CASH Handelsforum 2022: Der Donnerstag-Vormit...
 
Johannes Brunnbauer

Der 2. Tag des Handelsforums ging mit der Keynote von Martin Fassnacht los, in der es um die Herausforderungen an das Markenmanagement ging. Rewe-Aufsichtsrats-Vorsitzender Erich Stockhausen gab anschließend einen Einblick in die geschäftliche Realität von Kaufleuten. Vor der Mittagspause wurden noch die besten Start-ups prämiert. In der CASH Start-up Competition konnte Conelia Habacher von Rebel Meat im Publikumsvoting als Gesamtsiegerin punkten.

Begrüßt wurden die Gäste des 37. CASH Handelsforums am zweiten Tag von CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik und Hartwig Killmeyer, Ressortleiter Large Corporates Austria bei der UniCredit Bank Austria. "Seit zwei Jahren leben wir in einem permanenten Ausnahmezustand, auf den wir uns nicht vorbereiten konnten", so Jurik zu Beginn. "Doch wir dürfen uns an diesen Zustand nicht gewöhnen, sondern müssen mit dem Wandel weitermachen. Das bedeutet auch, manchmal unbequem zu sein, Dinge anders zu machen und Neues zu probieren." Dabei müsse man das Rad nicht neu erfinden, sondern reflektieren, warum wir das Rad überhaupt haben wollen: "Muss wirklich alles darauf ausgelegt werden, schneller zu sein? Wäre es nicht besser, wenn wir unsere Mittel nutzen, den Weg effizient zurückzulegen und ihn dabei für zukünftige Generationen unversehrt zu lassen?"

Hartwig Killmeyer fasste anschließend die Rolle der in der Branche beteiligten Personen zusammen: "Vertrauen ist in Zeiten des Wandels enorm wichtig. Wir alle sind in der täglichen Arbeit Markenbotschafter, die dieses Vertrauen schaffen."

Für die Moderation zuständig: Nikolaus Hartig und Margaretha Jurik

Martin Fassnacht

Der Director des Chair of Stragety and Marketing der WHU Otto Beisheim School of Management präsentierte in seiner Keynote mehrere Thesen zu den Herausforderungen an das Markenmanagement. Dieses wird stets komplexer, womit die Antworten auf dringende Fragen auch variantenreicher ausfallen. Durch die Digitalisierung etwa verschwimmen die klassischen Grenzen zwischen Herstellern und Händlern immer mehr. Technologie-Hersteller wie Apple werden zu Zahlungsanbietern, Payment-Marken wie Klarna starten Shopping-Plattformen. Durch diese Vermischung tritt jeder mit jedem in Konkurrenz, doch es sind auch neue Kooperationen möglich. Im LEH sind Eigenmarken und der Direktvertrieb von Markenprodukten Ausprägungen von diesem Phänomen, das immer mehr Fahrt aufnimmt.

Martin Fassnacht: "Wenn Sie outdated sind, haben Sie bereits verloren."
Johannes Brunnbauer
Martin Fassnacht: "Wenn Sie outdated sind, haben Sie bereits verloren."
Konsumenten erwarten jedoch hohe Convenience und somit die Verfügbarkeit von Marken auf vielen verschiedenen Vertriebsschienen. Für die Markeninhaber stellt sich daher die Frage, welche Kanäle mit welcher Intensität betreut werden und ob beziehungsweise ab wann Gewinne erwartet werden. Generell sieht Fassnacht allerdings eine stark abnehmende Anzahl an Marken: Während Henkel das Portfolio von rund 1.000 auf 300 Brands reduziert hat, wurde Merkur zu Billa Plus. Eine Reduktion, die keine Schlechte sein muss: Durch den Fokus auf weniger Marken können diese intensiver bespielt werden. Sein Ratschlag hierbei ist es, sozial-ethische Aspekte mit emotionalen zu verbinden. Je besser das funktioniert, umso höher ist der Mehrwert für die Konsumenten und entsprechend steigt die Zahlungsbereitschaft. Allerdings braucht das auch eine Investitionsbereitschaft der Hersteller, denn: "Wenn Sie outdated sind, haben Sie bereits verloren."

Zuletzt sprach Fassnacht über einen der für ihn wichtigsten Trends im stationären Handel: Vollautomatisierte Geschäfte. Laut ihm ist der Convenience-Faktor dieser so hoch, dass langfristig (er spricht von 10 Jahren) eine großflächige Etablierung der Konzepte zu erwarten sei. "Der Einkauf ist halt oft ein notwendiges Übel", meinte er polemisch und schätzt, dass durch den Trend die Anzahl der regulären Geschäfte abnehmen wird. Allerdings sieht er in keinem der beiden Konzepte eine absolute Dominanz, viel mehr werden beide parallel existieren. Abschließend hieß es von seiner Seite, dass die Bedürfnisse der Konsumenten stets heterogener werden und Insights daher an Relevanz gewinnen - ein weiterer Punkt für strategische Investitionen. Das zahle sich jedoch aus, denn Marken seien der "Vertrauens-Anker für Kunden".

Erich Stockhausen

In die Welt des selbstständigen Einzelhandels entführte anschließend das Referat von Erich Stockhausen, Aufsichtsratsvorsitzender der Rewe Group und Betreiber von zwei Rewe-Märkten in Nordrhein-Westfalen mit 120 Beschäftigten und rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz. Unter dem Titel "Das Kaufleute-Gen: Zwischen politischen Ansprüchen und konkretem Handeln" legte er dar, wie Eigeninitiative und aktive Mitgliedschaft in der 1927 gegründeten, zweistufig organisierten Rewe-Genossenschaft zu Erfolgsfaktoren werden. Dabei gibt es seitens Rewe mehrere Unterstützungen für Kaufleute, beispielsweise das Partnerschaftsmodell, bei dem eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) gegründet wird, an der die Kauffrau/der Kaufmann 80 Prozent und Rewe 20 Prozent halten. Dieser erleichterte Einstieg in die Selbstständigkeit hat beispielsweise dazu geführt, dass sich die Anzahl der von Rewe-Kaufleuten geführten Geschäfte in Deutschland (exkl. Rewe Dortmund und exkl. Nahkauf) von 958 im Jahr 2009 auf 1.949 im Jahr 2021 in etwa verdoppelte. Weiters berichtete Stockhausen aus der Praxis, dass sich der Umsatz einer ehemaligen Rewe-Filiale nach der Abgabe an einen selbstständigen Betreiber um etwa zehn bis 20 Prozent erhöht. Das ist unter anderem auch ein Grund dafür, dass es ab Oktober 2022 erste von Kaufleuten geführte Billa-Geschäfte in Österreich geben wird.

Erich Stockhausen, Aufsichtsratsvorsitzender der Rewe Group, stellte das "Kaufleute-Gen" ins Zentrum seines Vortrags.
Markus Wache
Erich Stockhausen, Aufsichtsratsvorsitzender der Rewe Group, stellte das "Kaufleute-Gen" ins Zentrum seines Vortrags.

Zukunftsdialog

Im Zukunftsdialog mit Christian Morawa, CEO von BMW Austria, sprach Manstein-Geschäftsführer Markus Gstöttner über neue Wege und nachhaltigere Herangehensweisen in der Automobilindustrie. BMW pushe, so Morawa, den Bereich Elektromobilität im Konzern. Viele Kunden hätten "viele verschiedene Fragen zu Reichweite der Autos etc. gehabt". In einer neuen Kampagne, in der Morawa in einem Selbsttest die Fahrtauglichkeit eines E-Autos auf verschneiter Strecke testeet, wolle BMW zeigen, dass auch das "Fahren eines E-Autos Freude machen kann", sagte Morawa im Gespräch mit Gstöttner. Die Nachhaltigkeit sei dem Konzern ein Anliegen, und das bereits seit 1973 - in dem Jahr hatte der BMW-Konzern bereits einen Umweltbeauftragten. Auch wiederverwertet BMW Materialien in seinen Autos, so beispielsweise alte Fischernetze, aus denen Fußmatten - beispielsweise für das X-Modell - hergestellt werden.

Nicht nur im Privatsektor, auch im Dienstwagenbereich seien E-Autos angekommen. Elektroautos böten hier besonders "steuerliche Vorteile, aber auch gewisse Einsparungen in der Wartung und im Verbrauch", spezifizierte Morawa im Zukunftsdialog. Eines der großen Themen bei E-Autos sind die Reichweiten. Hier gibt es in Österreich mittlerweile ein Netz aus über 10.000 Ladestationen. Auch lägen die Reichweiten von BMW E-Autos mittlerweile bei 600 km. Somit habe man "keine Argumente mehr, E-Autos nicht zu nutzen", sagt Morawa abschließend.

BMW CEO Christian Morawa im Zukunftstalk mit Manstein-Geschäftsführer Markus Gstöttner.
Markus Wache
BMW CEO Christian Morawa im Zukunftstalk mit Manstein-Geschäftsführer Markus Gstöttner.

CASH Startup-Competition: Innovative Ideen, 5 Minuten

Zum zweiten Mal wurde im Rahmen des CASH Handelsforums die Startup-Competition durchgeführt mit vier von der Jury bestimmten Finalisten in den Kategorien, Food, Beverage, Non-Food sowie Packaging & Retail Technology. In der Kategorie Payment & Pricing gab es keine Einreichungen. Deshalb wählte die CASH-Redaktion in einer "Wild Card"-Aktion einen Finalisten in der besagten Kategorie.

Aus dem Jury-Voting waren Cornelia Habacher von Rebel Meat in der Kategorie Food, Markus Lindner von inoqo in der Kategorie Logistik & Packaging, Clarissa Eibl von Vomito in der Kategorie Non-Food und Lisa Brandstätter von Rost in der Kategorie Beverage unter den Finalisten. Eric Weisz von circly wurde von der CASH-Redaktion mittels Wild Card Voting bestimmt.

Gesamtsieger des Publikumsvotings wurde Cornelia Habacher von Rebel Meat. Im Vorfeld der Abstimmung live im Saal sei Habacher "siegessicher" gewesen, sagt die strahlende Siegerin. Somit ging die zweite CASH Startup- Competition über die Bühne, das Format, das der Branche die Creme de la Creme der relevanten Start-up-Szene präsentiert.

Die Finalisten der 2. Start-up Competition auf der Bühne. Alle sind Sieger!
Markus Wache
Die Finalisten der 2. Start-up Competition auf der Bühne. Alle sind Sieger!

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