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Walter Breuer/Think!

Walter Breuer im CASH-Interview: Der Schuh als Lebensgefühl

Think!
Walter Breuer, der gemeinsam mit Gründer Martin Koller als Geschäftsführer die Geschicke der Marke Think! von Kopfing aus leitet © Think!
Walter Breuer, der gemeinsam mit Gründer Martin Koller als Geschäftsführer die Geschicke der Marke Think! von Kopfing aus leitet © Think!

In Kopfing (OÖ) sitzt mit der Legero Schuhfabrik ein Hersteller, der mit der Marke Think! in die ganze Welt expandiert. Geschäftsführer Walter Breuer erzählt, wie aus einer kleinen Schuhfabrik ein globaler Anbieter wurde.

CASH: Herr Breuer, wer sind heute für die Marke Think! die wichtigsten Partner?
Walter Breuer: Das ist einerseits der Schuhfachhandel mit den großen Filialisten wie etwa Humanic, andererseits spielen die Fachhändler für uns eine große Rolle. Dazu kommen natürlich noch die weltweiten Think! Monostores, die wir seit 2008 auf Franchise-Basis führen. 26 sind es insgesamt, in Österreich derzeit vier.

Sie sind heute weltweit sowohl in den stationären Geschäften als auch im Onlinehandel vertreten. Wie konnte die Marke Ihrer Meinung nach bei den Konsumenten eine so große Beliebtheit erlangen?
Für uns sind die Markenattribute wichtig. Wir zeichnen uns erstens durch die Einzigartigkeit der Produktion und des Designs aus. Wir produzieren keinen alltäglichen Schuh, sondern einen, der für den individuellen Konsumenten gedacht ist. Der zweite Aspekt ist unser Tragekomfort und die Qualität der Produkte, die sich sehr stark vom Durchschnitt abhebt – sei es von den verwendeten Materialien oder der Funktionalität von den Schnitten her. Die dritte Säule unserer Markenphilosophie ist die Nachhaltigkeit der Produkte. Das bedeutet nicht nur den ressourcenschonenden Umgang mit dem Produkt, sondern im gesamten Unternehmen. Der Name der Marke ist bei uns Programm: Wir denken bei allen Prozessen mit.

Bedeutet Nachhaltigkeit dann auch, dass mit regionalen Materialien gearbeitet wird?
Beim Leder natürlich nicht, denn Italien ist für sein schönes und hochwertiges Material bekannt. Der erste Aspekt beim Schuhkauf ist immer die Optik. Der Schuh muss zuerst gefallen und passen – wenn dem Kunden dann noch weitere Aspekte der Marke gefallen, haben wir unser Ziel erreicht. Nachhaltig ist aber auf jeden Fall unsere Zusammenarbeit mit Partnern, die oftmals schon seit Jahrzehnten besteht.

Weil wir von Regionalität sprechen: Die Produktion der Schuhe erfolgt in europäischen Betriebsstätten, was doch sehr unüblich für die Branche ist. Was sind die Beweggründe?
Einerseits passt es gut zu unserem Konzept und andererseits erlaubt es uns, schnell am Markt zu reagieren. Wir haben unser Logistikzentrum in Ungarn und eine Produktionsstätte an der ungarisch-rumänischen Grenze, die andere im Norden von Bosnien. Dadurch sind wir sehr effizient in der Logistik.

Wieso produzieren Sie dann nicht überhaupt in Österreich?
Die gesamte technische Entwicklung, das gesamte Know-how, Vertrieb und Beschaffung befindet sich in Österreich. Ein Produktionsstandort Österreich, und das muss man ganz ehrlich sagen, ist aus Kostengründen sehr schwierig. Zudem merken wir hierzulande die fehlende Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Das macht es undenkbar, in Österreich zu produzieren.

Sie sprechen das Thema Fachkräftemangel an.
Die Schuhmacher-Lehre ist der Ausgangspunkt für alle Berufe in der Schuhbranche, egal ob im technischen oder kreativen Bereich. Wir haben ziemliche Schwierigkeiten, passende Leute zu finden. Das wird uns in Zukunft auch noch vor größere Herausforderungen stellen, vor allem junge Arbeitskräfte sind schwierig zu finden.

Sie waren bereits vor Ihrer Tätigkeit bei Think! in der Schuhbranche tätig. Was macht das Unternehmen für Sie persönlich so attraktiv?
Die Markenphilosophie besteht seit 25 Jahren und ist wirklich einzigartig. Think!-Schuhe sind nicht nur Schuhe, sondern ein Lebensgefühl. Die Konsumenten kaufen nicht nur einen Schuh, der gefällt, sondern setzen mit dem Kauf bewusst ein markenphilosophisches Statement.

1990 hat Martin Koller die Marke Think! ins Leben gerufen. Welche Veränderungen sehen Sie seit damals in der Branche?
Diese sind vor allem in der Handelslandschaft und in den Vertriebskanälen zu beobachten. Vor 25 Jahren gab es noch keinen Onlinehandel – dieser macht inzwischen keinen unwesentlichen Anteil mehr aus.

Wie hoch ist dieser Anteil, bezogen auf den Umsatz?
Der Onlineanteil liegt bei 15 Prozent. Obwohl dieser schwer einschätzbar ist. Viele unserer Fachhändler, die bei uns als stationäre Händler geführt werden, verkaufen auch auf Onlineplattformen.

Hinzu kommt, dass sich viele Kunden vor dem Kauf im Geschäft online informieren.
Natürlich gibt es die Diskussion, ob der Onlinehandel dem stationären Handel den Umsatz wegnimmt. Doch Online liegt die Conversion-Rate bei höchstens drei Prozent. Man muss sich daher fragen: Was passiert mit den restlichen 97 Prozent? Gutes Storytelling kommt uns hier zugute, dadurch kann das Interesse der Konsumenten massiv gesteigert werden.

Ihre Marke ist direkter Partner bei Amazon, ihre Partnerhändler verkaufen über Zalando. Was kann Think! von diesen großen Playern lernen?
Die Markensichtbarkeit in allen Vertriebskanälen ist heute wichtig. Wir haben in den vergangenen Jahren von Erfahrungen hinsichtlich Qualität, Vertriebsstärke und Content-Bildung profitiert.

Obengenannte Unternehmen unterscheiden sich in ihrer Firmenphilosophie doch deutlich von Think!-Schuhen, etwa bei der Retourenquote. Wie sieht die Situation diesbezüglich in Ihrem Unternehmen aus?
Wir pflegen unser Sortiment heute viel stärker als früher, denn hohe Retourenquoten sind das absolute No-Go im Onlinehandel. Wir sind hier in einer ziemlich guten Situation. Der Think!-Kunde kennt seine Größe, daher ist unsere Retourenquote ziemlich gering. Hier kommt uns unsere absolut gute Stammkundenbindung zugute.

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für die Marke Think! in den nächsten fünf Jahren?
Unsere große Zielsetzung ist die Fortführung des Omnichannel-Gedankens. Bei der Expansion wollen wir uns auf weniger Märkte konzentrieren, dort aber den Markengedanken noch stärker umsetzen. Und auch bei der Gestaltung der Kollektionen warten neue Herausforderungen. Unsere Zielgruppen haben sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert.

Inwiefern?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eine 60-jährige Frau hat heute einen ganz anderen modischen Anspruch. Das Modebewusstsein ist in dieser Zielgruppe viel stärker ausgeprägt. Wir müssen also ständig mit unseren Kunden mitwachsen und den modischen Ansprüchen der Zeit gerecht werden.

Die Marke Think!

Eigentümer: Legero Schuhfabrik GesmbH
Zentrale: Kopfing/OÖ
Mitarbeiter in der Zentrale: 65
Geschäftsführung: Martin Koller & Walter Breuer
Umsatz 2017: Rund 40 Mio. Euro
Monostores: weltweit 26
Jährliche Produktion: 650.000 Paar Schuhe

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