Coronavirus: Grundversorgung versus Wettbewer...
 
Coronavirus

Grundversorgung versus Wettbewerbsverzerrung

Stefan Pirker
Österreichweit sind laut RegioPlan Consulting aktuell 73 Prozent der Verkaufsflächen geschlossen.
Österreichweit sind laut RegioPlan Consulting aktuell 73 Prozent der Verkaufsflächen geschlossen.

Der derzeit behördlich geschlossene Einzelhandel ortet eine massive Diskriminierung gegenüber LEH und DFH die weiterhin geöffnet haben dürfen und verstärkt Non-Food-2-Artikel verkaufen.

Spielzeug aus dem Hypermarkt oder die Blumenerde vom Diskonter - diese beiden Artikel und viele weitere Nicht-Lebensmittel sind aktuell der Auslöser einer heftigen Debatte im österreichischen Handel. Ein Vorarlberger Spielwarenanbieter hat deshalb sogar Anzeige gegen Handelsketten erstattet, die diese Waren verkaufen, während er geschlossen halten muss.
Um im Kampf gegen das Coronavirus nicht Zeit zu verlieren, wurde in kürzester Zeit die Schließung von rund 73 Prozent der gesamten Verkaufsfläche Österreichs beschlossen, ohne alle Details zu klären. Es gab lediglich eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelhändler, Produkte, die über den Grundbedarf hinausgehen, nicht aggressiv zu bewerben. Diese jedoch gänzlich aus dem Verkauf zu nehmen, würde den Lebensmittelhandel vor große Herausforderungen stellen, schließlich sind Verkaufsflächen in der Regel als buntes Puzzle aus verschiedenen Warengruppen aufgebaut, die sich nicht von heute auf morgen voneinander abtrennen lassen.

Dieser Ungleichbehandlung zwischen behördlich geschlossenen und geöffneten Geschäften sind sich auch Regierung und Arbeitgebervertretung bewusst. Finanzminister Gernot Blümel betonte etwa, dass sich die Corona-Situation täglich ändere und dass die Regierung an Verbesserungen ständig arbeite. Michael Böheim, Wettbewerbsexperte des Wifo, forderte wiederum in der Onlineausgabe der Tageszeitung "Der Standard", dass der Konflikt unter den Händlern mittels Kompensationszahlungen der Regierung gelöst werden sollte. Der Staat müsse ihnen ihren Umsatzentgang fair abfedern, alle betroffenen gehörten entschädigt, so Böheim.
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