RegioData Research GmbH: 650 Gemeinden in Öst...
 
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650 Gemeinden in Österreich ohne Lebensmittelfilialist

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Im Gegensatz zu vielen anderen verfügt die Salzburger Gemeinde Bürmoos noch über einen eigenen Nahversorger© Foto: Spar
Im Gegensatz zu vielen anderen verfügt die Salzburger Gemeinde Bürmoos noch über einen eigenen Nahversorger© Foto: Spar

Rund 650 Gemeinden, das sind rund 28 Prozent aller österreichischen Gemeinden, verfügen über keinen Lebensmittelfilialisten. Die unterdurchschnittliche Kaufkraft und die geringe Einwohnerdichte in diesen Gemeinden bieten Filialisten auch kaum Anreize, sich dort anzusiedeln.

Rund 650 Gemeinden, das sind rund 28 Prozent aller österreichischen Gemeinden, verfügen über keinen Lebensmittelfilialisten. Zum filialisierten und organisierten Lebensmittelhandel zählen Vollsortimenter ab fünf Standorten mit überregionaler Bedeutung. Dies bedeutet, dass in diesen Orten kein Billa, Spar, Merkur oder ähnliche filialisierte Supermärkte zu finden sind.

Menschen in diesen Gemeinden sind auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen



„Üblicherweise ist ein Konsument bereit, einen Fußweg von 200 bis maximal 500 Metern für seinen Weg zum Lebensmittelhändler zurückzulegen“, erklärt Mag. Mark Ruhsam, Pressesprecher bei RegioData Research. Keine der 650 Gemeinden liegt jedoch weniger als 500 Meter bis zum nächsten Lebensmittelfilialisten entfernt. 15 Prozent der unversorgten Gemeinden liegen bis zu 2 Kilometer, zwei Drittel zwischen 2 und 5 Kilometern und rund 17 Prozent sogar mehr als 5 Kilometer vom nächsten Lebensmittelfilialisten entfernt. Dies bedeutet, dass die Menschen in all diesen Gemeinden auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen sind, um den nächsten Supermarkt zu erreichen.

„Man muss aber einschränken, dass es in vielen dieser Gemeinden sogenannte Teilsortimenter gibt, die nicht Teil der Erhebung waren. Dazu zählen Bäcker, Fleischer und Obst- und Gemüseläden. Auch Tankstellenshops spielen eine Rolle in der Nahversorgung“, ergänzt Ruhsam.

Der filialisierte Lebensmittelhandel erreicht in Summe rund 93 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung. Vor diesem Hintergrund und angesichts der geringen Einwohnerdichte und der unterdurchschnittlichen Kaufkraft der „unversorgten“ Gemeinden sind die Anreize zur Etablierung von Lebensmittelfilialisten in den unversorgten Gemeinden gering.

Optimierungsprozess auch im filialisierten Lebensmittelhandel



Seit mehreren Jahren geht die Anzahl der filialisierten und organisierten Lebensmittelgeschäfte zurück. Gab es im Jahr 2004 noch rund 5.700 Geschäfte, so ist die Anzahl im Jahr 2011 auf circa 5.000 Geschäfte zurückgegangen.

„Nach extrem expansiven Jahrzehnten hat auch im filialisierten Lebensmittelhandel ein Optimierungsprozess begonnen“, betont Ruhsam. Der filialisierte Lebensmittelhandel erreicht einen umsatzmäßigen Marktanteil von 98 Prozent und 93 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser Zahlen verwundert es nicht, wenn Standorte, die nicht so profitabel sind, aufgegeben werden. Dies bedeutet natürlich nicht, dass nicht weiter expandiert wird. Es werden immer wieder auch neue Standorte eröffnet, die Gesamtzahl reduziert sich jedoch leicht.

Filialisierungsgrad steigt weiter



Die Vielfalt im Einzelhandel gibt es vielleicht in Form von Produkten, jedoch kaum noch in Form von verschiedenen Anbietern. Manche Branchen in Österreich haben einen Filialisierungsgrad von nahezu 100 Prozent erreicht. So beläuft sich der Umsatzanteil der filialisierten Marktteilnehmer, Franchisesysteme und Vertriebskooperationen im Lebensmittelhandel auf 98 Prozent und in der
Baumarktbranche auf 97 Prozent. Lediglich im Buchhandel ist der Filialisierungsgrad mit rund 40 Prozent noch vergleichsweise gering, da hier die Buchpreisbindung die Vielfalt der Händler noch ermöglicht.
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