Unternehmensberater: Beratung macht Sinn
 
Unternehmensberater

Beratung macht Sinn

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Im österreichischen Einzelhandel sind externe Berater noch relativ selten anzutreffen, obwohl diese Verbesserungspotenzial vor allem in der klaren, strategischen Positionierung sowie im Ausbau von Controlling- und Risikomanagementsystemen orten.

„Händler stehen Unternehmensberatern im Allgemeinen wesentlich distanzierter gegenüber als viele andere Branchen. Die Ursachen liegen großteils am Mangel an Erfahrung im Beraterumgang bzw. in der Unterschätzung des Nutzens aus einem Beraterprojekt", konstatiert Mag. Peter Györffy, geschäftsführender Gesellschafter der CONplementation Unternehmensberatungs GmbH. Zudem sind seiner Meinung nach bei Tochtergesellschaften ausländischer Handelsketten die Strategien und Vorgangsweisen ohnehin schon vorgegeben, weshalb nur wenig lokaler Handlungsspielraum für Beratereinsätze in Österreich bleibt.

Strategien aus der Krise

Eine Zurückhaltung des Handels gegenüber Unternehmensberatern erkennt ebenso Mag. Martin Unger, geschäftsführender Partner der Contrast Management-Consulting GmbH: „In der Industrie hat man - von Ausnahmen abgesehen - schon früher begonnen, Berater im größeren Stil bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen einzusetzen. Zunehmend wird es aber auch im Handel üblich, Unternehmensberater verstärkt beizuziehen." Konkret wird seiner Erfahrung nach derzeit die krisenbedingte Strategieentwicklung/-adaption am stärksten nachgefragt. „Die Unternehmen suchen jetzt Beratungspartner, die tatkräftig anpacken und Herausforderungen gemeinsam mit dem Kunden lösen können", sagt Unger. Ebenso gesucht seien Restrukturierungsberatung, strategiebasiertes Kostenmanagement sowie die Optimierung des gesamten Vertriebsbereiches.
Auch für Mag. Günter Brandner, Geschäftsführer der Ernst & Young Business Advisory Services, sind Verbesserungen in den Bereichen Supply Chain Management und Working Capital Management top aktuell. „Gerade in schwierigen Zeiten ist es unabdingbar, Liquidität zu erschließen, zu steuern und freizusetzen sowie seine Kosten unter Kontrolle zu halten," betont Brandner. Seiner Meinung nach gibt es folgende sechs Kernbereiche, die ein Unternehmen zur Kostenreduzierung und zur Förderung des Umsatzwachstums unbedingt ins Auge fassen sollte: Kundenportfolio, Verträge, operative Finanzprozesse, die Lieferkette sowie IT und Immobilien.

Category Management verbessern

Martin Unger von Contrast rät den Händlern, die Controlling- und Riskmanagementsysteme stärker zu beachten. „Diese sind häufig nur schwach entwickelt, was wiederum die Unternehmenssteuerung erschwert," stellt er fest. Peter Györffy von CONplementation sieht wiederum im Einkauf des Handels sehr konkretes Verbesserungspotenzial. „Im österreichischen Einzelhandel sind die Einkaufsabteilungen noch viel zu sehr auf das klassische ‚Buying‘ fixiert. Sprich sie konzentrieren sich stark auf Konditionenverhandlungen von Boni, Rabatten, Werbekostenzuschüssen und sonstige finanzielle Lieferantenleistungen. Dabei wird zu wenig auf die ganzheitliche Bewirtschaftlung des Sortiments aus Kundensicht geachtet." Er plädiert daher für eine pro-aktivere Sortimentsführung des Handels, denn „zu oft wird vergessen, dass das Kernprodukt des Handels sein Sortiment ist und der Erfolg des Retailers hier seinen Ausgangspunkt nimmt." Gleichzeitig erkennt er aufgrund von Sortimentsüberschneidungen zu wenig Differenzierung der konkurrierenden Handelsketten. „Die konsequente Umsetzung eines schärferen Profils auf Basis der Kernkompetenzen wäre für viele Händler ein entscheidender Wettbewerbsvorteil", meint Györffy.

Günter Brandner, Ernst & Young Business Advisory Service © Ernst & Young
Ernst & Young
Günter Brandner, Ernst & Young Business Advisory Service © Ernst & Young


Martin Unger, Contrast Management-Consulting © peter.svec@pixXL.at
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Martin Unger, Contrast Management-Consulting © peter.svec@pixXL.at


Peter Györffy, CONplementation Unternehmensberatung © CONplementation
CONplementation
Peter Györffy, CONplementation Unternehmensberatung © CONplementation
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