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CASH+/Dachmarkenforum

Gegen die Klimakrise ist Corona ein Kinderspiel

Bei der Bewältigung der Folgen der Coronakrise steht die Nachhaltigkeit an vorderster Stelle. Noch sind viele Unternehmen dafür nicht gut aufgestellt, meinen die Referenten des ersten digitalen Dachmarkenforums. Starke Marken haben allerdings jetzt eine riesige Chance.

Das erste digitale Dachmarkenforum, im Mai 2020, der Coronakrise geschuldet, moderiert von Maks Giordano zum Thema „Nachhaltigkeit 4.0“ lässt keine Zweifel offen. Philipp Beck, CEO von Atelier 522, zitiert Winston Churchill, britischer Premierminister im Zweiten Weltkrieg: „Vergeudet mir die Krise nicht.“ Denn während die Unternehmen jetzt damit beschäftigt sind, darüber nachzudenken, wie sie ihre Firmen wieder zum Laufen bringen sollen, müssten sie eigentlich etwas ganz anderes tun: sich die Frage nach der Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells zu stellen, wie es Richard Federowski von Roland Berger, formuliert und noch ein Schäuferl nachlegt: „Ist eine EBIT-Marge von 10 Prozent nachhaltig?“ Für Beck ist es klar, dass die Rückkehr zur Normalität nicht das „Normale vor der Krise sein kann.“ Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr, sondern eine unternehmerische Notwendigkeit, meint Federowski. Wer den Weg gehen möchte, muss „sich Wissen aneignen, Ziele setzen und aktiv steuern“, sagt der Unternehmensberater.

Richard Federowski ist Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger

Transparenz als Nachhaltigkeits-Facette

Denn die Nachhaltigkeit hat viele Facetten: zum Beispiel Transparenz. Paradebeispiel dafür ist die US-Modemarke Everlane, die den Kunden wissen lassen, wieviel Dollar von den 79 im Verkauf auf Material, Arbeitsleistung, Logistik, Marketing etc. entfallen. Bei der Schuhmarke „Plant a Tree“ wird für jeden verkauften Schuh ein Baum gepflanzt, immerhin schon 1,8 Millionen Bäume weltweit. Adidas versucht es mit Recycling-Produkten und befreit die Ozeane vom Plastikmüll. Müllvermeidung ist das nächste Stichwort: Moritz Rose, Industriedesigner (IXDS Design) ist überzeugt, dass „Planet-centered“ die neue Kundenzentriertheit sein wird. Sein ehemaliger Arbeitgeber, die Heiztechnik Viessmann, ein Familienunternehmen mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz, hat den C02 Ausstoß um 80 Prozent reduziert, das Gelände mit schnellwachsenden Pappeln umpflanzt und sorgt dafür, dass Messestände nicht am Müll landen, sondern zu 80 Prozent wiederverwertet werden. „Solche Aktivitäten sind in einem börsennotierten Unternehmen nicht möglich, denn sie rechnen sich nicht bis zum nächsten Quartalsabschluss.“ Rose ist überzeugt, dass viele Unternehmen noch gar nicht richtig aufgestellt sind, um nachhaltige Projekte zu verfolgen. Auch seien viele Produkte falsch konzipiert, so dass sie zwangsläufig auf dem Müll landen.

Ein anderes nachhaltiges Projekt: Eine Autowaschsstraße erkennt mit Hilfe künstlicher Intelligenz den Verschmutzungsgrad des Autos und wählt das entsprechende Programm. So spart man Wasser und Waschmittel und der Kunde Geld. Im Testlauf befindet sich gerade ein KI-Projekt, wo die Kassa mit einer Kamera die Gebäcksorten erkennt und selbständig den Preis errechnet. „Das wäre sicher auch für andere Branchen einsetzbar“, erklärt Rose.

Covid 19 wirkt als Booster

Für Federowski steht außer Frage, dass Covid-19 als Booster für bestimmte Themen gewirkt hat: für die Digitalisierung, das sinnhafte Konsumieren – und für Marken, die sichtbar geblieben sind, die den Ton angeben, von denen man weiß, wofür sie stehen. Nachhaltigkeit bedeutet auch Risikomanagement, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. „Die stabile Umsatzentwicklung der Bio-Produkte im Lebensmittelhandel hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit auch krisenfest ist“, sagt Federowski. Und er rät allen Unternehmen sich „Zeit zu nehmen, sich mit all diesen Themen ernsthaft auseinanderzusetzen.“ Philipp Beck macht es noch deutlicher: „Wir müssen uns fragen, welches Verhalten war schädlich, denn wenn wir die Klimakrise nicht ernst nehmen, dann wird Corona im Nachhinein wie ein Kinderspiel aussehen.“

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