CASH Handelsforum 2021: Mut fassen, anders de...
 
CASH Handelsforum 2021

Mut fassen, anders denken!

CASH/Johannes Brunnbauer
CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik bei ihrer Begrüßung zum 36. CASH Handelsforum erstmals in der scalaria in St. Wolfgang.
CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik bei ihrer Begrüßung zum 36. CASH Handelsforum erstmals in der scalaria in St. Wolfgang.

Das diesjährige und damit 36. CASH Handelsforum fand unter ganz besonders herausfordernden Umständen statt, doch es war ein voller Erfolg. Das Motto "Mut fassen, anders denken" haben wir sehr gewissenhaft gewählt.

Ich habe mir für meine Begrüßung diese vier Worte unseres Veranstaltungsmottos aufgeschrieben, die so bezeichnend für unsere Zeit jetzt sind. MUT ist ein großes Wort. Eines, das man gerne anderen attestiert. "Das war aber mutig", rufen wir jemandem zu, der Dinge sagt oder tut, die wir vielleicht selber gerne getan oder gesagt hätten. Doch nach Abwägen aller Konsequenzen und möglicher Reaktionen sind wir wieder davon abgekommen. Da steckt dann entweder Neid drinnen, oder ehrliche Bewunderung, manchmal auch Häme, wenn die Reaktionen unangenehm sind. Mut ist aber wichtig, er steht am Anfang allen Handelns, wie es Demokrit formulierte. Der so genannte lachende griechische Philosoph hatte einen Ansatz, der mir besonders gut gefällt: er war der Meinung, dass Menschen, die eine gute Seele haben, also solche die andere Lebende bereichern, aus Feuer, welches aus glatten, hellen, runden Atomen bestehen.

Im Gegensatz dazu besteht eine bösartige Person aus schweren und groben Atomen. Somit stelle ich die kühne These auf, dass Menschen, die durch ihren Mut andere bereichern (wollen) auch das Feuer der Begeisterung entfachen können. Für Neues, für Besseres.

Unter uns sitzen heute viele von diesen Menschen. Sie haben Mut bewiesen, österreichische Traditionsunternehmen übernommen, um sie weiterzuentwickeln. Sie haben Innovationen ausgedacht und eingeführt, in einer Zeit der Rezession, Sie haben antizyklische Investitionen getätigt, den Online-Shop erwachsen werden lassen, Ihren Geschäftsbereich neu gedacht, improvisiert und umdisponiert. Hier sitzen aber auch Mutige, die ihr Kerngeschäft für einige Zeit haben ruhen lassen, um sich Neuem zu widmen, das die Gesellschaft jetzt akut braucht oder will. Es wurden Desinfektionsmittel hergestellt, Masken zu Millionen beschafft, Teststraßen eingerichtet, wo sonst Hendlbrater ihre Kundschaft nach dem Einkauf verköstigen. So mancher heimische Fleischproduzent ist heute einer der ernstzunehmendsten Hersteller von fleischlosem Fleischalternativen.
Auch dazu gehört Mut, und diese runden Atome in der Seele.

„Hier sitzen aber auch Mutige, die ihr Kerngeschäft für einige Zeit haben ruhen lassen, um sich Neuem zu widmen.“

Damit greife ich nach dem nächsten Wort. Es ist fassen. Nicht nehmen, nicht lassen, sondern das ganz aktive und zielgerichtete Verb fassen. Nach etwas fassen, etwas fassen können, etwas vorsätzlich und seiner Chancen eingedenk halten. Einen Entschluss fassen, sich ein Herz fassen. Hier merkt man schon, dass kaum ein anderes TunWort dem Mut so gut zur Seite stehen kann, wie fassen. Den Mut nehme ich nicht, den Hut vielleicht. Aber den Mut fasse ich, ich stärke ihn in der Art, wie ich mit ihm verfahre. Ich gebe dem Mut die Aktion, dem Vorsatz die Ausführung. Damit zünden Sie schon Stufe zwei. Wir haben auch hier unter Ihnen die Mutigen, die sich auch ein Herz gefasst haben, Dinge anzugehen.

Nun steht hier Wort Nummer drei: anders.
Dieses Anderssein soll im besten Sinne stehen. Nicht der Konformität zuwider, sondern dem Diskurs zugetan. Die Vielfalt, das kollektive Anderssein, ist kein Aufruf zu Revolution oder gar Anarchie, denn, wie haben Sie, Herr Poppmeier das in unserem jüngsten Interview gesagt: es muss mehr Gemeinsames als Trennendes geben. Das gemeinsame Ziel ist es, für das man gerne anders sein, anders denken kann. Das ist auch die Chance, andere Generationen zu empfangen, ihre Ideen anzunehmen, ihre Lebenseinstellung zu verstehen. Wir haben unglaublich viele gemeinsame Ziele, auch wenn unsere Standpunkte unterschiedlicher kaum sein könnten. Denken wir an die Klimaziele. Bis auf die Schweizer, die den Klimaschutz vor wenigen Wochen durch die Abwahl des neuen CO2-Gesetzes eine kalte Abfuhr verpasst haben, das können auch nur die, wird kaum einer laut sagen, das brauchen wir nicht. Aber die aktuellen Diskussionen zu Mehrwegquote oder Plastikpfand, das sind nur Versuche, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Hier ist so viel Gutes dabei, das eben anders gedacht ist. Aber die Ökologie darf die Ökonomie doch nicht kippen, und auch nicht umgekehrt. Nur gesunde Unternehmen können einen intelligenten und sinnvollen Beitrag zu einem neuen System der Verantwortung beitragen. Was wollen Sie denn sonst Ihren Kindern übergeben? Marode Firmen auf einem kaputten Planeten? Da brauchen wir auch keine runden und glatten Atome mehr, da ist bald Schluss. Also her mit den mutigen Ideen, die wir anders fassen können.

Und her mit dem vierten und letzten Wort. Denken.
Es ist unser größtes menschliches Talent, und es verbindet uns. Die vielen mutigen Gedanken, die mit Herz und Hirn gefassten Entschlüsse, die anderen Lösungsansätze, die überwinden Gräben und Krisen. Die bringen uns weiter, die lassen uns auch Themen wie die Mehrwegquote anders angehen, vielleicht lokal lösen. Überdenken wir das Plastikpfand intelligent, das kann man nur größer fassen. Aber lassen Sie uns Mut fassen, anders zu denken.

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“
Demokrit

Damit vollende ich auch das Zitat von Demokrit, denn es heißt komplett:
Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Und da bin ich nun auch.

stats