LEH Deutschland: Aus für Edeka/Kaiser's Tenge...
 
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Aus für Edeka/Kaiser's Tengelmann-Deal

Tengelmann
© Tengelmann
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Nach den bisherigen Stellungnahmen von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes in Deutschland, ist es fast schon keine Überraschung mehr, dass er heute mitgeteilt hat, die geplante Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Edeka-Verbund definitiv zu untersagen.

Obwohl die Parteien mit neuen Übernahmevorschlägen auf Mundt zugekommen sind, hat er diese als nicht ausreichend für den Deal beurteilt. Edeka und Tengelmann haben jetzt noch zwei Möglichkeiten, die Fusion zu retten: Sie legen Rekurs beim Oberlandesgericht in Düsseldorf ein, wovon Brancheninsider ausgehen: Karl-Erivan W. Haub will Kaiser's Tengelmann als Paket und nicht in Tranchen verkaufen und Edeka will sich die vermutlich letzte Chance, durch Zukauf in Deutschland zu wachsen, nicht entgehen lassen.

Die zweite Möglichkeit ist, die Entscheidung des Bundeskartellamtes durch eine politische Intervention zu umgehen. Diese Möglichkeit erregt u. a. das Gemüt von Rewe Group-Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros, der gestern bei der Präsentation der Unternehmenszahlen 2014 einmal mehr wiederholte, die Politik dürfe sich nicht in Geiselhaft nehmen und sich nicht einreden lassen, dass durch die Untersagung des Deals ein zweiter Schlecker-Fall entstehen würde.

Sowohl bei Tengelmann als auch bei Edeka stößt die Untersagung auf Unverständnis. Für Andreas Mundt hingegen ist alles klar: Auch die von Tengelmann und Edeka nachgebesserte Variante des Deals hätte zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen in den bereits stark konzentrierten regionalen Märkten und Stadtgebieten im Großraum Berlin, in München, in Oberbayern und in Nordrhein-Westfalen geführt. Dort hätte Kaiser's Tengelmann einen Marktanteil zwischen zehn bis knapp dreißig Prozent und verfüge über ein wertvolles Standortnetz. Und selbst in jenen Regionen, in denen Edeka nicht so stark vertreten sei, jedoch die Rewe eine starke Position hätte, würde es durch den Wegfall von Kaiser's Tengelmann zu einer Behinderung im Wettbewerb kommen, weil sich Edeka und Rewe in ihren Vertriebs- und Wettbewerbskonzepten ähnlich sind.

Edeka/Tengelmann haben Angebot von Bundeskartellamt ausgeschlagen

Während Edeka und Tengelmann in ihrem Nachbesserungsangebot auf rund hundert Standorte in Berlin und Bayern verzichtet hätten und die Übernahme so retten wollten, hat das Bundeskartellamt als Lösung vorgeschlagen, dass nur 170 Standorte an Edeka wandern sollten, 70 davon als Biomarkt-Filialen. Die restlichen des in Summe 450 Läden umfassenden Pakets sollten an Zweit- und Drittmitbewerber abgegeben werden. Dafür hätte das Bundeskartellamt die Zusage erteilt, weil es auch Probleme am Beschaffungsmarkt gelöst hätte, so Mundt.

Er hält auch fest, dass Edeka und Tengelmann bei der Auswahl jener hundert Standorte, die sie abgegeben hätten, „die Maßstäbe und Voraussetzungen für ein tragfähiges  und wettbewerbskonformes Zusagenangebot nicht berücksichtigt haben.“

Die heute veröffentlichte Untersagung ist nicht rechtskräftig. Innerhalb eines Monats können die Beteiligten beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen.

Rewe Group-Chef Alain Caparros dürfte mit der Entscheidung des Bundeskartellamtes sehr zufrieden sein, weil er noch gestern in Köln wiederholt hat: „Wir werden mit fairen Methoden und auf legale Weise alles probieren, damit Edeka keinen Laden übernehmen darf.“ Hätte es eine Zusage für den Deal gegeben, wäre aus seiner Sicht der Markt völlig aus der Balance geraten – „und sogar hochkonzentrierte Märkte wie Österreich und die Schweiz sind ausbalanciert“.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes in Deutschland, hat den Deal Kaiser's Tengelmann/Edeka untersagt. © Bundeskartellamt
Bundeskartellamt
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes in Deutschland, hat den Deal Kaiser's Tengelmann/Edeka untersagt. © Bundeskartellamt


Rewe Group-Boss Alain Caparros wollte mit allen Mitteln verhindern, dass Edeka Kaiser's Tengelmann übernehmen darf. Das hat das Bundeskartellamt nun für ihn erledigt. © Rewe Group
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Rewe Group-Boss Alain Caparros wollte mit allen Mitteln verhindern, dass Edeka Kaiser's Tengelmann übernehmen darf. Das hat das Bundeskartellamt nun für ihn erledigt. © Rewe Group
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