Alfred Greimel/Quality Austria: Welchen Wert ...
 
Alfred Greimel/Quality Austria

Welchen Wert hat Qualität

Anna Rauchberger
 © Anna Rauchberger
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Quality-Austria-Branchenmanager DI Alfred Greimel im CASH-Interview über den Zusammenhang von Qualität, Marken- und Unternehmenswert sowie die neuesten Trends in Sachen Lebensmittelsicherheit.

CASH: Herr Greimel, was motiviert Unternehmen, Managementsysteme für Lebensmittelsicherheit und -hygiene gemäß dem International Food Standard oder dem British Retail Consortium zu implementieren?



Alfred Greimel: Der eigentliche Anstoß ging von der rechtlichen Situation der Eigenmarken der Händler aus (s. Infobox, Anm.). Letztere haften bei Verstößen gegen die Lebensmittelsicherheit für diese, weil sie rechtlich als Produzenten betrachtet werden. Das bedeutet, dass der Handel im Fall einer Anzeige den Beweis antreten muss, dass er alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und angemessene Sorgfalt aufgewendet hat. Und zu diesen Vorsichtsmaßnahmen gehören neben der Überprüfung der Produkt-Spezifikationen eben auch entsprechende Audits bei den Lieferanten. Das Audit beim Lieferanten ist sozusagen ein Teil der Sorgfaltspflicht der Händler. Heute lastet der Druck, Zertifikate vorzulegen, aber auf der gesamten Lebensmittelindustrie, also auch auf den Markenartikelherstellern.

Gibt es neben der Händlerverantwortung noch weitere Beweggründe für die Nachfrage nach Audits?



Die Wahrung der Sorgfalt seitens des Handels ist bloß die eine Seite der Medaille. Fragen des Gesundheits- und Verbraucherschutzes stehen immer im Vordergrund. Daneben können Qualitäts- und Sicherheitsprobleme aber auch das Image von Marken erheblich schädigen. Dieser Markenwertverlust ist in der Regel eng mit einem Verlust des Unternehmenswertes verknüpft. Ich erinnere nur an den Fall des kanadischen Fleischverarbeiters Maple Leaf im August letzten Jahres. Das Unternehmen musste aufgrund einer Listerienkontamination zahlreiche Produkte aus dem Handel zurückrufen. Die Aktie des Unternehmens verlor daraufhin an der Börse von Toronto binnen kürzester Zeit zehn Prozent ihres Wertes. Hinzu kommen schließlich noch mögliche strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Neben diesem gewissermaßen vorbeugenden Effekt, welche Vorteile ergeben sich für Lebensmittelbetriebe noch aus einer Zertifizierung?



Der Zwang zur Verbesserung, der sich aus den Audits ergibt, garantiert den Unternehmen langfristig die Optimierung und Weiterentwicklung von Prozessen und Strukturen und trägt somit dauerhaft zur Bestandssicherung des Unternehmens bei. Denn eine hohe Zuverlässigkeit der Organisationsprozesse im Betrieb bedeutet letztlich eine deutliche Zeit- und Kostenersparnis. Oftmals sind Audits aber auch Voraussetzung, um in den Genuss von Förderungen zu kommen. In Südtirol beispielsweise werden Förderungen vorzugsweise an zertifizierte Betriebe vergeben.

Apropos Länder: Gibt es in puncto Lebensmittelsicherheit eigentlich länderspezifische Entwicklungsunterschiede?



Weltweit sind durchaus unterschiedliche Schwerpunkte und Entwicklungsunterschiede zu verzeichnen. Das aktuell beherrschende Thema in den Ländern der Dritten Welt ist die Sicherung einer adäquaten, ausreichenden Ernährung, zusammengefasst unter dem Schlagwort Food Security. In den USA dagegen steht derzeit die Abwehr von Bioterror und Produkterpressungen im Vordergrund. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Food Defense, eine Strömung, die allmählich auch in Westeuropa Eingang findet.

Und in Österreich?



In Österreich wie in Westeuropa generell ist es das Thema Food Safety im Sinn von sicheren Lebensmitteln ohne Risiko für die Gesundheit. Hier erleben wir momentan auch den Übergang zu Nachhaltigkeit und Social Responsibility. Aktuell setzen wir uns hierzulande verstärkt und intensiv auch mit Themen wie produktberührende Verpackungen und Food Contact Materials – Stichwort: Weichmacher, Druckfarben etc. – bzw. Allergenmanagement auseinander.

Noch eine abschließende Frage: Welche Assoziation verbinden Sie persönlich mit dem diesjährigen Motto des Quality Austria Forums: Werte schaffen, Werte sichern, Werte schätzen?



Diese Aspekte sind Bestandteil der Markenpolitik einiger bekannter Handelsorganisationen. Eine Marke bzw. eine Handelsmarke punktet aber nicht, wenn sie allein auf Qualität und Lebensmittelsicherheit setzt. Auch ökologische Fragen wie z.B. artgerechte Tierhaltung sowie ethische und soziale Grundsätze spielen eine wichtige Rolle, wie man am Beispiel des AMA-Gütesiegel oder des Fairtrade-Gütezeichens sieht. Die Einhaltung dieser Grundsätze ist dann aber wiederum ebenso durch die Lebensmittelproduzenten nachzuweisen.

Herr Greimel, vielen Dank für das Gespräch!



DI Alfred Greimel ist Branchenmanager für die Bereiche Food und Non Food der Quality Austria Trainings-, Zertifizierungs- und Begutachtungs GmbH.

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