CASH Logistik Gespräche 2009
 

CASH Logistik Gespräche 2009

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Vom Wachstum zur Kostenoptimierung und umgekehrt. Allen Unkenrufen zum Trotz blicken die heimischen Logistiker zuversichtlich in die Zukunft. Denn eines war spätestens nach den heurigen CASH Logistik Gesprächen jedem Teilnehmer klar: Die Potenziale zur Optimierung sämtlicher Logistik-Schnittstellen sind noch lange nicht ausgeschöpft.

BVL-Präsident Ing. Christian Skaret brachte es auf den Punkt: "Während man in der Logistikbranche in den letzten Jahren die Kosten freiwillig optimierte um Gewinne zu maximieren, sind wir jetzt dazu gezwungen um zu überleben." Und er weiss: "Die Potenziale dazu sind zweifelsfrei vorhanden, nur sollten wir nicht lamentieren, sondern handeln."

Eine Aussage, die für viele der anwesenden Logistiker wie ein Motivationsschub wirkte, was sich vor allem bei den Podiumsdiskussionen zeigte, die allesamt auffallend positiv orientiert waren. auch wenn Prof. (FH) DI Franz Staberhofer, Geschäftsführer des Instituts für Logistik vom allgemeinen Schönreden der momentanen Situation spricht.

Unter der bewährten Moderation von Dr. Nikolaus Hartig und nach den Begrüßungsworten von Manstein Verlag Geschäftsführerin Mag. Dagmar Lang, MBA, Flughafen Wien Vorstandsdirektor Mag. Herbert Kaufmann sowie Christian Skaret warf Prof. Herbert Krejci einen Blick auf die historische Entwicklung der Logistik. Bei Alexander dem Großen und seiner Reise über den HIndukusch nach Indien beginnend machte Krejci relativ schnell klar, dass Logistik eine der ältesten militärischen Führungskünste darstellt, "bei der es damals wie heute nur um eines geht: um Kampf".

Egal ob es sich um Hannibals Eroberungszüge über die Pyrenäen und Alpen mit Elefanten, um Napoleons Einmarsch in Russland, die Schlacht an der Marne im Ersten oder das Unternehmen Barbarossa im Zweiten Weltkrieg handelte, der Erfolg all dieser Unternehmen stand und fiel mit der Logistik. Galt es doch Millionen an Soldaten, hunderttausende Pferde und ebenso viele Kraftfahrzeuge punktgenau zu versorgen. Doch im Gegensatz zu heute, wo vielfach der gesamte Logistikmoloch viel zu kompliziert geworden ist, lag die Kunst damals darin, zumindest so etwas wie eine Basis für Infrastrukturen zu schaffen. Krejcis Konklusio: "Der Weg aus der Krise kann nur über ein gehöriges Maß an Selbstbewusstsein gepaart mit realistischer Demut führen. Und dem Motto 'Keep it simple!'."

Wie dieses Selbstbewußtsein in Symbiose mit zukunftsträchtigen Innovationen aussehen kann, bewiesen unter anderem Ing. Martin Gleiss, Leiter  Konzernlogistik- und Warenfluss bei der Spar, sowie Ralf Teschmit, Geschäftsführer von Lekkerland. Beide setzen neben einer schmalen und effizienten Logistikstruktur vor allem auf Innovationen. Im Zuge deren man ruhig auch einmal daneben greifen kann. Gleiss dazu: "Unsere Experimente mit einem selbsgebastelten Wasserauto kann man ohne weiteres als Flop bezeichnen."

Keineswegs als solcher entpuppte sich das fahrerlose Transportsystem FTS für Flurförderfahrzeuge im Lager, das permanente Messen der TK-Kerntemperatur gemeinsam mit Daily Service, Maßnahmen hinsichtlich besserer Aerodynamik bei Lkw, mehr Rollbehälter pro Tour, mehr Colli pro Rolbehälter und vor allem ein Brief an die Lieferanten, das Zeitintervall zwischen Bestellung und LIeferung auf drei Tage zu verkürzen.

Bei Lekkerland wiederum konnte man durch konsequente Umstrukturierungen samt In-Kauf-Nahme eines Umsatzrückgangs nicht nur das Ergebnis vor Zinsen und Steuern und Abschreibungen dramatisch verbessern, sondern auch die definitive Lieferperformance auf jenseits der 99 Prozent hochtreiben. Und das bei einem einzigartigen Servicelevel, der bis zum Einzelstückartikel reicht. Teschmit über die logistischen Herausforderungen der unmittelbaren und mittelbaren Zukunft: "Convenience mit all ihren Facetten wird zulegen. Daher werden wir den Tatsachen wie kleiner werdenden Haushaltsgrößen, höheren Lebenserwartungen, steigende Mobilität sowie größere Bedeutung des Außer-Haus-Verzehrs verstärkt Rechnung tragen."

Getalkt wurde auch. Und zwar über das Tagungsthema "Logistik 09: Vom Wachstum zur Kostenoptimierung" unter der Moderation von Dkfm. Milan Frühbauer zwischen Logistikern aus Handel (Martin Gleiss, Spar), Industrie (Rainer Herrmann, Iglo), Transportwirtschaft (Christian Braunstein, Logwin und Günther Klee, Daily) und Wissenschaft (Franz Staberhofer, Institut für Logistik). Wobei die Botschaft dieser Talkrunde, wie gesagt: Franz Staberhofer ausgenommen, war, dass zum einen die Krise nur ohnehin bereits angeschlagene Unternehmen nicht überleben werden und zum anderen, dass man dank der Krise nun endlich all das umsetzen kann, was längst fällig gewesen wäre. Günther Klee resümierend: "Wir haben Meinung durch Wissen ersetzt."

Wissenschafter Manfred Gronalt vom Boku-Institut für Produktionswirtschaft und Logistik schnitt in seinem Referat das Thema K9mbinierte Verkehre an und erläuterte unter anderem die Kriterien, die ein Binnenland-Container-Terminal erfüllen sollte. Gronalt gab mit seinen Ausführungen eine perfekte Überletiung zur letzten Podiumsdiskussion des Tages, die sich mit der Zukunft der Kombinierten Verkehre befasste. Fazit quasi aller Teilnehmer: Österreich ist zu klein für optimale Kombinierte Verkehre, die Bahn ist zu teuer und infrastrukturell zu veraltet und die Binnenwasserwege haben schlichtweg keine Bedeutung. Daher wird auch in Zukunft der Lkw Haupttransporteur bleiben. Zumindest so lange die Preise dermaßen im Keller sind.

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Von oben nach unten: Prof. Herbert Krejci, Spar-Logistiker Martin Gleiss und Lekkerland-Chef Ralf Teschmit. Alle Fotos: peter.svec@pixXL.at
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Von oben nach unten: Prof. Herbert Krejci, Spar-Logistiker Martin Gleiss und Lekkerland-Chef Ralf Teschmit. Alle Fotos: peter.svec@pixXL.at
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