Spar : Gerhard Drexel: "Wir sind alle lernend...
 
CASH / Markus Wache

Nach 31 Jahren in und auch an der Spitze der Spar tritt Gerhard Drexel Ende 2020 vom Vorstandsvorsitz zurück und wechselt in den Aufsichtsrat.

 Grund genug, gemeinsam mit CASH einen Rückblick, einen vorsichtigen Ausblick und einige deutliche Aussagen zu wagen über Kundenkarten, Lieferantenbeziehung, Freihandelsabkommen und Handelsmarken.
Es ist einer der wenigen Interviewtermine, die in den vergangenen Monaten real stattfinden konnten. Mit ausreichend Abstand, strahlendem Sonnenschein in Salzburg Taxham und unglaublich guter Laune ging das Abschiedsinterview mit Gerhard Drexel über die Bühne. Inhalt des wirklich langen Gesprächs waren neben den Fragen auch unzählige Anekdoten aus 30 Jahren Handelsgeschichte in Österreich.
CASH: Herr Drexel, die jüngsten Nielsen-Zahlen zeigen, dass die Spar ihren Marktanteil noch weiter ausbauen konnte. Es ist daher davon auszugehen, dass Sie das Jahr 2020 als Marktführer beenden. Worauf führen Sie zurück, dass dieses Ziel gerade im Jahr 2020 erreicht wurde. Und welche Wege führen zu dem Ziel, an der Spitze zu bleiben?
Gerhard Drexel: Diese historisch erstmalige Erreichung der Marktführerschaft von Spar führe ich auf ein ganzes Bündel von Werten, Strategien und Maßnahmen, vor allem auf die Menschen, die Mitarbeiter und Kaufleute, zurück. Etwas vereinfacht lässt sich sagen: Unsere Offensivkraft nach außen bei gleichzeitiger Stabilität nach innen sind die Hauptursachen für unseren Erfolg. Wir sind überzeugt, dass Stabilität die Voraussetzung für Dynamik ist – und nicht umgekehrt. Wir haben nie den Fehler der dauernden Umstrukturierung gemacht. Wir haben uns immer evolutionär weiterentwickelt.

„Das Geheimnis der Eigenmarken ist, dass man durch sie stärkere Differenziertheit, Einzigartigkeit und Profilierungskraft erreicht.“
Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender Spar

Wie kann die Spar Ihrer Meinung nach an der Spitze bleiben?
Um an der Spitze zu bleiben, dafür gibt es kein Patentrezept. Aber aus meiner Sicht ist es wesentlich, um als Handelsunternehmen diesen „Winning Spirit“ zu bewahren, sich auf das Arbeiten im „magischen Dreieck“ zu fokussieren. Also höchste Management Attention auf das Sortimentsmanagement, Marketing und den Vertrieb zu legen. Alles andere sind unterstützende Services. Nach diesem Prinzip leben und arbeiten wir, wir verzetteln uns nicht. Der Marktführerschaft ging aus unserer Sicht eine jahrelange Themenführerschaft voraus.

Es sind bei der Spar vor allem Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Plastik sparen, Zucker und Salz reduzieren, regionale Lieferanten stärken. Sie persönlich setzen sich für diese Themen sehr authentisch ein. Warum?
Für uns war es immer wichtig, die Anliegen der Konsumenten, die ja gleichzeitig unsere Kunden sind, zu verinnerlichen und zu vertreten. Deswegen waren wir oft die ersten, die gesellschaftspolitische Themen angesprochen haben, wie beispielsweise den Verzicht auf Gentechnik und Glyphosat in der Landwirtschaft. Wir haben uns auch als Erste vehement gegen negative Auswirkungen von Freihandelsabkommen ausgesprochen wie TTIP, CETA und jetzt ganz aktuell Mercosur. Auf der anderen Seite haben wir proaktiv gezielt Kampagnen entwickelt, die ganz auf der Seite der Konsumenten angesiedelt sind, wie Zuckerreduktion, Plastiksparen, Verzicht auf Palmöl, aber auch die Forcierung von regionalen und lokalen Lieferanten. Das liegt mir persönlich so am Herzen, weil wir eine gesellschaftspolitische Verantwortung tragen. Wir wollen, dass unsere Lebensmittel auch in Zukunft „Mittel zum Leben“ bleiben. Und das wären sie nicht mehr, wenn da Gentechnik, Glyphosat, Palmöl oder zu viel Zucker enthalten wäre.

Welches Umweltthema liegt Ihnen zurzeit am meisten am Herzen?
Drei Themen liegen uns hier bei der Spar und mir persönlich sehr am Herzen. Erstens: Wir brauchen dringend ein Verbot des Umweltgifts Glyphosat. Das österreichische Parlament hat zwar bereits zweimal ein nationales Glyphosatverbot beschlossen, aber die Bundesregierung will es einfach nicht umsetzen.
Zweitens das Thema Einwegpfand, zu dem wir nur sagen können, dass wir zu 100 Prozent dagegen sind. Das ist für uns ein Etikettenschwindel. Es würde nur zu zehn Prozent eine Lösung für das Plastikgebinde darstellen. Sollte das Plastikpfand wirklich umgesetzt werden, obwohl es nicht einmal im Regierungsprogramm steht, gäbe es nur Verlierer. Die Konsumenten, die Lebensmittelhändler und die Umwelt. Wenn die Wiener auf die gleiche Art und Weise sammeln würden wie die anderen acht Bundesländer, dann hätten wir die Zielquote schon erfüllt.
Drittens: das drohende Freihandelsabkommen Mercosur. Die EU-Kommission will es mit Gewalt durchboxen, obwohl es ein eklatanter Verstoß gegen den „New Green Deal“ der EU wäre. Denn, verkürzt gesagt, würde Mercosur dazu führen, dass die EU-Länder jede Menge Autos zollfrei nach Südamerika liefern könnten, die europäischen Konsumenten im Gegenzug mit Unmengen an Rindfleisch überschwemmt würden. Und zwar Rindfleisch, das mit Wachstumshormonen, die in der EU verboten sind, hochgezüchtet wird und für deren Weideflächen riesige Gebiete des Amazonas-Regenwaldes gerodet werden müssten. Die „grüne Lunge“ unseres Planeten würde irreversibel geschädigt.

Sie haben über 30 Jahre mit Leidenschaft für die und an der Spar gearbeitet, welche Etappenziele, Meilensteine waren aus Ihrer Sicht entscheidend?
Ich habe am 1. 1. 1990 angefangen. Da haben wir den Schritt mit der neu gegründeten ASPIAG über die Grenze nach Italien, Slowenien und Ungarn vorbereitet.  1991 dann der Start in allen drei Ländern. Gleichzeitig haben wir in den 90er-Jahren in Österreich das Geschäft vorangetrieben durch eine Reihe von wichtigen Unternehmensübernahmen wie Konsum, wo wir das größte Teilpaket übernehmen konnten, Huma von der Metro, Primakauf in Oberösterreich von Raiffeisen, alle Familia-Märkte in Vorarlberg und Tirol von der Migros und schließlich Pampam, die Verbrauchermarktschiene von Meinl.
In den 00er-Jahren haben wir die Spar auf den Weg zum mitteleuropäischen Konzern gebracht. Im Inland starteten wir eine umfassende Expansions- und Modernisierungsoffensive. Es gelangen zwei bedeutende Übernahmen: 2000 alle Meinl-Märkte in Ostösterreich, 2002 dann Maximarkt von der RWA. 2005 dann der Start in Kroatien. 2007 haben wir die SES gegründet, die Spar European Shopping Centers GmbH. Mittlerweile führen wir bereits 30 Shoppingcenter.
In den 00er-Jahren und 10er-Jahren gab es eine große Innovationsoffensive bei unseren Eigenmarken, die nach wie vor anhält.
Die 10er-Jahre waren dann für uns in Österreich das Jahrzehnt der Wachstumsführerschaft. Wir sind in allen zehn Jahren (2010 bis 2019) zehnmal in Folge Wachstumssieger geworden im Bereich der Supermärkte und Verbrauchermärkte. Im Jahr 2020 dann die Krönung: Spar wird erstmals in der Geschichte Marktführer im LEH.
Das Interview in voller Länge finden Sie im E-Paper der CASH-Dezember-Ausgabe.

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