Arbeiterkammer: Buchpräsentation: „Abschied v...
 
Arbeiterkammer

Buchpräsentation: „Abschied vom eindimensionalen Verbraucher“

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Sprachen bei der Buchpräsentation (v.l.n.r.): Nina Tröger (Konsumforscherin AK Wien), Renate Hübner (Alpen Adria Universität Klagenfurt) und Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien).
Sprachen bei der Buchpräsentation (v.l.n.r.): Nina Tröger (Konsumforscherin AK Wien), Renate Hübner (Alpen Adria Universität Klagenfurt) und Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien).

Ein neues Buch der AK hat sich kritisch mit der Frage beschäftigt, welche Rolle Konsum in unserer Gesellschaft spielt und durch welche Möglichkeiten Menschen die Wirtschaft besser mitgestalten können.

„Abschied vom eindimensionalen Verbraucher“ heißt der Titel eines neuen Buches der Arbeiterkammer, das sich durchaus kritisch mit den Themen Konsum und der damit verbundenen Wirkung von Werbung auf die Konsumenten auseinandersetzt. Drei der Autoren, Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien), Renate Hübner (Alpen Adria Universität Klagenfurt) und Nina Tröger (Konsumforscherin AK Wien), waren bei der Präsentation vor Ort und gaben Einblicke in das Werk. Karl Kollmann (Vorsitzender des Verbraucherrats, Austrian Standards Institute) und Michael-Burkhard Piorkowsky (Universität Bonn), ebenfalls Autoren des Buches, konnten den Termin leider nicht wahrnehmen. CASH war bei der Präsentation dabei.

Muss Wirtschaft immer wachsen?
Wie Hübner erklärte, solle das Buch helfen, „das Dominierende in seiner Macht erkennen zu können und kritisch auf Konsum zu blicken“. Konsumgewohnheiten werden im Zuge der Sozialisation geschaffen. „Kultur ist etwas, das sich permanent entwickelt und sich gerichtet entwickeln kann“, betonte Hübner. Das Wachstumsparadigmata ist über die Jahrhunderte durch die Industrialisierung entstanden, so Hübner, durch die Massenproduktion konnten die Bedürfnisse immer besser befriedigt werden. „Ein Problem ist erst entstanden“, gab Hübner zu verstehen, „als Sättigung aufgetreten ist.“ Für sie stellt sich die Frage: Warum muss man wachsen? Darüber hinaus muss es laut Hübner einen Diskurs darüber geben, wie Alternativen zum Konsum oder Kauf, etwa durch Tauschen oder Selbermachen, geschaffen werden können. „Wir können die Richtung nicht bestimmen, aber beeinflussen“, wie Hübner den Anwesenden mitgab.

Wenn es um das Thema Konsum geht, würde sich Tröger um einen stärkeren transdisziplinären Ansatz freuen. Somit würden auch andere Fragestellungen auftauchen und unterschiedliche Erfahrungen einfließen können. Wie Tröger betonte, sind Menschen aber nicht nur Konsumenten, sondern werden darüber hinaus immer mehr zu Prosumenten – Konsumenten gestalten also auch selber mit: Im Zuge der Digitalisierung etwa durch Apps wie Gesundheits- und Fitness-Tracker. Ebenfalls entstehen neue Möglichkeiten des Konsums durch Sharing oder Food-Kooperativen.

Konsum als Teil unserer Sozialisation
Für Fridrich braucht es in unserer Gesellschaft eine stärkere sozioökonomische Bildung, denn: Kinder wachsen heute, bezogen auf Konsum, in einer vierfachen Rolle auf: Erstens haben Kinder schon früh Einfluss und spielen hinsichtlich der Kaufkraft eine wichtige Rolle – Kinder sind daher zweitens Beeinflusser, drittens aber auch gleichzeitig Beeinflusste. Viertens sind Kinder schon von jung an konsumsozialisiert, wie Fridrich erklärte: „Kinder können Marken und Logos bereits in einem Alter unterscheiden, in dem sie noch nicht einmal lesen können.“ Die Wirtschaft ist stark in unsere Gesellschaft eingebettet und wird gesellschaftlich produziert und reproduziert. „Es wird gelernt, konform unserer Marktgesellschaft zu handeln“, ist sich Fridrich sicher. „Durch sozioökonomische Bildung sollen Menschen lernen, die Wirtschaft mitzugestalten.“ Laut Fridrich müssen Handlungsalternativen diskutiert und angeboten werden, dafür „erfordert es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken“. Für Fridrich steht fest: „Nicht nur Unternehmen sollten Kraft in unserer Gesellschaft haben.“
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