Lebensmittelhandel/BMLFUW: 50 % weniger Leben...
 
Lebensmittelhandel/BMLFUW

50 % weniger Lebensmittelabfälle bis 2030

Gemeinsam an einem Strang ziehen und Bewusstseinsbildung schaffen - das steht im Fokus des heute unterzeichneten Pakts im Rahmen der "Initiative Lebensmittel sind kostbar" der österreichischen Handelsunternehmen und des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Bis zum Jahr 2030 sollen die vermeidbaren Lebensmittelabfälle halbiert werden.

v.l.n.r.: KR Julius Kiennast, Obmann des österreichischen Lebensmittelhandels und Kiennast-Geschäfts
© BMLFUW/William Tadros
v.l.n.r.: KR Julius Kiennast, Obmann des österreichischen Lebensmittelhandels und Kiennast-Geschäfts
"Unser Pakt ist ein wichtiger Schritt für das UN-Ziel, Lebensmittelabfälle im Handel und beim Konsum zu halbieren. Nicht für den Verkauf geeignete aber trotzdem genießbare Lebensmittel werden von den Unternehmen weitergegeben, zum Beispiel an soziale Einrichtungen. Das ist eine nachhaltige Lösung, mit der wir die Verschwendung von kostbaren Lebensmitteln stark reduzieren können", untermauert Bundesminister Andrä Rupprechter heute im Rahmen einer Pressekonferenz. Laut einer Studie der Boku aus dem Jahr 2012 landen in den österreichischen Haushalten jährlich rund 157.000 Tonnen an Lebensmitteln im Restmüll. Jeder Hauhalt wirft somit etwa 300 Euro pro Jahr oder 19 Kilogramm Nahrung in den Müll. Dabei führen Brot, Süß- und Backwaren das Ranking vor Obst & Gemüse, Milchprodukten & Eiern sowie Fleisch, Wurstwaren & Fisch an.

Lebensmittelhandel geschlossen mit an Bord
Auch im Lebensmittelhandel selbst fallen in Summe jährlich 74.000 Tonnen an Bruch und Abschreibungen sowie 35.600 Tonnen an Retouren an (Quelle: Boku, im Auftrag der ECR-Arfbeitsgruppe Abfallwirtschaft 2014). Eine erhebliche Menge, die man mit dem gemeinsamen Pakt bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent reduzieren möchte. Nahezu alle heimischen Händler - darunter Hofer, Lidl, MPreis, Rewe International, Spar, Unimarkt sowie die zahlreichen selbstständigen Nah & Frisch-Kaufleute der Großhandelshäuser Kastner, Kiennast, Pfeiffer und Wedl - sind als Partner mit dabei und setzen sich auch schon bisher mit zahlreichen Initiativen wie etwa Spenden an karitative Einrichtungen oder zeitgerechten Abverkäufen gegen Lebensmittelverschwendung ein. Wie viel die Händler tatsächlich wegwerfen, wird nicht im Detail bekanntgegeben. Je nach Unternehmensgröße und Filialtyp liegt der Wert zwischen 0,6 Prozent und 1,5 Prozent des Umsatzes.

Neues Logo für mehr Bewusstseinsbildung
Mit dem unterzeichneten Pakt will man - so Rupprechter - einen Schritt weitergehen und die Bewusstseinsbildung bei den Verbrauchern forcieren. Ein Logo mit dem Text "Wir retten Lebensmittel" soll in den Filialen der Partnerunternehmen auf die Initiative aufmerksam machen und die Teilnahme am Pakt aufzeigen.

Verpflichtende Maßnahmen
Alle teilnehmenden Partner verpflichten sich zumindest drei nachhaltige Maßnahmen umzusetzen. Dazu gehören eine Kooperation mit einer sozialen Einrichtung bzw. die Weitergabe der Lebensmittel an Gastronomiebetriebe, als Tierfutter oder die Verwendung im eigenen Betrieb, die regelmäßige Schulung der Mitarbeiter zur Reduktion von Lebensmittelabfällen und das genaue Erfassen der ausgebuchten Lebensmittel. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe alternativer Maßnahmen wie etwa Brot vom Vortag zum Kauf anzubieten, das Frischwarenangebot gegen Ladenschluss zu verringern oder auf 1+1 gratis-Aktionen im Frischebereich zu verzichten, von denen weitere fünf auszuwählen sind. Alle drei Jahre wird der Fortschritt im Rahmen eines Berichts der neutralen Stelle ARGE Nachhaltigkeitsagenda der WKÖ evaluiert.

Weitere Partner wünschenswert
Neben dem Lebensmittelhandel ruft Rupprechter auch Unternehmen aus dem Großhandel, sowie Verkaufsstellen des Lebensmittelgewerbes zum Beitritt auf. "Je mehr, umso besser", ist der Mnister überzeugt.

Greenpeace skeptisch
Mit Skepsis zum neuen Pakt reagierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. In einer Aussendung machte Sprecher Herwig Schuster deutlich, dass die Maßnahmen seiner Meinung nach zu kurz greifen würden, um die Verschwendung von Lebensmitteln wirksam einzudämmen. Man müsse sich auch mit dem oft "realitätsfremden" Mindeshaltbarkeitsdatum sowie mit Maßnahmen zur Reduktion von Abfällen am Feld auseinandersetzen.
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