CASH Handelsforum 2021: Der Mittwoch
 
Markus Wache
Tijen Onaran, Global Digital Woman Leadership & Social Media Bahavior
Tijen Onaran, Global Digital Woman Leadership & Social Media Bahavior

Am Mittwoch, dem letzten Tag des CASH Handelsforums, referierten Tijen Onaran, CEO von Global Digital Woman Leadership & Social Media Behavior und Johannes Kopf, Mitglied des Vorstands vom AMS. Zudem trafen sich Birgit Rechberger-Krammer, Präsidentin von Henkel Österreich, Spar-Vorstandsvorsitzender Fritz Poppmeier und Tijen Onaran unter der Moderation von Günter Thumser zu einer Diskussionsrunde.

Der Mittwoch war nicht nur der letzte Tag der FFP2-Maskenpflicht in Österreich, sondern auch der letzte Tag des diesjährigen CASH Handelsforums. Durch den Tag führte Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbands. Er moderierte als erste Speakerin Tijen Onaran an, ihres Zeichens Bestsellerautorin und CEO des Beratungs- und Netzwerkunternehmens Global Digital Women. Ihr Thema war "Die Ära der neuen CEOs - Chef*innen aus Social Media" und plädiert dabei für die Sichtbarkeit von CEOs und Führungskräften. Früher ging es jungen Menschen darum, sich eine starke Marke, ein starkes Unternehmen auszusuchen, das Sicherheit ausstrahlt. Heute ist das anders. Menschen wollen für Menschen arbeiten, das heißt, man sucht sich einen Arbeitgeber aus, der einen Purpose Impact, eine Botschaft hat, zu der man steht und ein starkes Vorbild ist. Das heißt CEOs müssen nicht nur für ein Unternehmen kommunizieren, sondern auch ihre persönliche Marke aufbauen.

Für Onaran führt dabei an LinkedIn kein Weg vorbei. Allerdings sollte man dort nicht nur Pressemitteilungen posten, man muss auch Persönlichkeit zeigen, nicht zu verwechseln mit Privatem, und Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Themen beziehen, denn nur so baut man Vertrauen auf. Als Beispiel führte sie Claus Hipp an, der sich schon in einer Zeit vor Social Media persönlich positioniert hat und über seine Person Vertrauen in eine Marke geschaffen hat. Denn die Strahlkraft von Marken ist stärker, wenn die Persönlichkeit dahinter stark ist. Sie appelliert an die CEOs: "Erzählen Sie Ihre Geschichte, sonst erzählt sie jemand anderer." Dazu gehört auch, einmal Fehler zuzugeben, Hintergründe und Ecken aufzuzeigen. Denn "die Zeit der Perfektion ist in Zeiten der Digitalisierung vorbei" und "Menschen folgen Menschen, deshalb braucht man CEOs mit Haltung."

Diskussionsrunde Leadership

Gleich nach ihrem Impulsreferat wechselte Tijen Onaran in die Diskussionsrunde mit Fritz Poppmeier, Vorstandsvorsitzender von Spar, und Birgit Rechberger-Krammer, Präsidentin von Henkel in Österreich. Unter der Moderation von Günter Thumser ging es unter anderem um das Thema Leadership in Zeiten der Pandemie. Für Onaran hätte die starke Zunahme von Homeoffice dazu geführt, dass Führungskräfte noch mehr kommunizieren müssen als zuvor. Schließlich wäre in der letzten Zeit der informelle Austausch etwa in Form von kurzen Gesprächen in der Kaffeeküche komplett weggefallen. Weiters hat es sich laut Onaran bezahlt gemacht, wenn Führungskräfte seit dem Ausbruch der Pandemie vermehrt Empathie gezeigt hätten.
Den gesteigerten Kommunikationsbedarf in letzter Zeit hat auch Birgit Rechberger-Krammer beobachtet. Aus diesem Grund hat sie bei Henkel ein eigenes Forum eingerichtet, bei dem die Mitarbeiter ihre Fragen an die Führungskräfte richten können. Laut Birgit Rechberger-Krammer wollen die meisten Mitarbeiter wieder gerne aus dem Homeoffice retour ins Büro kommen, aber nicht mehr fünf Tage pro Woche.
Fritz Poppmeier erzählte, dass die Pandemiezeit vor allem den Mitarbeitern auf der Fläche ein neues Selbstbewusstsein gebracht hätte. Von den Kunden wurde ihnen nämlich ein bisher kaum bekanntes hohes Maß an Wertschätzung entgegengebracht. Er verhehlte aber auch nicht, dass es seiner Meinung nach nun ganz allgemein die Aufgabe von Führungskräften ist, wieder Lust auf Leistung zu machen. Der Leistungswille steckt zwar nach wie vor in den Menschen, ist jedoch vielfach durch Kurzarbeitsregelungen etwas "verschüttet" worden und müsste nun wieder geweckt werden.

V.l.n.r.: Moderator Günter Thumser, Tijen Onaran, Fritz Poppmeier und Birgit Rechberger-Krammer
Markus Wache
V.l.n.r.: Moderator Günter Thumser, Tijen Onaran, Fritz Poppmeier und Birgit Rechberger-Krammer

Johannes Kopf, AMS

Zum Abschluss des diesjährigen Handelsforums gab AMS-Vorstand Johannes Kopf in seiner Closing Keynote Einblicke über die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt. Gleich zu Beginn verdeutlichte er mithilfe eines simplen Videos, warum es trotz vieler offener Stellen, noch vergleichsweise viele Arbeitslose gibt. Das Beruhigende: Es gibt viel Bewegung am Arbeitsmarkt und die offenen Stellen sind nicht immer dieselben. Zu Beginn der Pandemie war das AMS laut Kopf ebenso wie alle betroffenen Branchen mit der Abwicklung der Kurzarbeit überfordert. Mangelnde Regelungen, viele offene Rechtsfragen und nicht vorhandene Antragsformulare machten seinen Mitarbeitern zu schaffen. Schließlich war Kurzarbeit bisher eine Einzelfallförderung, die nur vereinzelt in Anspruch genommen wurde. Insgesamt bearbeitete das AMS zu Beginn der Pandemie innerhalb von 14 Tagen 200.000 Kurzarbeitsanträge für insgesamt 1,3 Millionen Arbeitnehmer. Kopf zufolge hätten wir aktuell "einen wirklichen Wirtschaftsboom" mit knapp fünf Prozent Wirtschaftswachstum, sodass Kurzarbeit in vielen Branchen nicht mehr nötig sei. Drei Viertel des Anstiegs der Arbeitslosigkeit von 2020 sei inzwischen abgebaut. Man kehre inzwischen auf das Niveau von Vor-Corona zurück. 

Ein weiterer interessanter Fakt, den Kopf mit den Anwesenden teilte ist, dass die Stundenproduktivität der Arbeitnehmer 2020 massiv gestiegen ist. Das BIP sank um "nur" sechs Prozent bei neun Prozent weniger geleisteten Arbeitsstunden. Gründe dafür sieht der Experte einerseits in den Produktivitätsschwankungen, die mit der Kurzarbeit gut ausgeglichen werden konnten, aber auch im Missbrauch selbiger durch die Arbeitgeber.

Laut Kopf wird das Arbeiten in Zukunft flexibler, digitaler und internationaler werden. Flexibler unter anderem im Hinblick auf Homeoffice-Angebote, die den Job für viele Arbeitssuchende attraktiver machen - vor allem für Frauen, die Teilzeit arbeiten. "Es wird Ihnen als Arbeitgeber gelingen, Arbeitskräfte, die sie sonst nicht bekommen hätten, durch die Homeoffice-Angebote zu bekommen", ist Kopf überzeugt. 

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und aus dem vollen Potenzial am Arbeitsmarkt zu schöpfen, rät Kopf allen Arbeitgebern, ihre Kriterien bei der Personalsuche nicht zu sehr einzuschränken.

Johannes Kopf, AMS


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