WKÖ: Bürokratie im Modehandel
 
WKÖ/Bundesgremium Modehandel
Peter Voithofer, Studienautor, KMU Forschung Austria, Christian Kutsam, Bundesobfrau-Stellvertreter des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln und Harald Sippl, Geschäftsführer des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln © WKÖ/Bundesgremium Modehandel
Peter Voithofer, Studienautor, KMU Forschung Austria, Christian Kutsam, Bundesobfrau-Stellvertreter des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln und Harald Sippl, Geschäftsführer des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln © WKÖ/Bundesgremium Modehandel

WKÖ fordert eine Abschaffung unnötiger, bürokratischer Belastungen für Unternehmen aus dem Bekleidungssegment. Bei jenen Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern fallen im Durchschnitt 4 % der Umsätze als Kosten für die Erfüllung bürokratischer Auflagen an, kritisiert die WKÖ.

In Österreich gibt es rund 3.700 Bekleidungshandelsunternehmen, die wesentlich zum Wachstum des Wirtschaftsstandorts beitragen. 2016 erwirtschafteten diese Unternehmen einen Umsatz von ca. 5,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei 42.500 Mitarbeitern. Die meisten (87 %) von ihnen sind mittelgroße Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern. Laut KMU Forschung Austria stieg die Unternehmenszahl zwischen 2008 und 2016 um rund 4 %, während sich die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um rund 10 % und der Branchenumsatz um rund 19 % erhöhte. 

Trotz der im Branchendurchschnitt steigenden Umsätze zeigt die Entwicklung ein eher durchwachsenes Bild: Die Umsatzerlöse erweisen sich bei vielen Unternehmen als stagnierend bzw. rückläufig, fast die Hälfte der Unternehmen sieht sich mit Umsatzrückgängen konfrontiert (47 %). Ein Drittel aller Unternehmen kann jedoch Umsatzsteigerungen verbuchen, ein Fünftel verzeichnet konstante Umsatzzahlen, wie Christian Kutsam, Bundesobfrau-Stellvertreter des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln, erklärt.

Der größte Kostenblock im Bekleidungshandel sei der Handelswareneinsatz, der etwas mehr als die Hälfte der Betriebsleistung ausmacht. Die Personalkosten betragen 20,5 % der Betriebsleistung, mit einem deutlich höheren Anteil bei beratungsintensiven Betrieben, so das Ergebnis der Umfrage. 

Auf die Branche belastend würden sich zum einen steigende Personalkosten (Gehälter im Modehandel sind stärker gestiegen als die Inflationsrate) aber auch bürokratische Anforderungen. Es zeigte sich schon in der Vorstudie 2017, dass bei Unternehmen mit unter 10 Mitarbeiten im Schnitt 0,9 Mitarbeiter teilweise und 0,3 Mitarbeiter ausschließlich mitbürokratischen Aufgaben betraut sind. Bei Unternehmen mit 10 und mehr Mitarbeitern sind 3,4 teilweise und 2,4 ausschließlich mit bürokratischen Aufgaben betraut. Die Zuständigkeiten für bürokratische Aufgaben liegt bei kleinen Unternehmen zum überwiegenden Teil bei den Unternehmern bzw. den Geschäftsführern selbst, womit in vielen Fällen eine zentrale Ressource gebunden ist.

"Das Problem der hohen bürokratischen Belastungen ist seit Jahren bekannt. Sie steigen aber weiter. Jeder Privathaushalt birgt mehr Gefahren als ein Modehandelsgeschäft. Trotzdem gehen wir im Haushalt von mündigen Bürgern aus. Müssen wir im Unternehmen wirklich erklären, wie jemand mit einer Schere umgehen soll? Jetzt ist es nötig, Bürokratie Schritt für Schritt zureduzieren. Alle Maßnahmen in diese Richtungen werden von uns unterstützt“, fordert Kutsam. 

Forderungen der WKO Bundesgremium des Handels mit Mode und Freizeitartikeln:

  • Arbeitszeitflexibilisierung
  • Fairer Wettbewerb zwischen Online- und Offlinehändlern
  • Abschaffung der kalten Progression: Bei jeder Gehaltserhöhung steigt die durchschnittliche Steuerbelastung
  • Registrierkassa – „15 Warengruppen Regelung“
  • Bürokratieabbau forcieren


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