Einkaufsallianz: Deutsche Händler schmieden n...
 
Einkaufsallianz

Deutsche Händler schmieden neue Einkaufsallianz

Metro-Group
Metro hat sich mit anderen Händlern beim Einkauf zusammengetan. © Metro-Group
Metro hat sich mit anderen Händlern beim Einkauf zusammengetan. © Metro-Group

Metro-Tochter Real, Bartels-Langness, Bünting, Klaas & Kock, Netto Stavenhagen und Kaes haben die Einkaufsallianz Retail Trade Group GmbH gegründet. Das Kartellamt hat bereits grünes Licht gegeben.

Die neben den großen deutschen Handelsgruppen Edeka, Rewe, Aldi und Schwarz verbliebenen kleineren Händler tun sich auf der Suche nach Synergien, Kosten- und Volumenvorteilen zusammen. Künftig bündelt das neue Einkaufsbündnis ein Bruttoumsatzvolumen von rund 23 Mrd. Euro, das sie bei den Konditionsgesprächen mit Lieferanten in die Waagschale werfen. Allerdings entspricht dies lediglich ein Beschaffungsvolumen von rund 7 Prozent des deutschen Handels. Die Kooperation soll sich nicht nur auf den Einkauf von Markenartikeln aus dem Food- und Nonfood-Bereich beschränken, sondern auch das Eigenmarkengeschäft, die Logistik und die Verhandlung von Werbepreisen umfassen. Weitere Synergien sollen nach den Plänen der Händler auch in den Bereichen E-Commerce und Verwaltung gehoben werden.

Die neu gegründete Gesellschaft Retail Trade Group geht aus der Einkaufsgesellschaft Privates Handelshaus (PHD) hervor und wird wie diese ihren Sitz in Hamburg haben. PHD bündelte bisher den Einkauf einiger inhabergeführten Handelsketten in Deutschland. Die neue Allianz Retail Trade Group startet zunächst mit 60 Mitarbeitern. Als Geschäftsführer werden Dirk Jung, der zuvor als Director Nonfood für den Metroeinkauf in Hongkong tätig war und Michael Kutz, dem bisherigen Chef der Einkaufsgesellschaft Privates Handelshaus (PHD).

Auch Metro Cash & Carry wird ihr Einkaufsvolumen über die neue Gesellschaft bündeln. Der Düsseldorfer Handelskonzern bringt allein ein Bruttoumsatzvolumen von 14 Mrd. Euro ein. Stellvertretend für die sechs Mitglieder wird künftig die Retail Trade Group Lieferanten zu Jahresgesprächen bitten. Angedacht sind Verhandlungsteams mit Facheinkäufern der sechs Unternehmen, die sich jeweils mit den Warenbereichsleitern der Retail Trade Group abstimmen. In den Gesellschaftersitzungen werden die jeweiligen Vorstandschefs bzw. Inhaber der sechs Gesellschafter ihre Interessen vertreten.

"Wir bündeln unsere Kräfte und bleiben dabei unabhängig", erklärt Real-Chef Patrick Müller-Sarmiento. Die Gründung der Plattform RTG sei ein konsequenter Schritt. "Damit wird die Wettbewerbsfähigkeit aller teilnehmenden Partner gestärkt", ergänzt Bünting-Chef Markus Buntz. Die sechs kleineren Händler wollen so im wettbewerbsintensiven deutschen Markt punkten und sich dem fortscheitenden Konzentrationsprozesses entgegenstellen. Gerade in Verhandlungen mit Markenartikelherstellern wurde es immer schwieriger mit den Großen mitzuhalten. Auch Metro hatte in den letzten Jahren an Marktbedeutung verloren, die sich auch in den Einkaufspreisen niederschlug.

Die beteiligten Unternehmen bleiben weiterhin vollkommen unabhängig: Vertrieb, Marketing und Preissetzung gegenüber den Endkunden bleiben unberührt. Dies zu betonen, ist schon unter kartellrechtlichen Aspekten wichtig. Denn das deutsche Bundeskartellamt prangert seit Langem die starke Konzentration und Einkaufsmacht im Einzelhandel an und wird auch das neue Bündnis mit Argusaugen betrachten. Nach derzeitigem Stand bestünden aber keine Einwände. "Unter dem Strich tolerieren wir die Allianz, weil die Auswirkungen der weiteren Konzentration auf die Lebensmittelmärkte überschaubar sind und das Vorhaben gleichzeitig auch wichtige positive Effekte mit sich bringt", so Kartellamtschef Andreas Mundt. Das betroffene Einkaufsvolumen des Vorhaben liege unterhalb einer kartellrechtlich kritischen Schwelle, teilte das Amt mit. Ein Eingreifen daher nicht nötig. 
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