CASH Handelsforum 2022: Der Freitag
 
Johannes Brunnbauer/Markus Wache
Talk "Chance und Change" mit Nicole Reitinger, Maurice Beurskens, Barbara Kerschberger, Christof Kastner, Chloé Kayser und Günter Thumser
Talk "Chance und Change" mit Nicole Reitinger, Maurice Beurskens, Barbara Kerschberger, Christof Kastner, Chloé Kayser und Günter Thumser

Das Thema Wandel prägte auch den letzten Tag des CASH Handelsforums. Dabei ging es um die Beständigkeit des Wandels, Chance und Change sowie die Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Ganz traditionell führte auch dieses Jahr wieder Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbands, durch den letzten, reichhaltigen Vormittag des CASH Handelsforums. In seiner Begrüßung sprach er davon, dass wir einen Bewusstseinswandel in Richtung konstruktiveres Denken brauchen. "Die gute, bessere Zukunft muss schön, faszinierend und interessant sein und sie muss unseren Lebenswandel wohlstandsmäßig unterstützen."

Maurice Beurskens

Damit übergab er an der ersten Referenten des Tages. Maurice Beurskens ist CEO von gurkerl.at. Er stellte die Frage, was den Onlinesupermarkt, den es erst seit 2020 in Österreich gibt, so innovativ macht. Seine Antwort: Daten, Service und Leidenschaft. Im Impulsreferat beschrieb er den rasanten Aufstieg von gurkerl.at, der nicht zuletzt auch durch Corona begünstigt wurde. Das heißt aber auch, dass Flexibilität, Innovationskraft und ein ständiger Wandel von Anfang an Teil der Unternehmensstrategie waren. "Wir beobachten und analysieren alles und ständig in Real Time", sagte er. Gleichzeitig geht es nicht nur um Wachstum, sondern auch um Nachhaltigkeit. Man setzt auf verkürzte Lieferketten, regionale Anbieter und E-Mobilität, aber auch auf Mitarbeiterführung, neue Arbeitszeitmodelle und eine gelebte Fehlerkultur. Man stehe aber erst am Anfang einer Reise, die noch lange weitergehen soll und weiteren Wandel mit sich bringen wird.

Maurice Beurskens hielt sein Impulsreferat zu "Die Zukunft des Einkaufserlebnisses - Wie Wandel in Österreichs innovativsten Online-Supermarkt gurkerl.at gelebt wird".
Johannes Brunnbauer/Markus Wache
Maurice Beurskens hielt sein Impulsreferat zu "Die Zukunft des Einkaufserlebnisses - Wie Wandel in Österreichs innovativsten Online-Supermarkt gurkerl.at gelebt wird".

Nicole Reitinger

Dem schloss sich Nicole Reitinger, Chief Business Development und Transformation Officer bei Ikea Austria, an, die bestätigt "nichts ist beständiger als der Wandel". Ikea hat bereits eine längere Unternehmensgeschichte als gurkerl.at, dennoch ist auch hier der Wandel Teil der Unternehmenskultur. Schon längst ist Ikea mehr als eine blaue Box am Stadtrand, "wir kommen näher zum Kunden", betonte Reitinger und erzählte von kleinen Planungsstudios und dem ersten österreichischen innerstädtischen Outlet am Wiener Westbahnhof. Ikea müsse sich jeden Tag neu erfinden. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad habe schon in den 1970ern im "Testament eines Möbelhändlers festgeschrieben: "Was immer wir heute machen, können wir morgen ein Stück besser machen" und "Nur, weil wir die Besten sind, sind wir noch lange nicht gut." Aktuelle Themen sind auch bei Ikea in Österreich E-Mobilität und Kundenservice, Omnichannel-Angebote und eine ausgewogene Führungsebene.

Günter Thumser begrüßt Nicole Reitinger auf der Bühne.
Johannes Brunnbauer/Markus Wache
Günter Thumser begrüßt Nicole Reitinger auf der Bühne.

Chance und Change

Der anschließenden Diskussionsrunde stellten sich Maurice Beursken, CEO gurkerl.at, Christof Kastner, Geschäftsführer der Kastner Gruppe, Chloé Kayser, CEO mjam, die selbständige Spar-Kauffrau Barbara Kerschberger, und Nicole Reitinger, Chief Business Development und Transformation Officer bei Ikea Austria. Sie alle haben ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Wandel gemacht und erklärten, wie sie sich dem Wandel stellen, ihn vorleben und umsetzen. Gerade in Krisenzeiten muss man flexibel sein, sich schnell adaptieren und nicht zu viele E-Mails schreiben, sagte Kayser. Etwas, das nicht nur auf das Online-Geschäft zutrifft, auch im stationären Handel musste man sich rasch neu orientieren, neue Services anbieten und gezielt auf den Konsumenten eingehen, bestätigte Kerschberger. In der fast 200-jährigen Kastner-Geschichte ist die aktuelle Situation nicht die erste Krise. Christof Kastner hat daraus drei Learnings gezogen: Krisen kommen ohne Vorankündigung, Leadership heißt heute, auch zu kommunizieren und Sicherheit zu vermitteln, und ohne Digitalisierungskompetenz wird man nicht länger bestehen können. Den Service-Gedanken darf man dabei auch nicht außer Acht lassen, dafür muss man nahe am Kunden sein und auf die Wünsche und Anforderungen reagieren, betonte Reitinger, während Beurskens auch über die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern sprach. Man muss sich aufeinander verlassen können, gleichzeitig aber auch einfühlsam sein. Denn die Herausforderungen sind noch nicht vorbei, die Rohstoffverfügbarkeit, Preissteigerungen, aber auch die schwierige Mitarbeitersuche betrifft alle.

Johannes Kopf

Auf diese "Jagd" nach geeigneten Arbeitskräften ging Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservices (AMS), im letzten Vortrag des heurigen CASH Handelsforums näher ein. Seinen Ausführungen zufolge herrscht in Österreichs aktuell ein Arbeitnehmermarkt. Sprich "Sie als Unternehmen müssen zurzeit tanzen und nicht umgekehrt", so Kopf. Diese Situation hat etwa auch dazu geführt, dass das AMS bei Unternehmen nicht mehr um freie Stellen "betteln" muss, sondern diese immer häufiger berät, wie sie Arbeitnehmer gewinnen und halten können. Dabei finde man immer wieder die Situation vor, dass Unternehmen in erster Linie 25- bis 50-jährige Männer, Inländer und ohne gesundheitliche Einschränkungen suchen. Diese machen laut Kopf aber nur einen Anteil von sieben Prozent an den Arbeitsuchenden aus. Er rät daher zu einem breiter angelegten Suchprofil, das auch Frauen, ältere Personen und solche mit einer gesundheitlichen Einschränkung nicht ausschließt. Weiters forderte Kopf einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagesbetreuungsplatz für Kinder. Damit könnten zahlreiche junge Eltern für den österreichischen Arbeitsmarkt gewonnen werden.

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