CASH Handelsforum 2020 : Der Mittwoch: Auftak...
 
CASH Handelsforum 2020

Der Mittwoch: Auftakt zum 35. CASH Handelsforum

Johannes Brunnbauer
Dagmar Lang und Othmar Karas beim Kamingespräch am CASH Handelsforum 2020.
Dagmar Lang und Othmar Karas beim Kamingespräch am CASH Handelsforum 2020.

Das 35. CASH Handelsforum hat die Frage "Wie sieht der neue Fortschritt aus?" als Motto. Beim Kamingespräch mit Othmar Karas, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, wurde diese Frage auf kontinentaler Ebene besprochen.

CASH-Herausgeberin und Geschäftsführerin des Manstein Verlages, Dagmar Lang, begrüßte die 200 Gäste vor Ort im Kongresscenter Schladming, sowie die 100 online zugeschalteten Zuhörer: "Wir sind so froh, dass sie alle da sind. Wir haben Monate lang mit ständig wechselnden Rahmenbedingungen gearbeitet."

Zur Eröffnung wurde Rainer Trefelik, der neue Handelsobmann der WKO, zu einem Statement auf die Bühne gebeten. "Den Handel aktuell zu vertreten ist eine Herausforderung und ein Vertrauensbeweis", so Trefelik zu seiner Position. Er weist auf die unterschiedliche Betroffenheit des Handels hin: "Auch der LEH wurde unterschiedlich beeinflusst. Es gibt viele Belange, in denen ich den Handel vertreten werde."

Beim Kamingespräch wurde Othmar Karas, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, aus Brüssel zugeschaltet. Dagmar Lang fragte, was Corona für ihn sei. "Eine Herausforderung, die es zu nutzen gilt", so die Antwort. Er geht von spürbaren Folgen innerhalb der nächsten drei Jahre aus. Bei einem Saal- und Online-Voting, wurde gefragt, welche Schulnote die EU für die Reaktion auf die Pandemie erhalten sollte. Mit 44 Prozent war ein 4er die stimmenstärkste Antwort. Gerechtfertigte Kritik, so Karas: "Die Reaktion auf die Pandemie hat Europa deutlich geschadet. Sie wurde als Gesundheitskrise gehandhabt, was auf nationaler Ebene behandelt wird. Dadurch wurde die kontinentale Kooperation eingeschränkt."

Die ursprüngliche Herangehensweise, Corona nur als Gesundheitsproblem und nicht als Quelle einer Wirtschaftskrise zu sehen, sei auch der Grund, warum die Fixkostenzuschüsse so lange auf sich warten lassen. Diese sollen nun allerdings neuen Schwung erhalten haben, "Ich hoffe auf eine rasche Auszahlung", so Karas. Lang fragte anschließend, was man in Österreich von anderen Ländern bei der Reaktion auf Corona lernen könnte. Dazu der Vizepräsident: "Jeder versucht sein Bestes. Was jeder lernen kann, ist, dass mehr kooperiert werden muss. Es braucht etwa eine europaweite App zum Contact-Tracing oder zumindest einheitliche Standards. Außerdem ist eine EU-weite Vorsorge unumgänglich." Impfstoffe werden in einer Kooperation der EU mit Pharma-Unternehmen seit Anfang Oktober entwickelt und überprüft, zudem wurden bereits mehrere Medikamente zur Behandlung von Corona zugelassen.

Ein anderes, globales Thema ist der Klimawandel. "Genau wie Corona lässt sich dieses Problem nicht national lösen", so Karas. Um mit den EU-Vorgaben KMUs weniger zu belasten, sein Wirkungsstudien und Begleitprogramme notwendig. Denn: "Die soziale Verträglichkeit ist hierbei die größte Herausforderung."

Die Publikumsfragen wurden mit einer zum von Karas angesprochenen Pandemie-Plan eröffnet: Wann kommt der und wie sieht er aus? "Wir müssen dafür die Lehre aus der Wirtschafts-, der Flüchtlings- und der Coronakrise ziehen. Eine Antwort auf solche Umstände ist die Zusammenarbeit. Wir müssen uns gemeinsam hinaus investieren."
Auch das Einstimmigkeits-Prinzip in der EU wurde angesprochen. "Das ist nicht mehr zeitgemäß und undemokratisch. Mit EU-Mitgliedern wie Ungarn oder Polen müssen wir einen Dialog führen, wie man sich die Zukunft der Union vorstellt. Den Weg in diese Zukunft geben wir, die Europäerinnen und Europäer vor."

Auch der Brexit wurde angesprochen. Dazu sagt Karas: "Wir beschäftigen uns täglich damit. Ich hoffe auf eine Minimal-Einigung, da sich Premier Johnson nicht mehr an die rechtliche Grundlage des Deals hält."
Mit der EU-Außenpolitik ging es weiter, nämlich wurde die US-Präsidentschaftswahl angesprochen. Karas erwartet sich "eine ausgewogenere Politik, wenn Biden gewinnt." Trump wirft er vor, sich aus der internationalen Verantwortung zu stehlen - Stichwort Pariser Abkommen. China, so eine Publikumsfrage, sei noch immer als Entwicklungsland eingestuft - wie beeinflusse das den Handel? Dies beantwortet der Vizepräsident, dass die Volksrepublik in unterschiedlichen Belangen auch unterschiedlich eingestuft werde. Die ins Ausland ausgelagerte Produktion von notwendigen Gütern möchte Karas wieder nach Europa zurückholen.



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