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Silvio Kirchmair: "Corona hinterlässt Relikte"

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In den vergangenen Jahren war der Ladenbau gefordert: Hygienekonzepte mussten umgesetzt werden, die Digitalisierung vorangebracht und das alles bei instabilen Materialpreisen. Silvio Kirchmair, CEO von umdasch The Store Makers, spricht im CASH-Interview über die Auswirkungen der Pandemie auf das Aussehen von Geschäften.

März 2020 – alle nicht-essenziellen Geschäfte haben zu. Es herrscht Lockdown, der erste von bislang fünf. Was für die Ladenbau-Branche folgte, war ein außergewöhnlicher Kurswechsel mit plötzlichen Höhen und Tiefen. Trennwände, Hygienespender, zunehmender Platzbedarf – um den Betrieb unter den teils strengen Sicherheitsbedingungen aufrechterhalten zu können, mussten Händler aller Kategorien ihre Ladenkonzepte neu denken. Was damals neu und teils improvisiert war, ist mittlerweile zum regulären Erscheinungsbild des stationären Handels geworden. Doch was bleibt von den Maßnahmen? Silvio Kirchmair fasst die damalige Lage zusammen und schildert, wie sich der Ladenbau seither entwickelt hat und weiterentwickeln könnte.

CASH: Herr Kirchmair, wie haben Sie den Anfang der Pandemie geschäftlich erlebt?
Silvio Kirchmair: Ich glaube, wir alle erinnern uns an den März vor zwei Jahren. Für jeden war das eine ungewohnte Situation. Wir haben in den ersten Tagen in ein tiefes Nachfrageloch geblickt, die war quasi über Nacht einfach weg. Dann folgten einige Wochen des Innehaltens. Ab April ging es wieder los, auch mit stark gestiegener Nachfrage nach Hygienelösungen. Wir haben alleine von April bis Juli 2020 über 10.000 Hygienespender verkauft. Das klingt nach viel, aber wenn man sich den Gesamtbedarf in Europa anschaut, dürfte der damals in die Millionen Stück gegangen sein. Dann hat sich für die Käufer die Frage gestellt, ob man dafür überhaupt Desinfektionsmittel beschaffen kann. Es hat sich alles recht schnell etabliert und kurzfristige Lösungen, wie Plexiglas-Scheiben, die vor Kassen geklebt wurden, wurden bald durch professionelle Varianten ersetzt. Die stehen bis heute zum Schutz der Mitarbeiter, die Erstmaßnahmen sind weitgehend geblieben.

Wie hat sich der Bedarf für solche Artikel seither entwickelt?
Sagen wir es so: Wir sind 2021 deutlich zweistellig gewachsen und das ist zwei Kundengruppen geschuldet, die aktuell intensiv investieren: dem Lebensmitteleinzelhandel und den Banken. Der LEH ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, was nicht alle Handelsbereiche behaupten können. Entsprechend wird expandiert und umgebaut. Bei den Banken ist das Gegenteil der Fall: Durch Corona ging der Bedarf an persönlicher Betreuung in den Filialen weiter zurück, der bestehende Trend wurde verstärkt. Jetzt werden Standorte aufgelöst und mit anderen zusammengelegt. Das erfordert Umbauten. Wir werden das noch in den nächsten drei bis fünf Jahren sehen, bevor diese Entwicklung abflacht. Andere Handelsbranchen leiden weiterhin und halten Investitionen begrenzt.

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