CASH Handelsforum 2021: Der Dienstag-Vormitta...
 
Johannes Brunnbauer
Keynote-Speaker Reinhard Haller
Keynote-Speaker Reinhard Haller

Der 2. Handelsforums-Tag startete mit der Keynote von Reinhard Haller und dem wichtigen Thema Wertschätzung im Privatleben und am Arbeitsplatz, bevor André Maeder den Lifestyle Department Store der Zukunft präsentierte.

Nach der Begrüßung durch Manstein Verlag Geschäftsführerin Dagmar Lang und CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik sowie UniCredit Bank Austria-Vorstand Susanne Wendler, startete Psychiater, Autor und Gutachter Reinhard Haller seine spannende Dienstags-Keynote unter dem Titel "Die Kraft der Wertschätzung am Arbeitsplatz - so kann man mit Empathie, Mut und Zuversicht Burnout verhindern". Dem Experten zufolge ist fehlende Wertschätzung eine der Hauptursachen für Burnout. Schließlich will jeder Mensch wert wertgeschätzt werden und erwartet sich von seinen Mitmenschen eine positive Resonanz. Falls er diese nicht bekommen, strengt er sich noch mehr an. Wenn er sie trotzdem weiterhin nicht bekommt, verfällt er in eine Stresssituation, die letztlich zu Burnout führen kann. Verhindern kann man das als Arbeitgeber oder Kollege, indem man ihm Wertschätzung entgegenbringt. Untersuchungen aus der Arbeitspsychologie zufolge ist die Arbeitsatmosphäre, das Klima im Job sowie eine gute Teamstimmung ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Arbeitnehmer. Das Entgelt und die Sozialleistungen stehen in diesem Ranking lediglich an sechster Stelle. "Andere wertschätzen kann nur, wer einen guten Selbstwert hat", so Haller.

Doch was ist Wertschätzung eigentlich? Laut Haller liegt die Antwort auf diese Frage im Begriff selbst. Wertschätzung sind demnach Werte, die zu Schätzen avancieren. Respekt und Anerkennung sind die Vorstufen von Wertschätzung. "Gehen Sie immer davon aus, dass jeder Mensch, dem Sie begegnen eine positive Resonanz von Ihnen benötigt." Der Psychiater beschäftigte sich im Laufe seiner Karriere viel mit Serientätern und Amokläufern in Schulen. Ihm zufolge würden vor allem junge Menschen nach Wertschätzung dürsten. Wenn sie diese nicht erhalten und stattdessen Kränkungen erfahren, die außenstehenden zwar klein erscheinen mögen, in den Betroffenen selbst aber großen Schaden anrichten, der sich schlimmstenfalls dann dadurch manifestiert, dass sie ihre Mitmenschen - oftmals am Ort der Kränkung - entwerten wollen. 

Gegenspieler von Wertschätzung sind unter anderem Nichtbeachtung, demonstrierte Unzufriedenheit, Entwertung, Beleidigung/Kränkung und Verachtung, die gleichzeitig passiver Hass ist. Schweigen gehört hier ebenfalls dazu und spielt in der Kriminologie eine große Rolle. Attentäter waren in der Regel immer allein und hatten niemanden, der mit ihnen redet und sie erdet. Das kann einen psychodynamischen Prozess zur Folge haben, der zu schweren Taten führen kann. In hohem Maße kränkbar sind laut Haller auch Narzissten. Diese müssen, um mit ihren eigenen Minderwertigkeitsgefühlen klarzukommen, andere kränken und entwerten. Darüber hinaus seien sie nicht teamfähig. "Wenn Sie einen Narzissten als Führungspersönlichkeit haben, schmeißen Sie ihn nach 10 Jahren raus, denn er wird dem Unternehmen langfristig schaden", rät Haller.

André Maeder, KaDeWe Group

Wie man den "Dinosaurier" namens Warenhaus hegt und pflegt, damit er nicht ausstirbt, beleuchtete André Maeder, CEO der KaDeWe Group. Das Unternehmen betreibt aktuell drei Department Stores in Deutschland - das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München. Im Herbst 2023 kommt das Carsch Haus in Düsseldorf dazu und im Herbst 2024 dann ein Warenhaus in der Wiener Mariahilfer Straße, dessen konkreter Name Ende des heurigen Jahres bekannt gegeben wird. Laut Maeder baut das Geschäftsmodell der KaDeWe Group auf fünf Bereichen auf, die folgende Umsatzanteile beisteuern: Accessoires (40 %), Fashion (25 %), Beauty (10 %), Living (10 %) und Food (15 %). Seiner Aussage nach hat es sich bezahlt gemacht, nicht rein auf das (margenstarke) Segment Fashion zu setzen, sondern eine breite Aufstellung zu verfolgen.

Maeder führte weiters aus, dass der stationäre Handel - der Store - bei der KaDeWe Group stets Priorität genießt. So werden beispielsweise die einzelnen Stockwerke/Abteilungen im Inneren der Kaufhäuser von unterschiedlichen Designern gestaltet, um ihnen so einen ganz speziellen Touch zu geben. Die Priorisierung der stationären Fläche hat aber auch dazu geführt, dass das KaDeWe in Berlin erst im Juni 2020 einen Onlineshop gelauncht hat. Neben attraktiven Stores und einem Premium-Warensortiment setzt die KaDeWe Group aber vor allem auch auf zahlreiche Serviceleistungen für die Kunden - vom exklusiven Beratungstermin beim "Lieblingsverkäufer" bis zur Weinverkostung. "Service ist im Handel das Differenzierungsmerkmal der Zukunft", zeigt sich Maeder überzeugt.

André Maeder, KaDeWe Group

Christian Morawa, BMW Austria

Um die Mobilität der Zukunft ging es im Interview von Moderator Nikolaus Hartig mit Christian Morawa, CEO von BMW Austria. Der deutsche Automobilkonzern geht aktuell davon aus, dass er im Jahr 2030 weltweit betrachtet rund 50 Prozent elektrisch betriebene Fahrzeuge verkaufen wird und die andere Hälfte mit (herkömmlichen) Verbrennungsmotoren. Ein weiteres Thema dieses Zukunftsdialogs war die voranschreitende Digitalisierung. Demnach glaubt Morawa, dass BMW Austria im Jahr 2025 rund 25 Prozent der Neuwagen online verkaufen wird. Er beleuchtete aber auch andere technische Möglichkeiten, die durch die Digitalisierung Wirklichkeit werden könnten. So würden etwa miteinander kommunizierende Fahrzeuge die Verkehrssicherheit erhöhen. Als konkretes Beispiel nannte Morawa etwa eine Glatteiswarnung, die ein Auto an die dahinter nachfolgenden Verkehrsteilnehmer übermitteln könnte.

Christian Morawa, BMW Austria
Johannes Brunnbauer
Christian Morawa, BMW Austria
 

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