach gelernt wie erfolgreiche Handelswerbung „tickt“ und wie man mit entsprechendem Vertrauen Karrieren fördert. Er hat mir zum Beispiel in werblichen Fragen bei den Teilübernahmen der Konsum-Märkte beziehungsweise Meinl-Märkte „freie Hand“ gelassen. Und selbstverständlich Gerhard Drexel, der mir 2004 die Leitung des Konzernmarketings anvertraut hat. Unsere Zusammenarbeit war von vielen Meilensteinen im Marketing und vor allem von persönlicher Wertschätzung geprägt. Aber wenn Sie mich fragen, welcher Meilenstein der Wichtigste war, dann sage ich ganz klar: Die Einführung von S-Budget im Jahr 2008. Dass ich damals auch die Ehre hatte, vom Fachmedium Horizont und der IAA zum Marketer des Jahres gewählt zu werden, macht das Jahr für mich so besonders. Aber ich bin überzeugt, die Einführung von S-Budget war für die Spar und ihren Erfolg am Markt essenziell und ist gerade auch jetzt so etwas wie ein „Krisenschutzschirm“.

Das Interview in voller Länger lesen Sie im E-Paper der CASH Ausgabe 11-12/2022

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