CASH Handelsforum 2021: Der Dienstag-Nachmitt...
 
Markus Wache
Ali Mahlodji, whatchado
Ali Mahlodji, whatchado

Mit whatchado-Gründer Ali Mahlodji, Nikolaus Franke von der WU Wien und Stefan Bruckbauer von der UniCredit Bank Austria ging es am Nachmittag des 2. Tags des CASH Handelsforums um die Entfaltung von Potenzialen, die Entwicklung von Innovationen und mögliche Zukunftsszenarien der Wirtschaft.

Ali Mahlodji, whatchado

Frisch gestärkt startete das CASH Handelsforum nach der Mittagspause mit dem Best-of Kabarett powered by tcc performed von Nadja Maleh in den Dienstag-Nachmittag. Sinn für Humor bewies anschließend aber auch Ali Mahlodji, Gründer der Karriere-Plattform whatchado. In seinem Vortrag sprach er über "Das Zeitalter der Potenzialentfaltung - Mut zur Förderung neuer Generationen". Denn Leadership bedeutet heute mehr als nur zu führen und zu leiten, es geht darum, zu begleiten, Verantwortung zu übernehmen aber auch übernehmen zu lassen und Handlungsspielräume zu schaffen, damit die Mitarbeiter ihr Potenzial zeigen können. Nur so ist Innovation und ein Denken out of the box möglich. Eine Fehlerkultur ist dabei genauso wichtig wie Experimentierfreudigkeit und Lernbereitschaft. Einige Führungskräfte klagen, so Mahlodji, dass ihre Mitarbeiter für den Wandel nicht bereit sind. Das habe aber vor allem damit zu tun, dass man immer dafür belohnt wurde, keine Fehler zu machen. Dafür bedarf es einen Umdenkprozess. Corona hat vielen Managern gezeigt, dass sie ihren Mitarbeitern mehr zutrauen können und müssen. Der Teamgedanke ist mehr in den Vordergrund gerückt. "Wir müssen verstehen, dass sich gegenseitig zu stärken kein Wunschdenken ist, sondern eine Basis für den Erfolg", so Mahlodji und weiter: "Wir wissen alle nicht, wie die Zukunft aussieht. Aber wir müssen verstehen, wir sind alle Teil dieser Zukunft."

Nikolaus Franke, WU Wien

An diesen Vortrag schloss nicht nur chronologisch, sondern auch gedanklich Speaker Nikolaus Franke, Direktor Institut für Entrepreneurship und Innovation an der WU Wien, mit dem Thema "Wer das Innovationsrennen gewinnt" an. Die kurze Antwort darauf: Jener, der ein gewisses Maß an Risikobereitschaft zulässt, Neues wagt und den Wettbewerb sowie Entwicklung nicht unterschätzt oder gar verschläft. Als Beispiel zog er das Eis heran, das Ende des 19. Jahrhundert das wichtigste Exportgut der USA war. Damals hatte man die Idee, die Eisblöcke aus den Seen in Neu England in die Welt zu verkaufen, was zeitnah viele Nachahmer gefunden hat und den Bereich zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige gemacht hat. Das Geschäft florierte, bis man in den Südstaaten herausgefunden hat, (heute würde man sagen, ein Start-up,) wie man Eis künstlich erzeugen kann. Auf die Ignoranz der "Eis-Könige" folgte Unterschätzung, später interner Widerstand bis hin zur Trägheit. Man hat versucht die alte Technik zu verbessern, aber so "nur den Todeskampf des sinkenden Schiffs verlängert". "Das passiert, wenn sich etablierte Unternehmen ausruhen und vergessen, dass Regeln nur in bestimmten Phasen gelten und nur so lange, bis sie neu erfunden werden", so Franke und erinnerte an Blackberry und Nokia. Ähnlich wie Mahlodji griff auch Franke den Gedanken auf, dass immer nur der Erfolg der Mitarbeiter gelobt wird und Fehler bestraft werden. Das hat eine rationale Angst vor dem Scheitern zur Folge und führt zu wenig Bereitschaft, Neues auszuprobieren und auch einmal etwas zu wagen. Deshalb müssen Führungskräfte lernen, Fehler zu erlauben, Anreize für Risiko und Innovation zu schaffen, Flexibilität und Agilität zu gewähren und sich auch außerhalb des eigenen Unternehmens zu orientieren. Man muss als Unternehmen das Rad nicht immer neu erfinden, so Franke, oft reiche es schon, Entwicklungen zu erkennen, anzunehmen oder auch einzukaufen.

Nikolaus Franke, WU Wien

Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria

Bei Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria und ein bekanntes Gesicht unter den Vortragenden des CASH Handelsforums, ging es um die Welt nach der Pandemie, wie der Aufschwung danach aussieht und wovon dieser abhängt. Dazu übte er den Vergleich zur Finanzkrise 2008. Größter Unterschied zur aktuellen Situation: Der extreme Aufschwung, den wir gerade erleben. Zu den größten Gewinnern zählt der Handel, oder wie Bruckbauer es zusammenfasst: "Leute konnten nicht ins Wirtshaus gehen, also sind sie ins Bauhaus gegangen." Jede Öffnung nach einem Lockdown führte auch zu starken Nachfragen. Diese trafen allerdings auf leere Lager und heruntergefahrene Kapazitäten, wodurch die aktuellen Lieferschwierigkeiten vieler Güter erklärt werden. Der Ökonom hält allerdings fest, dass die Welt nicht an den Grenzen ihrer Kapazitäten angekommen ist und es sich eher um einen temporären Flaschenhals handelt. Ein Phänomen, das es nach 2008 bereits gab.

Wie geht es also weiter? Das hängt laut Bruckbauer von der Impfrate ab: Laut ihm ist bei uns eine Durchimpfungsquote von 80 Prozent nach dem Sommer 2021 möglich. Einen Anschluss an das Niveau von 2019 schafft das BIP laut ihm Anfang 2022. Ein Blick auf die Entwicklung einzelner Branchen zeigt positive Tendenzen in allen Sektoren, bis auf die Hotellerie und Gastronomie. Das Wachstum lässt sich auf die Intervention des Staates zurückführen. Als Folge haben die österreichischen Privathaushalte so viel Vermögen innerhalb von einem Jahr angehäuft, wie noch nie zuvor. Dadurch war die stärkste Rezession der jüngeren Vergangenheit gefühlt nicht so stark wie sie eigentlich war. 

Eine steigende Inflationsrate wird es hierzulande wohl nicht geben, 2022 wird diese wohl eher wieder sinken. Dennoch darf laut Bruckbauer dann mit den Subventionen nicht zu früh gebremst werden. Außerdem wittert er Nährstoff für Fehleinschätzungen, die populistischen Stimmen in die Hände spielen könnten. In naher Zukunft wird die EU wohl auch noch den USA hinterherhinken, da man sich dort aus der Krise mit aller Kraft hinaus finanziert. Die heimischen Staatsschulden werden - sofern keine großen Sparpakete umgesetzt werden müssen - durch die Inflation und die Zins-Situation natürlich schrumpfen. Als zukünftige Herausforderungen sieht der Ökonom nun die Digitalisierung und den Klimawandel: "Der Wandel wird andauern und es wird Opfer geben. Das muss gesellschaftlich abgefedert werden", fasst Bruckbauer zusammen. Abschließend gab es seine traditionelle Verabschiedung: "Ich stehe nicht dazu, was ich gesagt habe und schließe jede Haftung aus."

Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria

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