BMLRT: Fairness-Büro nimmt Arbeit auf
 
BMLRT

Fairness-Büro nimmt Arbeit auf

Bauernbund
Johannes Abentung, Leiter der neuen Ombudsstelle im Agrarministerium
Johannes Abentung, Leiter der neuen Ombudsstelle im Agrarministerium

Mit 1. März 2022 startet jene Ombudsstelle im Agrarministerium ihren Betrieb, die Bauern und Lebensmittelproduzenten helfen soll, sich gegen die Marktmacht des Lebensmittelhandels zu behaupten. Geleitet wird sie vom ehemaligen Bauernbund-Direktor Johannes Abentung.

Nach zahlreichen Kontroversen im Vorfeld ist es nun mit 1. März 2022 soweit: Das im Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) angesiedelte Fairness-Büro nimmt seine Arbeit auf. Dieses soll Lebensmittelproduzenten mit einem Jahresumsatz von bis zu einer Milliarde Euro gegenüber der Marktmacht von Händlern mit einem Jahresumsatz von mehr als fünf Milliarden Euro schützen, wobei die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) als Durchsetzungsbehörde fungiertSomit fallen beispielsweise alle großen österreichischen Molkereien wie Berglandmilch oder NÖM in die Regelung. Von Händlerseite sind dies aktuell Spar und Rewe, deren Umsätze über der Schwelle von fünf Milliarden Euro liegen. Für kleinere Lieferanten gelten die Bestimmungen über unlautere Handelspraktiken auch gegenüber kleineren Händlern oder Verarbeitern. Das Prinzip lautet, dass der Lieferant "kleiner" sein muss als der Abnehmer. Bei Lieferanten, die einen Jahresumsatz von höchstens zwei Millionen Euro haben, gelten die Regelungen schon für Käufer mit einem Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Euro.

Als unfaire Geschäftspraktiken gelten beispielsweise einseitige Änderungen von Lieferbedingungen, kurzfristige Stornierungen verderblicher Lebensmittel oder auch die Androhung von Konsequenzen gegenüber unbeugsamen Lieferanten. Eine ausführliche Auflistung ist unter www.fairness-buero.gv.at zu finden.

Die Leitung des weisungsfreien Fairness-Büros liegt in den Händen von Johannes Abentung. Laut Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger wurde er "im Rahmen eines transparenten Ausschreibungsprozesses aufgrund seiner langjährigen landwirtschaftlichen Erfahrung und Expertise im Bereich der Lebensmittelkette von einer Begutachtungskommission als in höchstem Ausmaß geeigneter Kandidat erstgereiht". Der aus Innsbruck stammende Jurist startete seine berufliche Karriere als Referent im Österreichischen Bauernbund, dessen Direktor er nach Stationen im Landwirtschaftsministerium von 2009 bis 2017 war.
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