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Amazon nimmt Supermärkte ins Visier

Stephan Tromp
Im Jahr 2018 hat Amazon den ersten Supermarkt eröffnet, der ganz ohne Kassen auskommt.
Im Jahr 2018 hat Amazon den ersten Supermarkt eröffnet, der ganz ohne Kassen auskommt.

Der Internet-Gigant will in Großbritannien kostenlose Lebensmittellieferungen anbieten und damit bis Ende des Jahres Millionen von Konsumenten erreichen.

Seit Beginn der Pandemie haben sich im Vereinigten Königreich die Online-Bestellungen von Lebensmitteln fast verdoppelt, wobei der stationäre Handel große Schwierigkeiten hatte, die Nachfrage überhaupt zu befriedigen. Das hat Amazon auf den Plan gerufen, die sich jetzt ein massives Stück des Kuchens sichern wollen.

Gebührenfreie Lieferung

"Dieser Schritt ist von riesiger Bedeutung", erklärt der Retail Analyst Hyman in einem BBC-Interview. "Amazon kann überzeugen, stören und es ist ein Unternehmen mit unstillbarem Ehrgeiz."

Amazon Fresh bietet zurzeit Lieferungen von Lebensmitteln am selben oder nächsten Tag für Kunden in London und Teilen Süd-Ost-Englands an. Die Kunden müssen Amazon Prime-Abonnenten sein und bis vor Kurzem eine zusätzliche monatliche Gebühr oder Liefergebühr pro Bestellung zahlen. Das Sortiment umfasst 10.000 Produkte, einschließlich frischer, gekühlter und gefrorener Lebensmittel. Zukünftig ist diese Dienstleistung für die Abonnenten jedoch gratis. Bis zum Jahresende soll der Roll-out in mehreren britischen Städten erfolgen. "Lebensmittellieferungen sind einer der am schnellsten wachsenden Bereiche bei Amazon", erklärt Russell Jones, Country Manager von Amazon Fresh UK. "Wir glauben, dass sich dieses Service zu einem der beliebtesten Amazon Prime-Vorteile entwickeln wird."

Die Weiterentwicklung der Dienstleistung habe Amazon allerdings schon vor Covid-19 auf dem Schirm gehabt: "Wir planen das schon sehr lange. Es ist der nächste Schritt, das Volumen zu vergrößern. In den ersten Tagen des Lockdowns wurden alle unsere Kapazitäten aufgebraucht, aber wir sind optimistisch, das Service jetzt launchen zu können."

Umkämpfter Markt

Amazon Fresh wird seit 2016 in UK angeboten. Genaue Zahlen wurden dabei immer unter Verschluss gehalten. Laut dem Marktforscher Mintel gibt es allein im Vereinigten Königreich 15 Millionen Abonnenten und somit potenzielle Kunden. Richard Hyman ist überzeugt, dass sich Amazon zu einem der größten Player im Lebensmittelhandel hinauf spielen könnte. Für stationäre Händler sei es ungleich schwerer, Profit mit dem Online-Geschäft als mit dem stationären Geschäft zu machen.

"Das wirklich Furchterregende ist aber für alle, dass sie mit dem Online-Geschäft Geld verdienen müssen, wohingegen Amazon das schlicht nicht muss", bringt der Analyst das Dilemma auf den Punkt. Allerdings sind nicht alle Beobachter von dem Erfolg des Online-Riesen überzeugt, da die Konsumenten Amazon nicht wirklich als Lebensmittelhändler wahrnehmen. Entsprechend müsse hier Aufmerksamkeit generiert und Investitionen getätigt werden: "Der Food- und der Non-Food-Bereich sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Amazon muss aufpassen, den Wettbewerb am britischen Markt nicht zu unterschätzen." Amazon werde sich wohl auf den Premium-Bereich konzentrieren.

Tatsache ist auch, dass alle etablierten Player binnen kürzester Zeit ihre Kapazitäten hochgefahren haben, um die galoppierende Nachfrage bedienen zu können. Der Kampf um den britischen 119 Milliarden schweren Lebensmittelmarkt hat mit dem verstärkten Engagement von Amazon jedenfalls eine neue Dimension bekommen.

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