Wirtschaftskammer Wien: Margarete Gumprecht: ...
 
Wirtschaftskammer Wien

Margarete Gumprecht: Seit 40 Jahren Händlerin mit Leib und Seele

Florian Wieser

Mit Margarete Gumprecht steht eine Frau an der Spitze der WK Wien. Im Juli 2020 übernahm sie als Obfrau die Agenden von Rainer Trefelik. Vor dem CASH-Interview war Gumprecht auf Betriebsbesuch in der Wiener Innenstadt unterwegs und hat die Lage sondiert.

CASH: Frau Gumprecht, wie ist die Stimmung in der Innenstadt und im Handel generell?
Margarete Gumprecht: Die Stimmung ist so vielfältig und unterschiedlich wie der Handel selbst. Für die KMU-Betriebe im Lebensmittelhandel der Innenstadt waren die ersten Wochen des Lockdowns schwierig. Vor allem die hohen Kosten für die Hygienevorschriften machen den Händlern zu schaffen. Branchengewinner waren der Einrichtungsfachhandel, der Sportartikelhandel oder die Baumärkte. Aber wir haben natürlich auch Verlierer, wie die Modebranche. Das ist aber eher ein innerstädtisches Phänomen. Je weiter man in die Außenbezirke kommt, desto besser geht es auch dem Textilhandel. Was in der Innenstadt sehr schlecht läuft, ist klarerweise der Souvenirhandel mit bis zu 90 Prozent Umsatzeinbußen. Auf Konsumentenseite konnte man beobachten, dass der Nachhaltigkeitsgedanke und der Wunsch nach regionalen Produkten stark anwuchs. So wurde beispielsweise auch online regional beim Händler ums Eck eingekauft. 

Die Coronaphase hat einmal mehr bestätigt, wie entscheidend die digitale Schlagkraft für Händler ist. Global denken und regional handeln ist also angesagt. Welche Tipps haben Sie diesbezüglich für Wiener Händler parat?
Wenn man noch keinen eigenen Olineshop hat, sollte man zumindest im Internet mit einer Webseite präsent sein. Von der WK Wien gibt es eine Förderung von bis zu 2.500 Euro und eine Onlineberatung, die wir noch stärker ausbauen wollen. Wichtig ist, dass man sichtbar ist und gefunden wird. Das gilt auch im LEH – alle, die sich spezialisiert haben, sind Gewinner. In Wien haben wir auf der einen Seite die großen Ketten und auf der anderen Seite die vielen kleinen Spezialisten, wie ich sie gerne nenne. Wir haben über 70 Süßwarengeschäfte, viele Obst- und Gemüsegeschäfte, um die 50 Fischhändler und natürlich auch sehr viele Feinkosthändler mit einem besonderen Service oder mit speziellen Produkten. Ich kann auch nur jedem Händler empfehlen: Traut euch jetzt, den Schritt in die Zukunft zu machen, denn es gibt ja auch eine Zeit nach Corona. 

Sie managen in Ihrem Fleisch- und Wurstfeinschmecker-Betrieb die insgesamt 16 Standorte; davon sechs eigene Feinkost- und Spezialitätenläden, sieben Franchisepartner, das Logistikzentrum in NÖ und die Verkaufs- und Produktionszentrale in OÖ. Durch die verschiedenen Standorte Ihrer Filiale kennen Sie also die Besonderheiten der Wiener Bezirke aus eigener Erfahrung. Wo liegen die Unterschiede in den Impulsen, die jedes Wiener Grätzel braucht, damit sich die Menschen dort wohlfühlen, um länger zu bleiben und zu konsumieren?
Konsumenten aus dem 13. Bezirk haben natürlich andere Ansprüche als Konsumenten aus dem 21. Bezirk. In Hietzing möchte man wohl eher gehobenere Qualität, Bewohner des 21. Bezirks fühlen sich vielleicht im einem Spezialgeschäft wie Rumpel fehl am Platz. Aber eines ist überall gleich: der Wohlfühlfaktor. Wichtig ist, dass der Konsument in seinem Grätzl alles bekommt, was er braucht. Sei es ein Ersatzteil für das Fahrrad oder ein schönes Outfit für einen festlichen Anlass. Das ist das große Ziel, dass man in Wien rundum gut versorgt ist.

Das Interview in voller Länge gibt's zum Nachlesen im E-Paper.

stats