CASH Handelsforum: Auftakt zum 32. CASH Hande...
 
CASH Handelsforum

Auftakt zum 32. CASH Handelsforum: AMS-Chef Johannes Kopf beim Kamingespräch

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Verlagsgründer Hans-Jörgen Manstein ...
Verlagsgründer Hans-Jörgen Manstein ...

Das CASH Handelsforum 2017 hat begonnen: Dagmar Lang, Geschäftsführerin Manstein Verlag, sprach mit AMS-Chef Dr. Johannes Kopf über die derzeitige Arbeitsmarktpolitik.

„Seit dem ersten CASH Handelsforum 1986 hat sich viel im Handel und der Politik getan“, so Wilfried Haslauer, Landeshauptmann Land Salzburg, bei der Eröffnung des 32. CASH Handelsforums (26. bis 28. April 2017). Emotionalität werde künftig mit zunehmender Digitalisierung immer wichtiger werden. Das Thema Regionalität etwa wird im Lebensmittelhandel großgeschrieben. Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Jörgen Manstein kündigte bei seiner Eröffnungsrede den Gast des folgenden Kamingesprächs bereits an: „Johannes Kopf ist so etwas wie ein Seismograph für die Politik, aber auch die Gesellschaft“, so Manstein. „Es muss uns ein Anliegen sein, Menschen in welcher Form auch immer eine Arbeit zu geben.“

Im März 2017 ist die Arbeitslosigkeit seit langer Zeit wieder zurückgegangen, um 1,8 Prozent. „Wir können hier von einer Trendwende sprechen“, so AMS-Chef Johannes Kopf beim Kamingespräch mit Dagmar Lang (Geschäftsführerin Manstein Verlag). Auch bei den Wirtschaftsforschern zeigen die Zahlen nach oben. Kopf zur nahen Zukunft: „Ich rechne damit, dass die April-Zahlen noch besser werden und die Entwicklung über längere Zeit anhalten wird.“ Gut seien die Zahlen aber noch immer nicht, wie Kopf betont. Außerdem würden viele Unternehmen Arbeitskräfte suchen, finden diese aber nicht. Ebenfalls ist es wichtig, dass auch der Handel an den Aufschwung glaubt, um diesen durch Investitionen mitzutragen.

Prinzip des lebenslangen Lernens
Die größte Herausforderung der Zukunft sei es, unqualifizierte Arbeitskräfte besser zu schulen. Die Zahlen drücken es aus: Die Arbeitslosenquote bei Akademikern und Menschen mit Matura ist in den vergangenen 25 Jahren in etwa gleichgeblieben, bei Menschen mit einem Lehrabschluss leicht gestiegen. Die Quote bei Personen, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, ist jedoch stark gewachsen. Eine Rolle spielt die „Vererbbarkeit“ von Bildung. „Das ist keine Frage der Gene, sondern der Möglichkeiten des Elternhaushalts“, so Kopf. „Hier müssen wir massiv investieren.“ So begrüßt Kopf beispielsweise das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. „Die größten Probleme des Arbeitsmarkts lassen sich nicht durch Arbeitsmarktpolitik sondern vor allem durch Bildungspolitik lösen“, zeigt sich Kopf optimistisch.

Roboter könnten in Zukunft viele Tätigkeiten übernehmen, vor allem bei Jobs, die von Menschen mit niedriger Ausbildung ausgeführt werden. „Es redet jeder darüber, welche Jobs verloren gehen, aber nicht darüber, welche neuen Jobs entstehen“, erklärt Kopf. Diese Diskussionen habe es bei vielen technischen Neuerungen auch schon in der Vergangenheit gegeben. Wichtig ist dabei laut Kopf „das Prinzip des lebenslangen Lernens“. Entwicklungen gehen immer schneller vonstatten. Auch hier heißt die Antwort wieder Bildung. „Für den Arbeitsmarkt von morgen brauchen wir eigentlich Lehre nach der Matura“, so Kopf.

Anreize für Arbeitskräfte schaffen
Im europaweiten Vergleich hat Deutschland Österreich mit Ende Oktober 2014 bei der Arbeitslosenquote überholt. Derartige Zahlen müssen aber von mehreren Seiten betrachtet werden, wie Kopf erläutert. Von 2005 bis 2015 ist die Zahl der 15- bis 65-Jährigen in Deutschland zurückgegangen, in Österreich gestiegen. Auf lange Sicht hat Deutschland, so Kopf, „ein massives demographisches Problem.“ Ebenfalls wurde die Bedeutung von Tarifverträgen in Deutschland massiv zurückgedrängt. „Deutschland hat derzeit den zweitgrößten Niedriglohnsektor in Europa“, so Kopf. „Man kann darüber diskutieren, ob das für die Menschen gut ist oder nicht.“

Erwähnt wurden weitere Themen wie Maschinensteuer und Sonntagsöffnung. Ersteres hält Kopf „für abschreckend und schafft kein Vertrauen in den Standort“. Eine Sonntagsöffnung hingegen würde laut Kopf gegen Arbeitslosigkeit natürlich helfen. Allerdings hat die Politik natürlich auch auf andere Themen zu achten. Prinzipiell müssen aber Anreize geschaffen werden. Die derzeitigen bundesländerunterschiedlichen Regelungen um die Mindestsicherung sind für Kopf destruktiv. In Wien erhalten Lehrlinge etwa eine Aufstockung ihrer Entlohnung auf die Mindestsicherung, in Kärnten nicht. So sei es schwer, einen Wiener für eine gesuchte Lehrstelle in Kärnten zu begeistern.

... und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer nahmen am Mittwoch Abend die Begrüßung vor. © Markus Wachs
Markus Wachs
... und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer nahmen am Mittwoch Abend die Begrüßung vor. © Markus Wachs


AMS-Vorstand Johannes Kopf mit Dagmar Lang, Geschäftsführerin Manstein Verlag, beim Kamingespräch am ersten Tag des CASH Handelsforums. © Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
AMS-Vorstand Johannes Kopf mit Dagmar Lang, Geschäftsführerin Manstein Verlag, beim Kamingespräch am ersten Tag des CASH Handelsforums. © Johannes Brunnbauer


AMS-Chef Johannes Kopf © Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
AMS-Chef Johannes Kopf © Johannes Brunnbauer
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