CASH Handelsforum 2013: Kamingespräch mit Rud...
 
CASH Handelsforum 2013

Kamingespräch mit Rudi Kaske

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Dagmar Lang im Kamingespräch mit Rudolf Kaske (Foto: Johannes Brunnbauer)
Dagmar Lang im Kamingespräch mit Rudolf Kaske (Foto: Johannes Brunnbauer)

AK Wien- und Bundesarbeitskammer-Präsident Rudi Kaske beantwortete im Kamingespräch brisante Fragen von Dagmar Lang und Auditorium.

Ihm sei der Dialog wichtig, betonte Kaske gleich in seinem Eingangsstatement und hob den Handel als wichtigen Arbeitgeber hervor, der immens viel in Sachen Arbeitsplätze beiträgt, sind doch nicht weniger als 580.000 der 3,4 Millionen Arbeitnehmer im Handel beschäftigt.

Sehr erfreulich findet Kaske, dass es heutzutage - im Gegensatz zu früher - wesentlich leichter geworden sei, Nachwuchs zu finden, was nicht zuletzt auch mit der gestiegenen Qualität der Lehrlingsausbildung im Handel zusammenhängt. Und: Der Handel habe auch enorm viel für Wiedereinsteigerinnen in Sachen flexibler Arbeitszeiten getan.

Kleiner kritischer Sidestep: Jeder zweite Handelsangestellte, so Kaske, sei teilzeitbeschäftigt und viele von ihnen wären gerne vollzeitbeschäftigt.

Zum Thema Sonntagsöffnung habe er, Kaske, eine klare Linie: "Da stehe ich auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die den Sonntag als Familientag sehen und weiß zudem, dass auch im Handel viele gegen eine Sonntagsöffnung sind."

Klar auch, dass sich dazu sowohl Richard Lugner als auch Dayli-Gründer Dr. Rudolf Haberleitner zu Wort meldeten. Lugner zum einen, weil er eine Ungleichbehandlung des Handels ortet, weil ohnehin bereits so viele Ausnahmegenehmigungen dies erlauben, und Haberleitner zum anderen, dass es aus seiner Sicht eines der schönsten Familienereignisse sei, an Sonntagen gemeinsam einkaufen zu gehen. Haberleitners momentan akutes Problem: In einer aktuellen Presseaussendung sprach sich Dayli-Miteigentümer Novomatic für eine Aussetzung der Sonntagsöffnungen bis auf Weiteres aus.

Was Kaske jedoch ebenso wichtig ist wie der Dialog an sich, ist der gegenseitige Respekt. "Auf der einen Seite steht der Respekt vor der wirtschaftlichen Leistung der Arbeitnehmer und auf der anderen Seite eine adäquate Bezahlung seitens des Arbeitgebers", so Kaske. Hiezu adaptierte er Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitls berühmten Sager in "Geht's den Menschen gut, geht's der Wirtschaft gut."

Die Kinderbetreuung möchte Kaske in jedem Fall reformieren und nimmt hiezu auch die Regierung in die Pflicht: "Wir müssen endlich vom Gießkannenprinzip der Förderungen wegkommen und mit dem vorhandenen Geld mehr Betreuungsplätze schaffen - und längere Öffnungszeiten der KIndergärten.

Ein Ende der Wirtschaftskrise ist für Kaske auch in den nächsten Jahren nicht in Sicht. Denn seiner Meinung nach bräuchten wir ein Wirtschaftswachstum von mindestesn 2,5 Prozent um ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Das Problem dabei: Alle Wirtschaftsprogrnosen bis 2015 sprechen von einem Wirtschaftswachsum von 0,9 bis maximal 1,8 Prozent. Hier sei ein Investitionspaket seitens der Regierung die einzige Lösung.

Ein besonders unangenehmer Dorn im Auge sind Kaske die rund 300 Millionen Überstunden, die in Österreichs Wirtschaft alljährlich anfallen - und hier vor allem die 69 Millioenen, die nicht bezahlt werden. Denn generell ist er der Meinung, dass neu geschaffene Arbeitsplätze der Wirtschaft à la longue weitaus günstiger kämen. Wobei er im gleichen Atemzug auch auf das bestehende Steuersystem kritisierte, das zu viel Arbeit und zu wenig Vermögen besteuere. Kaske: "Das ist nur mit einer Steuerstrukturreform zu lösen."

Ewiger Kritikpunkt im Zusammenhang mit der Arbeiterkammer sind die Preisvergleiche. Die Vorwürfe: Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, weil sie nicht mehrwertsteuerbereinigt sind, weil die Unterschiede im ländlichen und urbanen Raum nicht berücksichtigt werden und auch, dass die Zeitpunkte der Erhebungen divergieren. Kaske knapp, aber bestimmt: "Sie können sicher sein, dass wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und dass Österreich generell teurer ist als Deutschland."

Abschließend ein vielumjubeltes Angebot Kaskes an den Handel: "Wir sollten uns in absehbarer Zeit gemeinsam an einen Tisch setzen um konkrete Arbeitskreise zu definieren."

Lebenslauf Rudolf Kaske

Präsident der AK Wien und der Bundesarbeitskammer

Geboren: 22. Mai 1955 in Wien

Erlernter Beruf: Koch

1970 - 1974: Kochlehre im Hotel Intercontinental, Jungkoch

1974 - 1987: Jugendsekretär der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD)

1987 - 1995: Zentralsekretär der Gewerkschaft HGPD

1995 - 2006: Vorsitzender der Gewerkschaft HGPD

Dez. 2006 bis Dez. 2012: Vorsitzender der Gewerkschaft vida

Okt. 2012 – März 2013: Vizepräsident der AK Wien

Seit März 2013: Seit 11. März 2013 Präsident der AK Wien, seit 12. März 2013 Präsident der Bundesarbeitskammer

Weitere Funktionen: 1994 bis 2012 Mitglied des AMS-Verwaltungsrates, 2002 bis 2012 stellvertretender Vorsitzender des AMS-Verwaltungsrates

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