Transgourmet Österreich: Thomas Panholzer: St...
 
Transgourmet Österreich

Thomas Panholzer: Starker Gegenwind

Markus Wache
Thomas Panholzer, Geschäftsführer von Transgourmet Österreich, sieht sein Unternehmen als Marktführer im Gastronomie-Großhandel.
Thomas Panholzer, Geschäftsführer von Transgourmet Österreich, sieht sein Unternehmen als Marktführer im Gastronomie-Großhandel.

Transgourmet ist noch nicht flächendeckend in Österreich aufgestellt. Wie sich Geschäftsführer Thomas Panholzer, MBA, die Expansion vorstellt und mit welchen Schwierigkeiten er dabei zu kämpfen hat, erzählt er im CASH-Interview.

CASH: Herr Panholzer, wie hat sich Transgourmet in Österreich seit dem Markteintritt entwickelt?
Thomas Panholzer:
Transgourmet Österreich hat in den vergangenen Jahren im Durchschnitt sieben Prozent jährlich zugelegt, das heißt, wir haben eine kontinuierliche Entwicklung ohne Knick. Wir haben in Schwarzach in Vorarlberg einen zusätzlichen Markt gebaut und sind dort auf einem guten Weg. Eine gute Entwicklung gibt es auch bei unserer Marke „Vonatur“, die für Regionalität und Nachhaltigkeit steht. Aktuell ist die Akquisition der Gastro Profi GmbH mit Sitz in Alkoven in Oberösterreich. Gastro Profi ist Spezialist im Bereich italienische Gastronomie und bietet 800 Produkte mit Fokus auf das Ethno-Sortiment an.

Wird mit den 13 Transgourmet-Standorten das Auslangen gefunden oder sind weitere in Planung?
Wir haben noch weiße Flecken in Tirol, im Pinzgau in Salzburg sowie in Niederösterreich und wir denken, dass wir in Wien, wo wir überdurchschnittlich gut wachsen, noch einen Standort brauchen.

In welchem Zeitraum soll das passieren?
Das hängt von den Behördenverfahren ab, Raumordnung und Gewerbeordnung machen es uns aber nicht einfach, wir sehen uns mit starken Verhinderungstendenzen konfrontiert, besonders in Niederösterreich. Dort konnten wir uns bisher nicht darauf einigen, eine Zielgruppe zu definieren, wie wir das bei allen Standorten haben. Jedenfalls arbeiten wir an allen Projekten gleichzeitig und dort, wo wir Genehmigungen bekommen, werden wir unverzüglich mit dem Bau beginnen.

Transgourmet bezeichnet sich mit 22,2 Prozent Marktanteil als Österreichs Marktführer im Bereich Gastronomie-Großhandel. Auf welchen Gesamtmarkt bezieht sich diese Angabe?
Laut Gastro-Observer liegt das Einkaufsvolumen der heimischen Gastronomie bei rund 5,2 Milliarden Euro, davon werden 2,04 Milliarden Euro im Vollsortimentgroßhandel – das entspricht den gängigen Cash&Carry-Anbietern – eingekauft. Unser Marktanteil in der Gastronomie bezieht sich auf die 2,04 Milliarden Euro.

Die Gastronomie ist also ihr wichtigster Geschäftszweig, welche Kundensegmente bedienen Sie noch?
Wir machen über 85 Prozent des Umsatzes mit der Gastronomie und Hotellerie, der Rest – und das ist eher der abschmelzende Bereich – ist Handel und Gewerbe. Unser Ziel ist, 95 Prozent mit Gastronomie und Hotellerie zu machen, vom Würstelstand bis zur Haubenküche, vom privaten Zimmervermieter bis zur Hotelkette.

Und gibt es da noch weiße Flecken?
Den letzten weißen Fleck haben wir mit Gastro Profi geschlossen, damit werden beispielsweise Kebab-Stände, Pizzerien und chinesische Restaurants abgedeckt.

In der Gastronomie werden fehlende Herkunftsangaben kritisiert, wie stehen Sie zu diesem Thema?
Prinzipiell sind wir Gegner von zu strenger Reglementierung. Jeder Gastronom soll seinen eigenen Weg gehen und sein Klientel bedienen können. Aber wir sehen, dass das Thema Herkunft eine immer stärkere Rolle spielt und haben mit Vonatur eine Produktlinie ins Leben gerufen, wo genau diese Nachverfolgbarkeit stark in den Fokus gestellt wird und die Gastronomen diesen Benefit ihren Kunden weitergeben können.

Welche Rolle spielen bei Transgourmet Produkte österreichischer Herkunft?
Eine sehr große Rolle! Bei  Fleisch und Molkereiprodukten sind es beispielsweise 70 Prozent, was auch durch das AMA-Gütesiegel belegt ist. Außerdem setzen wir in den einzelnen Standorten stark auf regionale Angebote, bieten also ein großes Sortiment aus der Gegend an.

Mit der Eisberg Österreich GmbH in Marchtrenk gibt es so etwas wie ein Schwesterunternehmen. Tritt Transgourmet quasi als Distributor der dort erzeugten Produkte auf?
Wir beziehen von dort Waren vor allem im Salat-Bereich und in Zukunft auch im Convenience-Bereich und werden die Zusammenarbeit jedenfalls ausbauen.

Die Bell Food Group – zur Coop-Gruppe gehörend und Mutter von Eisberg – ist an der niederländischen Mosa Meat mehrheitsbeteiligt, die führend ist in der Erzeugung von Fleisch aus Zellkulturen. Sehen Sie hier ein zukünftiges Geschäftsfeld für Transgourmet und wie stehen Sie überhaupt zu Fleischersatzprodukten?
Sobald es Produkte gibt, die allen Anforderungen entsprechen, werden wir Listungen vornehmen. Das Segment der Fleisch­ersatzprodukte auf pflanzlicher Basis gibt es bei uns ja schon und wird stark nachgefragt. Ein fleischloser Burger von Hilcona steht kurz vor der Markteinführung.

Zu Transgourmet Österreich gehören auch die Kaffeerösterei Javarei, der Wein- und Getränkefachgroßhandel Transgourmet Trinkwerk und die Marke Transgourmet Cook. Was können Sie uns aus diesen Bereichen berichten?
Zu Transgourmet Cook: Wir beliefern über 250 Haubenköche und wachsen in diesem Bereich jährlich zweistellig, das ist eine Speerspitze, die extrem gut funktioniert. Die Javarei haben wir als große Kaffeemarke in Österreich etabliert und gewinnen immer wieder bei Blindverkostungen. Und der Getränkegroßfachhandel Trinkwerk ist ein Bereich mit großem Wachstum, wir beliefern Festivals wie Nova Rock, Frequency oder das Donauinselfest.

Ein großes Thema ist der Fachkräftemangel in der Gastronomie. Unter der Dachmarke „Sterne von morgen“ bündelt Transgourmet Nachwuchs- und Talentförderungsmaßnahmen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Hier geht es um die Förderung von Nachwuchskräften für die Gastronomie. Man weiß ja, dass es einen Fachkräftemangel gibt. Wir machen Seminare und Kochveranstaltungen und -wettbewerbe an unseren Standorten. Wichtig ist nicht nur, dass die Leute einen derartigen Lehrberuf ergreifen, sondern auch, dass sie auch in diesem Job bleiben. Wir haben natürlich auch selbst sehr viele Mitarbeiter mit gastronomischem Background.

Herr Panholzer, vielen Dank für das Gespräch!

Markus Wache
Coop-Netzwerk in Österreich
Mit Stichtag 1. Jänner 2016 hat die Wettbewerbsbehörde die 100-prozentige Übernahme von C+C Pfeiffer durch die Coop-Tochter Transgourmet erlaubt, kurz darauf erfolgte die Umbenennung in Transgourmet Österreich GmbH. Neun Transgourmet-Standorte sowie vier Transgourmet Cash&Carry-Märkte bieten eine Kombination aus Abholmarkt und Zustellservice. Mit rund 1.760 Mitarbeitern erwirtschaftete Transgourmet Österreich 2018 einen Jahresumsatz von 561 Millionen Euro. Coop ist in Österreich auch durch die Bell-Food-Tochter Eisberg Österreich GmbH vertreten. Im neuen Werk in Marchtrenk (OÖ) werden seit dem Frühjahr 2019 Produkte der Marken Eisberg, Hilcona, Hubers und Bell hergestellt.
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