Coronavirus: Forderung nach Überarbeitung der...
 
Coronavirus

Forderung nach Überarbeitung der Quarantäneregeln

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Das Ende der Quarantäneregelungen für symptomlose Covid-19-Infizierte wird derzeit umfassend diskutiert. Handelsvertreter sind auch im Hinblick auf die Personalnotstände dafür, der Gesundheitsminister hat noch keine Entscheidung gefällt.

Die hohen Infektionszahlen mit dem Coronavirus machen derzeit auch dem Handel zu schaffen, denn auch hier stehen Personalausfälle an der Tagesordnung, die zu Personalnotständen führen - dennoch muss das Geschäft am Laufen gehalten werden. Wirtschaftskammer und Handelsverband sehen das Problem unter anderem darin, dass viele der auf Covid-19 positiv getesteten Personen in Quarantäne sind, obwohl sie keine oder kaum Symptome haben. Sie fordern schnell praxisnahe Regelungen. "Für uns ist klar: Kundinnen und Kunden brauchen, ebenso wie unsere Betriebe, möglichst pragmatische Rahmenbedingungen, die verständlich und gut umsetzbar sind. Angesichts der Tatsache, dass viele Corona-infizierte Personen über einen nur leichten Krankheitsverlauf ohne Symptome berichten, ist es angebracht, die Quarantäne-Verpflichtung fallen zu lassen", betont Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich.

Bei symptomlosen Verläufen reichen Verkehrsbeschränkungen aus, ist sich auch Handelsverbandsgeschäftsführer Rainer Will sicher, "etwa die Vermeidung von größeren Zusammenkünften oder die Pflicht, eine Maske am Arbeitsort zu tragen, wie es bereits nach der 5-tägigen Quarantäne vorgesehen ist". Er betont weiter, dass die politische Sommerpause nicht starten kann, so lange die "Hausübungen offen sind". "Es braucht eine Evaluierung der gesetzten Covid-Maßnahmen, eine nachvollziehbarere Differenzierung nach Branchen und mehr Eigenverantwortung – unter dem seit jeher vom Handelsverband geprägten Motto ‚Leben und Wirtschaften mit dem Virus‘", sagt Will.

Wiens Gesundheitsstadtrat gegen "Experiment"

Meldungen zufolge soll Gesundheitsminister Johannes Rauch dazu demnächst eine Verordnung mit entsprechenden neuen Vorgaben liefern. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, wie er in einer Pressekonferenz am Freitag (15.7.) betont, unterschiedliche Maßnahmen werden geprüft. Im Allgemeinen geht es aber um eine Lösung für den Herbst, mit dem Wunsch nach bundesweit einheitlichen Regeln. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat sich im Ö1-"Morgenjournal" am 14. Juni aber bereits gegen das "Experiment" ausgesprochen. "Ich schaue sicherlich nicht zu, wie durch eine Laissez-faire-Politik unsere Spitäler in eine Belastungsprobe geschickt werden und da ein Experiment vollführt wird mit einer Zwei-Millionen-Stadt." Er wäre dazu bereits in Gesprächen mit Rauch gewesen, rechne damit, dass die Bedenken ernst genommen werden. Den Kontakt bestätigt auch Rauch, der versichert: "Ich habe mit Wien keinen Konflikt."

Experten sehen das Ende der Quarantäneregelungen zwiegespalten. Unter anderem prallen Argumente wie, dass auch symptomlose Infizierte ansteckend seien und so das Virus weitergeben können, auf Aussagen, dass bei so hohen Infektionszahlen die Quarantäne ohnehin wenig nutzen hätte. Auch die Folgen für die Wirtschaft werden immer wieder ins Spiel gebracht.

Teuerungswelle nimmt weiter zu

Apropos Wirtschaft. Abgesehen vom Personalthema ist auch in der Preisthematik keine Erholung in Sicht. Laut Schätzungen von Statistik Austria liegt die Inflation im Juni bei 8,7 Prozent. Das wäre ein Anstieg des Preisniveaus gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent und der höchste Wert seit September 1975. "Mittlerweile hat die Teuerung in nahezu allen Bereichen Fahrt aufgenommen. Neben neuerlichen Anstiegen der Treibstoff- und Heizölpreise sehen wir auch in den Restaurants und im Lebensmittelhandel deutliche Preissteigerungen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Auch der Großhandelspreisindex schafft keine Erleichterung. Im Vergleicht zum Juni 2021 ist dieser mit plus 26,5 Prozent regelrecht explodiert. Die Großhandelspreise gelten auch als Frühindikator für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Der Handelsverband erwartet entsprechend einen "heißen Herbst" für den heimischen Handel.

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