WKO/KMU Forschung Austria: 35 Prozent der öst...
 
WKO/KMU Forschung Austria

35 Prozent der österreichischen Einzelhändler schreiben rote Zahlen

Alexas_Fotos/Pixabay.com
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Die durchschnittliche Umsatzrentabilität vor Steuern des heimischen Einzelhandels belief sich im Bilanzjahr 2017/18 auf 3,0 Prozent.

Das Bilanzjahr 2017/18, das am 30. Juni 2018 endete, war für den österreichischen Einzelhandel ertragsmäßig das zweitbeste innerhalb der letzten zehn Jahre. Belief sich die Umsatzrentabilität (= Gewinn vor Steuern in Prozent des Netto-Umsatzes) in den Bilanzjahren 2007/08 und 2008/09 noch auf jeweils 1,5 Prozent, so waren es 2017/18 3,0 Prozent. Einzig im Bilanzjahr 2016/17 lag der Wert mit 3,6 Prozent höher. Dies zeigt eine Sonderauswertung der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria von 8.853 Bilanzen von österreichischen Einzelhandelsunternehmen aller Branchen und Größenklassen.

Buch- bzw. Uhreneinzelhandel oft von Verlusten geplagt
Bei einer näheren Analyse der durchschnittlichen Umsatzrentabilität von 3,0 Prozent zeigt sich jedoch, dass im Bilanzjahr 2017/18 nur 65 Prozent der Einzelhandelsunternehmen Gewinne erzielten, während 35 Prozent in den roten Zahlen landeten. In den Branchen Einzelhandel mit Bücher/Zeitschriften bzw. Einzelhandel mit Uhren/Schmuck schafften es sogar nur jeweils 51 Prozent in die Gewinnzone.

Traditionell geringe Rendite im LEH
Ebenso kommt es zu starken Schwankungen der durchschnittlichen Umsatzrenditen je nach Branchen, wie Projektleiter Dr. Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria bei der Zahlenpräsentation bemerkte. Demnach erzielte 2017/18 der Möbeleinzelhandel mit 4,6 Prozent des Netto-Umsatzes im Branchendurchschnitt die höchsten Gewinne vor Steuern. Danach folgen der Uhren- und Schmuckeinzelhandel und der Elektroeinzelhandel mit jeweils 4,2 Prozent Durchschnittsgewinn vor Steuern. Traditionell geringe Renditen weisen mit je 0,9 Prozent Gewinn vor Steuern der Lebensmitteleinzelhandel sowie der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen auf.

Umsatzrentabilität des Einzelhandels 45 Prozent hinter Gesamtwirtschaft
Weiters zeigt der Langzeitvergleich, dass die Gewinne im Einzelhandel in den vergangenen zehn Jahren deutlich unter den Umsatzrenditen der marktorientierten Gesamtwirtschaft in Österreich liegen. Im arithmetischen Mittel der Bilanzjahre 2007/08 bis 2017/18 weist der Einzelhandel Umsatzrenditen vor Steuern in der Höhe von 2,2 Prozent auf, während dieser Wert in der Gesamtwirtschaft 3,9 Prozent beträgt. Damit schreibt der Einzelhandel im Langzeitvergliech um rund 45 Prozent geringere Gewinne als die Gesamtwirtschaft. Um die Situation des Handels zu verbessern, sieht daher KR Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKO, folgende Notwendigkeiten:
- rasche Umsetzung der Steuerreform (Senkung der Körperschaftssteuer etc.)
- Einführung eines Investitionsfreibetrags
- Verkürzung der Abschreibungsdauer
- Wettbewerbsgleichheit mit ausländischen Onlinehändlern
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