Zielpunkt: Zielpunkt lebt am längsten
 
Zielpunkt

Zielpunkt lebt am längsten

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Johann Schweiger: „Wir bleiben bei unserer aggressiven Preispolitik“.
Johann Schweiger: „Wir bleiben bei unserer aggressiven Preispolitik“.

Johann Schweiger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Zielpunkt, und Marketingleiterin Mag. Jeanne Ligthart sind sich einig: Der Diskont-Supermarkt ist perfekt für die Verbraucher, die im billigen Supermarkt zu Diskontpreisen einkaufen und aus einem vollen Frische-, Feinkost- und Markentopf schöpfen wollen. Und das sollen sehr viele sein.

CASH: Herr Schweiger, als das Aus für Plus und der Neustart für Zielpunkt bekannt gegeben wurde, haben Sie mir auf meine Frage, ob Sie jetzt glücklich sind, mit Ja geantwortet und es sei die Chance, durchzustarten. Das war im Juli des Vorjahres. Sind Sie jetzt, nach der Umstellung, noch immer glücklich und ist Zielpunkt durchgestartet?



Schweiger: Ja, ich bin glücklich, weil ich davon überzeugt bin, dass dieser Zielpunkt, so wie er jetzt als Diskont-Supermarkt positioniert ist, erfolgreich sein wird. Und ich freue mich auch sehr über das positive Feedback der Mitarbeiter und unserer Kunden. Da gibt es einerseits ein Aufatmen in der Belegschaft und andererseits den Beweis anhand der Umsatzentwicklung, dass die Kunden unser Konzept anerkennen.

Frau Ligthart, mit der Definition Diskont-Supermarkt haben Sie ja, wenn man so will, eine neue Kategorie geschaffen. Wo soll Nielsen Zielpunkt eigentlich einordnen und was sollen die Konsumenten mit der Bezeichnung Diskont-Supermarkt anfangen?



Ligthart: Wichtiger als die Nielsen-Kategorie, in der wir uns wiederfinden, ist für mich das klare Profil, das wir beim österreichischen Verbraucher gewonnen haben. Für die Kunden ist diese Kategorisierung völlig unerheblich. Sie sagen ja auch nicht, Sie gehen in den Supermarkt oder zum Diskonter. Zielpunkt bietet das ‚Beste aus zwei Welten‘ – einerseits 1.000 preisaggressive Eigenmarken, darunter rund 600 auf Diskontpreisniveau, und andererseits ein breites Sortiment von etwa 3.500 günstigen Markenartikeln. Das ist das erfolgreiche Sortiment, das sich bei Zielpunkt vor der Umstellung auf Plus bereits über viele Jahre hinweg bewährt hat.

Aber was unterscheidet Zielpunkt jetzt beispielsweise konkret von Penny?



Ligthart: Wir heben uns von Diskontern wie Penny eindeutig ab – etwa durch unser großes Obst- und Gemüseangebot. Einen echten USP bieten wir unseren Kunden aber vor allem mit unserem ausgezeichneten Schirnhofer-Feinkostsortiment.

Und was unterscheidet Zielpunkt von anderen Supermärkten?



Ligthart: Ich möchte das Wichtigste hervorheben: Dass wir als billiger Supermarkt wahrgenommen werden.

Wieso wissen Sie das – so lange ist die Umstellung von Plus auf Zielpunkt ja noch nicht abgeschlossen?



Ligthart: Wir haben in Fokus-Gruppen erhoben, wie wir vom österreichischen Konsumenten wahrgenommen werden. Und die Ergebnisse belegen, dass unsere Strategie aufgeht. Wir bewegen uns genau in der Nische zwischen Hard-Diskonter und Supermarkt. Das ist die Verbraucherwahrnehmung und dies entspricht exakt unserer Strategie.

Oje, die Mitte – über die sagt man doch, dass sie in vielen Bereichen eher vom Aussterben bedroht ist.



Schweiger: Da bin ich völlig anderer Meinung. Das Konzept ist ideal für unsere Größe mit rund 360 Filialen, für unsere Standortpolitik und übrigens auch für die Lieferanten, die sich freuen, dass am hochkonzentrierten österreichischen Markt ein weiterer Händler erhalten geblieben ist.

Dazu wollte ich Sie ohnedies etwas fragen – nämlich zum Verbleib am Markt. Was ist eigentlich Ihre Aufgabe? Zielpunkt langfristig als Tengelmann-Tochter zum Erfolg zu führen oder die Braut zu schmücken, damit sie Herr Karl-Erivan Haub dann doch noch verkaufen kann?



Schweiger: Ich weiß bis jetzt noch nichts davon, dass ich die Braut schmücken soll. Meine Aufgabe ist es, mit Zielpunkt erfolgreich zu sein, gemeinsam mit meinem Team, mit den 3.300 Mitarbeitern in unseren Filialen. Und ich bin sicher, dass uns das gelingen wird.

Zielpunkt war bis 2004 erfolgreich, dann kam Plus dazu und dann wurde überhaupt im großen Stil auf Plus umgestellt. Jedes Mal waren Sie eigentlich sehr zuversichtlich, dass es Erfolg bringen wird.



Schweiger: Ja, das hat unter den jeweiligen damaligen Voraussetzungen auch gut gepasst, Plus hat sich gut entwickelt und das Konzept, das ja ein europäisches war, wäre auch aufgegangen, wenn wir es weitergeführt hätten. Aber wenn wir allein vom österreichischen Markt reden, dann kann eben hierzulande ein europäisches Konzept nicht funktionieren, sondern jetzt spielt Zielpunkt wieder die tragende Rolle.

Sind Sie jetzt so viel mehr eigenständig, gibt es keine Zurufe aus der Konzernzentrale in Mülheim an der Ruhr?



Schweiger: Ja, wir sind völlig eigenständig – vor allem in der Umsetzung unseres strategischen Konzepts. Aber natürlich tragen wir Ergebnisverantwortung gegenüber unserem Mutterkonzern und gegenüber unseren Eigentümern – aber so ist es ja in jedem Unternehmen.

Ligthart: Wenn ich in diesem Zusammenhang noch eines anmerken darf: Zielpunkt kennt seit über 30 Jahren den österreichischen Markt und die Bedürfnisse der heimischen Verbraucher. So reagieren wir etwa auf den ausgeprägten Hang der Österreicher zur Regionalität und verstärken den regionalen Charakter unseres Sortiments laufend. Das wäre mit Plus nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen.

Wenn wir schon beim Stichwort Regionalität, Region sind: Das Kerngebiet von Zielpunkt ist kleiner geworden.



Schweiger: Ja, die geografische Grenze für Zielpunkt ist jetzt nicht mehr Salzburg – da haben wir erst kürzlich neun Läden an die Spar abgegeben – sondern es ist Oberösterreich. Und zur Restrukturierung zählt auch die Abgabe von drei Standorten in Kärnten und einem in der Steiermark.

Wollen, werden bzw. können Sie auch expandieren? Letzteres ist ja auch eine Geldfrage.



Schweiger: In diesem Jahr liegt der Fokus auf einem Wachstum aus der bestehenden Fläche. Wir werden aber in den kommenden Monaten mit Sicherheit auch neue Märkte eröffnen.

Und wie sieht es mit einem Umsatzwachstum aus? Ohne Expansion wird das nicht leicht.



Schweiger: Seit Oktober 2007 verzeichnen wir wieder wachsende Umsätze. Im Jahr 2008 haben wir einen Umsatz von knapp unter 700 Millionen Euro erreicht. Und auch das laufende Jahr 2009 entwickelt sich sehr gut. Auf bestehender Fläche zu wachsen, ist in der heutigen Zeit für niemanden leicht, aber es ist uns ja schon in der Vergangenheit gelungen und wird uns auch weiterhin gelingen.

Bleiben Sie auch bei Ihrer aggressiven Aktionspolitik? Wie kann man mit so viel hochprozentigen Aktionen noch Geld verdienen?



Ligthart: Wir werden vom heimischen Verbraucher als billigster österreichischer Supermarkt wahrgenommen. Entsprechend wichtig ist für uns natürlich unsere Aktionspolitik, an der wir nichts Grundsätzliches verändern werden.

Schweiger: Ja, wir bleiben bei der aggressiven Aktionspolitik. Aber vergessen Sie nicht, wir bieten 4.500 Artikeln an, nicht jeder ist aktioniert. Unsere Spannen sind jedenfalls zufriedenstellend.

Und wie sehen Ihre Lieferanten den neuen Zielpunkt?



Schweiger: Ich hab es eingangs schon erwähnt. Die heimische Industrie hat mit Zielpunkt nach wie vor einen zusätzlichen Vertriebspartner – darüber freuen sich alle unsere Partner. Und wir arbeiten mit aller Kraft daran, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleibt.

Eine gute Zusammenarbeit basiert herkömmlich auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung ...



Schweiger: ... ich will Ihre Frage mit einer klaren Ansage beantworten: Ja, wir erbringen definitiv eine Gegenleistung.

Genau, das wäre meine Frage gewesen. Frau Ligthart, Herr Schweiger, dann bedanke ich mich bei Ihnen für dieses Gespräch!





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