CASH Handelsforum 2022: Der Donnerstag-Nachmi...
 
Markus Wache
Delna Antia-Tatic, Chefredakteurin "das biber"
Delna Antia-Tatic, Chefredakteurin "das biber"

Nach der Mittagspause ging es weiter mit spannenden Einblicken in das Kaufverhalten von Migranten, die Wichtigkeit von Prävention und Gesundheitsförderungsmaßnahmen sowie die volkswirtschaftliche Entwicklung.

Nach dem Kabarett "Goldfisch" von Schauspieler und Neo-Kabarettist Manuel Rubey, der dabei auch einige intime Einblicke lieferte, folgte ein Ethno-Talk unter der Moderation von Margaretha Jurik. Dabei sprachen Delna Antia-Tatic, Chefredakteurin vom Magazin „das biber“ und Christian Müller, Leiter F&E bei GroupM, der coronabedingt zugeschaltet werden musste, über die Ergebnisse einer neuen Studie zum Kaufverhalten von Migranten im Ethno-Marketing. Für die Studie wurden 1.140 Migrantinnen und Migranten sowie eine Kontrollgruppe von 539 Personen befragt. Als Migranten wurden dabei Personengruppen definiert, die entweder in erster Generation in Österreich leben (aber selbst im Ausland geboren sind) oder in zweiter Generation (in Österreich geboren, aber einer oder beide Elternteile stammen aus dem Ausland). Müller zufolge gäbe es aktuell noch zu wenig Informationen darüber, wie Menschen mit Migrationshintergrund medial am besten erreicht werden können. Diese Erkenntnisse könnten ihm zufolge etwa für Lebensmittelhändler spannend sein. 

Antia-Tatic konstatierte, dass Händler wissen müssen, wie und über welche Kanäle sie Migranten erreichen können. Gleichzeitig betonte die Journalistin, dass Migranten keine homogene Gruppe und nicht als solche klassifiziert werden dürfen. "Migranten denken nicht dasselbe und essen nicht dasselbe." Ihr zufolge bedarf es mehr Inklusion in der Ansprache von Migranten. Dies fange schon in der Schule an, indem man die Annas und Pauls in den Schulbüchern ab und zu durch Ivanas und Emres ersetzt, um ein Gefühl von Zugehörigkeit zu erzeugen.

Für die Werbung bedeutet das im Umkehrschluss, dass Menschen mit Migrationshintergrund nicht etwa Werbung mit Testimonials aus ihren Heimatländern oder Werbung in ihrer Muttersprache bevorzugen, sondern, ähnlich wie Einheimische, auf Aspekte wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und gute Verständlichkeit achten.

Die wichtigsten Ergebnisse zum Einkaufsverhalten

  • Menschen mit Migrationshintergrund kaufen am häufigsten im Diskont ein – allen voran bei Hofer (72 %), Billa (58%) und Lidl (57%). Der Studie zufolge spielen der Preis und Rabatte für Migranten eine größere Bedeutung für die Wahl des Geschäfts als für Personen ohne Migrationshintergrund. Laut Antia-Tatic liege das daran, dass diese Bevölkerungsgruppen sozioökonomisch schlechter gestellt sind und aktuell auch vor allem von der Coronakrise schwerer betroffen sind. Gleichzeitig legen sie viel Wert auf Prestige und gönnen sich lieber teure Autos und Handtaschen – oder Apple-Produkte.
  • Menschen mit Migrationshintergrund sind viel Online-affiner als angenommen, allen voran im Bezug auf Onlineshopping.
  • Personen mit Migrationshintergrund nutzen TV-Sender und Internet-Seiten häufig aus ihrem Herkunftsland.
  • 29 Prozent schauen auch nicht-deutschsprachige TV Sender, 4 Prozent sogar nur Sender aus dem Heimatland.

Gernot Schweizer

Im Anschluss gab Physiotherapeut Gernot Schweizer in seinem Vortrag unter dem Titel "Mensch als wertvollste Einheit des Wandels" Einblicke in den alarmierenden Gesundheitszustand der Bevölkerung. Seit rund zwei Jahren ist er in einer bundesweiten Bewegungskampagne engagiert, die sich für Prävention der Folgen von mangelnder Bewegung für die Gesundheit einsetzt.

Gernot Schweizer
Schweizer warnt: "Wir haben seit 35 Jahren eine Rückläufigkeit in der Bewegung, die ihresgleichen sucht. Wenn der Mensch als wertvollste Einheit im Wandel ist – dann frage ich mich, wo steht der Mensch, wo wollen Sie als Unternehmer überhaupt hin in unserer Gesellschaft? Mit wem wollen Sie einen Wandel erreichen? Wo wollen wir noch Leistungsfähigkeit abrufen? Ich habe in meinem Unternehmen 18 Therapeuten, von diesen schaffen nur noch drei eine 40-Stunden-Woche."  

Viele Menschen seien nicht mehr in der Lage, die Leistung zu erbringen und 40 oder gar 45 Stunden in der Woche zu arbeiten. Die vielfach genannte Work-Life-Balance ist für Schweizer lediglich die Ausrede dafür. Er kritisiert vor allem den Umstand, dass viel zu wenig in die Prävention von Krankheiten investiert wird. Indem man die Ursache bekämpft, könnte man sich viel Geld von den rund 10 Milliarden Euro sparen, die jährlich etwa für erkrankte Rücken ausgegeben werden.

Schweizer warnte zudem, dass immer mehr Menschen und auch Kinder adipös sind. Ihm zufolge würden Statistiken zeigen, dass 45 Prozent der 18- bis 60-Jährigen in Österreich fettleibig sind. Mangelnde Bewegung sei eine klare Folge der Digitalisierung. Daher rief Schweizer die Unternehmer dazu auf, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren, um ihre Gesundheit zu schützen. Denn was die Politik aktuell noch nicht schafft, können einzelne Unternehmen deutlich schneller und besser umsetzen.

Stefan Bruckbauer

"Danke, dass Sie mich wieder eingeladen haben, obwohl ja nicht alles gestimmt hat, was ich in meinem Vortrag beim CASH Handelsforum letztes Jahr gesagt habe." Mit diesem Satz eröffnete Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, sein Referat. Sprich eine Versechsfachung des Gaspreises, eine Vervierfachung der Strompreises und eine Inflationsrate von rund sieben Prozent in Österreich hatte er nicht einmal ansatzweise prognostiziert. Zudem musste seine BIP-Prognose 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs nochmals revidiert werden, nämlich um 1,3 Prozent nach unten. Bruckbauer geht nun davon aus, dass Österreichs Volkswirtschaft im heurigen Jahr real um 3,6 Prozent wächst. Dies kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn es zu keiner Unterbrechung der Energielieferungen nach Österreich kommt, ansonsten droht die Rezession. Die Alpenrepublik könne nun übrigens davon profitieren, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerungen in den "Coronajahren 2020/21" (notgedrungen) weniger konsumieren und mehr sparen konnten. Dieses Geld fließt nun in die Wirtschaft und lässt diese wachsen.

Hinsichtlich der Inflationsentwicklung ist Bruckbauer der Ansicht, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone im Jahr 2023 in etwa zwei Prozent betragen sollte. Sprich die Preise dürften auf einem hohen Niveau verharren, jedoch nicht mehr weiter sprunghaft ansteigen. Generell geht Bruckbauer in den nächsten zehn bis 15 Jahren von einer höheren Inflationsrate aus als in den letzten Jahre. Er führte dafür folgende drei Gründe ins Treffen:
1.) Die grüne Energiewende kostet Geld, die vergleichsweise billige fossile Energie gehört der Vergangenheit an.
2.) Angesichts der geopolitischen Spannungen steigen die weltweiten Militärausgaben, was uns allen Wohlstand kostet.
3.) "Friendshoring" heißt das Gebot der Zukunft! Sprich billige Rohstoffe und Vorprodukte aus "unfreundlichen", autoritären Staaten werden durch solche aus höherpreisigen, demokratischen Ländern ersetzt.

Stefan Bruckbauer
Markus Wache
Stefan Bruckbauer






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