Unser Ö-Bonus Club: Coverstory 7-8/19: jö im ...
 
Unser Ö-Bonus Club

Coverstory 7-8/19: jö im Kreuzfeuer

UÖBC

Dass die Rewe International – oder genauer gesagt das von ihr gegründete eigenständige Unternehmen jö Bonus Club – der Markenartikelindustrie die über seine Mitglieder erhobenen Marktforschungsdaten zum Kauf anbietet, ist aktuell unbestritten das (!) Thema in der Branche. Vorwürfe von Marktmachtmissbrauch und Verstöße gegen den Fairnesskatalog der BWB stehen im Raum und lassen die Wogen naturgemäß hochgehen.

Der im Mai medienwirksam ins Leben gerufene jö Bonus Club kommt nicht zur Ruhe. Neben den zahlreichen Datenschutzaspekten, die unter anderem vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) und der Arbeiterkammer genau beobachtet werden, steht nun auch der Umgang mit den Lieferanten in der Kritik. Was man zu diesem Thema aus der Industrie hört, wäre bücherfüllend. Fakt ist aber auch, dass sich wenig überraschend niemand offiziell zu Wort melden möchte. Beim Markenartikelverband (MAV) sind jedenfalls zahlreiche Beschwerden eingegangen, die einerseits die Kosten der zur Verfügung gestellten Daten-Basispakete und andererseits die Art und Weise sowie den gewählten Zeitpunkt des Angebots betreffen. Unterbreitet worden sein soll dieses nämlich nach Abschluss der entsprechenden Jahresvereinbarung 2019 und damit nachdem bereits alle Aktivitäten und die dafür zu leistenden Geldbeträge vereinbart wurden. Nicht selten sei Druck aufgebaut worden, indem die Erreichung des vereinbarten Jahresumsatzes bei Nicht-Inanspruchnahme des Marktforschungsservices in Frage gestellt wurde. Ein klarer Verstoß gegen den Fairnesskatalog der BWB, der die einseitige rückwirkende Änderung vertraglicher Verpflichtungen nicht gestattet.

Kosten nicht für alle gleich
Für Unmut sorgt zudem die Tatsache, dass die Kosten für die angebotenen Leistungen an den bei der Rewe erzielten Jahresumsatz gekoppelt werden und zwar in einem Ausmaß von 0,5 bis 1 Prozent des entsprechenden Werts. Die Mehrheit der Markenartikler nennt das ein reines Abcashversuchsmanöver für ein System, das sich noch im Aufbau befinde. Man sehe darüber hinaus nicht ein, den zweifelsfrei investitionsintensiven jö Bonus Club mitfinanzieren zu müssen zumal auch die Validität der Daten, die im Gegensatz zu Nielsen oder GfK lediglich 30 Prozent des Marktes abdecken, angezweifelt werde. Des Weiteren stünden vor allem in schlank strukturierten Unternehmen häufig keine Ressourcen zur weiteren Verwendung ebendieser zur Verfügung. Seitens der Rewe beziehungsweise des Unser Ö-Bonus Clubs wird ein unlauteres Vorgehen jedenfalls mit Nachdruck bestritten. Man informiere die Lieferanten lediglich über die neuen CRM-Möglichkeiten die der jö Bonus Club mit seinen mittlerweile drei Millionen Mitgliedern biete. Wie es in der Causa weitergeht, bleibt jedenfalls spannend. Brancheninsidern zu Folge haben sich auch bereits der Fachverband der Lebensmittelindustrie sowie die BWB der Sache angenommen.

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