Adeg Wolfsberg: W. Jäger & A. Riedl: Sie lieb...
 
Adeg Wolfsberg

W. Jäger & A. Riedl: Sie lieben die Freiheit

Seit Beginn des Jahres ist Arno Riedl der neue Geschäftsführer der Adeg Wolfsberg. Die Kärntner Adegianer sind die Einzigen, die zur Gänze selbstständig geblieben sind und mit denen Adeg Österreich nur als Kooperationspartner zusammenarbeitet. Riedl hat die Nachfolge von Mag. Wolfgang Jäger angetreten. Gemeinsam schildern sie, was die Genossenschaft antreibt.

Arno Riedl (rechts) ist seit Anfang 2019 Geschäftsführer von Adeg Wolfsberg und folgt somit Wolfgang
© Markus Wache
Arno Riedl (rechts) ist seit Anfang 2019 Geschäftsführer von Adeg Wolfsberg und folgt somit Wolfgang
CASH: Herr Jäger, Sie haben Ende des Vorjahres nach 15 Jahren die Geschäftsführung der Adeg Wolfsberg an Herrn Riedl übergeben …
Wolfgang Jäger (lacht): Ja, und ich hoffe, ich bin ein gutes Vorbild für ihn.
Arno Riedl: Ja, das bist du. Ich bin seit 25 Jahren selbstständiger Adeg-Kaufmann und seit sechzehn Jahren im Vorstand der Adeg Wolfsberg. Herr Jäger und ich, wir kennen uns schon lang und haben viele Jahre eng und gut zusammengearbeitet.

Der Wechsel an der Führungsspitze erfolgte gleichzeitig mit den Feierlichkeiten zum großen 65-Jahre-Jubiläum der Adeg Wolfsberg. In Summe werden da 68 Millionen Euro bewegt. Damit gehören Sie ja nicht gerade zu den Big Playern. Wie hat die Genossenschaft diese lange Zeit durchhalten können, bei dem Gedränge am Markt?
Jäger: Wir haben die Zeit sogar sehr erfolgreich durchgehalten, und bis heute sind wir außerdem zu hundert Prozent selbstständig.
Riedl: Und das ist überhaupt nicht selbstverständlich, wenn Sie sich anschauen, wie sich einzelne Genossenschaften in den vergangenen Jahrzehnten von der Adeg Österreich einverleiben haben lassen.

Warum wollten die Wolfsberger das nicht auch?
Jäger: Unsere Funktionäre sind ja die Kaufleute, und die wollten ganz einfach immer unabhängig bleiben. In der Adeg Wolfsberg haben wir alle eine sehr starke Verbundenheit mit der Region. Über Teamarbeit wird nicht nur schön geredet, sondern sie wird auf allen Ebenen gelebt.

Aber diese Selbstständigkeit muss man sich in dieser Größe ja erst einmal leisten können.
Riedl: Das stimmt, deshalb halten wir uns an zwei aus unserer Sicht sehr wichtige Grundsätze. Erstens: Die Adeg Wolfsberg lebt nicht über ihre Verhältnisse. Wir haben heute moderne Geschäfte und investieren dann, wenn wir glauben, dass es die richtige Zeit dafür ist. Das ist zum Beispiel gerade jetzt bei unserem Einkaufszentrum Euco Center in Wolfsberg der Fall. Wir modernisieren und vergrößern es und investieren rund zwei Millionen Euro. Und unser zweiter Grundsatz ist: Wir waren nie und werden auch in Zukunft nie ein Trendsetter sein.

Wie soll das in Zukunft funktionieren, wenn Ihre Mitbewerber ständig Trends setzen und aufgreifen?
Jäger: Darüber lässt sich streiten, ob sie wirklich ständig Trends setzen oder nur darüber reden. Wir minimieren jedenfalls unser Risiko, indem wir uns einmal anschauen, welche Trends gesetzt werden und wie sie sich entwickeln. So minimieren wir unser Risiko, falsche Investitionsentscheidungen zu machen.
Riedl: Wir haben eine gute, stabile Geschäftsentwicklung, weil wir unseren Kunden ein feines Sortiment, einen guten Preis und das in modernen Geschäften anbieten.

Ich möchte gerne zurück zum Thema Selbstständigkeit kommen. Sie sind die einzige Adeg-Genossenschaft, die nicht in der Adeg Österreich aufgegangen ist. Sie sind aber deren Kooperations- bzw. Systempartner. Kommen Sie da nicht trotzdem unter Druck?
Riedl: Eventuell unter Spannendruck, denn wir müssen sehr hart mit der Adeg Österreich, die ja eine Handelsfirma der Rewe International ist, verhandeln.

Geht es Ihnen da wie den Markenartiklern? Also: Es ist eine sehr schwierige Verhandlung.
Jäger: Wir haben im vergangenen Sommer den Vertrag mit der Adeg bzw. der Rewe neu verhandelt und er liegt am Tisch. Ich weiß nicht, wie es der Markenartikelindustrie bei Verhandlungen geht. Ich kann nur sagen: Es geht um Leben und leben lassen. In einer Kooperation sollte es fair und partnerschaftlich ablaufen.
Riedl: Um es auf den Punkt zu bringen: Gewisse Parameter gewähren der Adeg Wolfsberg nur geringen Spielraum und erlauben uns keine großen Sprünge.

Können Sie sich vorstellen, aus dem Vertrag einmal auszusteigen?
Riedl: Ich möchte das so beantworten: Wir verlieren unsere Rentabilität nicht aus den Augen. Und die Frage für die Rewe ist vielleicht, ob sie unsere Filialen wirklich verlieren möchte, in einer so wettbewerbsintensiven Zeit.Die Rewe ist ja nicht der erste Besitzer der Adeg Österreich …
Jäger: Wir haben alle Höhen und Tiefen erlebt, mit und ohne neuen Eigentümer.

Konnten Sie beispielsweise mit Ihrem damaligen Kooperationspartner Edeka besser als jetzt mit der Adeg Österreich zusammenarbeiten?
Jäger:
Ich habe vorhin von Leben und leben lassen gesprochen und dass es in einer Kooperation fair und partnerschaftlich ablaufen soll. Das war mit der Edeka der Fall. Sie haben uns wohlwollender behandelt und unsere erbrachten Leistungen etwas mehr geschätzt!

Wie fair geht die Industrie mit Ihnen um?
Riedl:
Achtzig Prozent unseres Sortiments wählen wir direkt aus dem Sortiment der Adeg Österreich aus. Unsere sechs Kaufleute sowie wir mit unseren Eigenfilialen haben darauf den vollen Zugriff. Das heißt, die Berührungspunkte mit der Industrie, außer mit den regionalen Produzenten, sind nicht im großen Ausmaß gegeben. Trotzdem: Mehr davon würden wir schon begrüßen.
Jäger: Wir haben ja in unserer Zentrale in St. Andrä eine komplette Organisation mit Einkauf, mit Marketing usw. Wir machen neben den nationalen Aktionen der Adeg Österreich bzw. den nationalen Flugblättern auch unsere eigenen Flugblätter und Aktionen, wie etwa unseren „Adeg Day“ oder den „Euco Day“.

Wie sehr fordert Sie denn der Preiskampf am Markt heraus?
Riedl: Sehr. Der Aktionsanteil sollte nicht mehr steigen, der Plafond ist erreicht. Wir sollten alle nach anderen Ansätzen suchen.

Haben Sie schon welche gefunden?
Riedl:
Wir können uns aus dem Preiskampf nicht völlig herausnehmen, aber was wir sehr stark versuchen ist, uns als Adeg Wolfsberg als der Regionalversorger schlechthin zu positionieren.
Jäger: Das nehmen uns die Konsumenten auch ab. Wir werden als sympathisch, kompetent und serviceorientiert wahrgenommen.

Wird die neue jö-Card auch so positiv angenommen?
Jäger:
Wir reden schon seit zehn Jahren davon, dass wir eine Kundenkarte brauchen.
Riedl: Jetzt haben wir endlich eine und ich kann Ihnen sagen, der Ansturm in unseren Filialen war riesig und das Interesse bei unseren Kaufleuten ist auch sehr groß.

In weniger als zehn Jahren feiert die Adeg Wolfsberg ihren 75. Geburtstag. Sehen Sie ein positives Szenario für die Genossenschaft?
Riedl:
Ja, das sehe ich, obwohl wir schon wissen, dass der Stand der Adeg Wolfsberg auf Dauer kein einfacher sein wird. Der Erfolg hängt auch von verlässlichen Partnern ab.
Jäger: Und dazu gehört nicht nur die Adeg Österreich, also die Rewe, sondern auch die Industrie und in Zukunft noch stärker Gemeinden. Bei den kleinen, unrentablen Eigenfilialen müssen wir versuchen, sie ins Boot zu holen, um auch von ihnen Unterstützung zu bekommen.
Riedl: Wir leben die Nahversorgung in unserer Region seit Jahren und übernehmen viel Verantwortung. Letzteres erwarten wir auch von der öffentlichen Hand beim Thema Nahversorgung.

Herr Jäger, Herr Riedl, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Die Struktur von Adeg Wolfsberg
17 Adeg-Eigenfilialen: 10 Bezirk Wolfsberg, 6 Bezirk Völkermarkt, 1 Poggersdorf/Bezirk Klagenfurt Land
6 Adeg-Kaufleute
20 Lieferstellen
Euco Center Wolfsberg: Lavanttaler Einkaufszentrum mit 16 Mieterbetrieben inkl. Adeg-Markt (VKFL: 1.400 m²)
2 AGM: Wolfsberg mit 2000 m² VKFL sowie Standort Unterburg. Dieser AGM mit einer VKFL von 700 m² am Klopeinersee ist ein reiner Saisonbetrieb und im Jahr nur von April bis September geöffnet.
Anzahl Mitarbeiter (Köpfe) gesamt ohne Kaufleute: ca. 280



Adeg Wolfsberg
Die Genossenschaft bewegt ein Umsatzvolumen von 68 Mio. €.
GH-Umsatz inkl. Kaufleuten und Lieferstellen: 27 Mio. € - davon ca. 21 Mio. € über Adeg Österreich abgerechnet
EH-Außenumsätze gesamt: 33 Mio. € - davon Filialen: 26 Mio. € - davon EUCO-Center: 7 Mio. €
AGM: 8 Mio. €



Arno Riedl, ad personam
seit 25 Jahren Adeg-Kaufmann (Preitenegg)
seit 16 Jahren im Vorstand der Adeg Wolfsberg
seit 11 Jahren Vorstandsobmann-Stellvertreter
seit 2019 Geschäftsführer der Adeg Wolfsberg
Arno Riedl (48): „Ich bin seit elf Jahren glücklich verheiratet und habe zwei Kinder.“

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