AMA Marketing: RollAMA: Boom bei Frischwaren
 
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RollAMA: Boom bei Frischwaren

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Dass mehr zu Hause gekocht und gegessen wurde, zeigt sich in einem Wachstum bei allen von der RollAMA abgedeckten Kategorien.

Dass Corona seine Spuren beim Einkaufsverhalten der Österreicher hinterlassen hat, ist kein Geheimnis mehr - nun bestätigen die Jahreszahlen der RollAMA 2020 den Einfluss. Bei den Frischwaren gab es einen wertmäßigen Anstieg von 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei die Diskonter um 14,3 Prozent, der übrige LEH um 13,4 Prozent und Vertriebsschienen wie Bäcker, Fleischer oder Direktvermarkter um 21,3 Prozent zugelegt haben. In den Quartalszahlen zeichnen sich die Lockdowns deutlich ab: Während das Jahr mit stabilen 13,2 Prozent Wertzuwachs startet, wurde im zweiten Quartal 20,4 Prozent mehr für die RollAMA-Warengruppen ausgegeben. Der Sommer verlief mit plus 6,7 Prozent eher ruhig, bevor das vierte Quartal sich mit 13,9 Prozent wieder stark entwickelte. Insgesamt stiegen die Haushaltsausgaben für die Kategorien von 6,8 Milliarden auf 7,8 Milliarden Euro, wobei es in fast allen Warengruppen ein zweistelliges Wachstum gab.

Haltbarkeit wurde wichtig

Ein Blick auf die stärksten Gewinner unter den Frischwaren zeigt, dass besonders jene mit einer langen Haltbarkeitsdauer besonders beliebt waren, aber auch jene Produkte, die für das Kochen benötigt werden, sich gut entwickelten. Das größte Plus mit 32,7 Prozent verzeichnete das Kohlgemüse (Kraut, Kohl, Brokkoli und Karfiol), gefolgt von Gemüsekonserven (plus 28,1 Prozent). Auch Pilze, Trocken-Fertiggerichte und Tiefkühl-Obst wuchsen wertmäßig gegenüber 2019 um mehr als 20 Prozent.
Der durchschnittliche Haushalt gab für die erhobenen Frischeprodukte knapp 170 Euro pro Monat aus, ein Plus von fast 20 Euro. Die höchsten Ausgaben erfolgten dabei für Wurst und Schinken, mit 18,7 Prozent oder rund 32 Euro der größte Posten. Auffällig ist, dass der Aktionsanteil in allen Kategorien nach einem Plus für 2019 im Vorjahr gesunken ist. Dies ist jedoch nicht als Trendwende zu deuten, sondern eher ein Spezifikum des Jahres 2020. Der Anteil der Bio-Produkte hat nach jahrelangem Wachstum die 10-Prozent-Marke geknackt.

Weiße/Gelbe Palette

Der Trend hin zur ESL-Milch (Extended Shelf Life) zeigt sich in den Zahlen der Kategorie, denn während Frischmilch mit einem Wert-Minus von 2,1 Prozent weiterhin schrumpft, legt die ESL-Variante um 17,4 Prozent zu, Haltbarmilch wuchs um 26 Prozent. Damit entfallen sechs von zehn Litern verkaufter Trinkmilch auf die ESL-Version. Das größte Wert-Plus (36,6 Prozent) konnte jedoch das ESL-Schlagobers verbuchen. Insgesamt wächst die weiße Palette bei der Menge um 9,1 Prozent und beim Wert um 15,6 Prozent. MoPro-Artikel, die zum Kochen verwendet werden, hatten generell ein stärkeres Wachstum - ein Umstand, der den Lockdowns und dem vermehrten Kochen zu Hause geschuldet ist. Das merkt man auch bei der gelben MoPro-Palette, bei der das Buttermschmalz mit einem Wert-Wachstum von 24,4 Prozent und einem Mengen-Plus von 30,8 Prozent zwar der kleinste Gesamtposten, doch das dynamischste Produkt ist. Die gelben Fette wuchsen bei der Menge um 13,1 Prozent und wertmäßig um 8,8 Prozent.
Die Auswirkungen des Coronavirus auf das Kaufverhalten an den Bedientheken war bemerkbar, denn der lange stabile Anteil an Käsescheiben aus der Bedienung schrumpfte von 3,2 Prozent auf 2,5 Prozent. Auch die Käsestücke - noch der größte Anteil der Kategorie - gingen um 2,7 Punkte auf 46,3 Prozent Gesamtanteil zurück. Gewachsen sind hingegen die Scheiben in der Selbstbedienung, die nun 41,1 Prozent ausmachen, der Reibekäse wuchs auf 10,2 Prozent. Das größte Wachstum konnten der Frischkäse (Wert plus 12,7 Prozent, Menge plus 14,9 Prozent) und der Schmelzkäse (Wert plus 11,8 Prozent, Menge plus 10,9 Prozent) verzeichnen, insgesamt legte die gelbe Palette ein Wertwachstum von 10,4 Prozent hin. Einzig der Streichkäse hatte ein Mengen-Minus von 2,1 Prozent.

Fleisch und Geflügel

Besonders jene Fleisch-Varianten, die schnell zubereitbar sind, lagen im Trend, also Huhn und Faschiertes. Letzteres wies ein Wert-Plus von fast 20 Prozent bei einer Mengensteigerung von über 10 Prozent auf. Hühnerfleisch wuchs wertmäßig um 17,4 Prozent und bei der Menge um 18,1 Prozent. Rückläufig bei der Menge (minus 6,3 Prozent) sind "andere Fleischarten" wie etwa Wild. Wertmäßig stagniert die Unterkategorie bei plus 0,4 Prozent. Insgesamt wurde für Fleisch und Geflügel 10,8 Prozent mehr ausgegeben und es wurden 7,9 Prozent mehr gekauft.

Eier

Insgesamt wuchs der Markt für Eier um 11,3 Prozent mengenmäßig und um 10,5 Prozent beim Wert. Der große Verlierer sind dabei die gekochten Eier, die mit plus 1,1 Prozent bei der Menge und 0,6 Prozent bei Wert ein Minus nur knapp vermeiden konnten.

Änderung des Kaufverhaltens

Im Rahmen der RollAMA wurde auch gefragt, welche Auswirkungen Corona auf das Einkaufsverhalten der Österreicher hat. Deutlich ist, dass das Qualitätsbewusstsein steigt: 59 Prozent der Konsumenten gaben an, eher auf die Qualität als auf den Preis zu schauen. 2017 waren es noch 57 Prozent, 2013 lediglich 47 Prozent. Die wichtigsten Aspekte bei der Produktwahl waren laut der Umfrage die Regionalität (67 Prozent), die Herkunft aus Österreich (66 Prozent) und die Frische (54 Prozent). Generell wurde beim Einkauf vermehrt auf die lange Haltbarkeit (39 Prozent), die Erreichbarkeit des Geschäfts (35 Prozent) und die Auswahl an Fertiggerichten (34 Prozent) geachtet. Ein Drittel der Österreicher greift auf Fertiggerichte zurück, wenn die Zeit zum Kochen fehlt, mehr als die Hälfte hat sogar vorgekocht und taut auf und knapp die Hälfte isst eben kalt, wenn es nicht anders geht. Langfristig möchte ein Drittel der Befragten mehr auf die Hygiene achten, 27 Prozent werden vermehrt heimische und regionale Lebensmittel kaufen und für 23 Prozent steht fest, dass sie mehr bei Direktvermarktern kaufen werden.

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