Coronavirus: Lockdown: Handel bleibt geöffnet
 
Coronavirus

Lockdown: Handel bleibt geöffnet

Edwin Hooper/Unsplash

Der gesamte Handel ist diesmal von den Schließungen im Rahmen des zweiten Lockdowns ausgenommen. Die Freude hält sich in Grenzen.

Nach Deutschland und Frankreich zieht nun auch die Alpenrepublik nach. Am vergangenen Samstag, 31. Oktober, verkündete die Regierung im Rahmen einer Pressekonferenz den zweiten Lockdown in Österreich. Der Handel bleibt diesmal offen, allerdings gibt es nächtliche Ausgangsbeschränkungen und die Gastronomie muss wie Kinos, Theater und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben. Die Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung soll am Dienstag um 00:00 Uhr in Kraft treten und jedenfalls bis 30. November bleiben. Die Ausgangsbeschränkungen gelten vorerst bis inklusive 12. November 2020 und werden dann evaluiert.

Verschärfte Hygienemaßnahmen

Obwohl der Handel von den Schließungen nicht betroffen ist, muss er sich wieder umstellen. Die Maßnahmen sind ähnlich wie im Frühjahr. So wird etwa wieder die Beschränkung gelten, dass pro Kunde im Geschäft 10 m² zur Verfügung stehen müssen. Das Tragen des Mund-Nasen-Schutz bleibt natürlich ebenfalls bestehen. Der Lebensmittelhandel sieht sich gewappnet. "Wir sind auf kommende Maßnahmen gut vorbereitet. Die Kundinnen und Kunden können sicher sein: Die Warenverfügbarkeit ist derzeit uneingeschränkt gesichert, Lagerstände wurden zeitgerecht und vorsorglich erhöht - insbesondere bei Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel oder Desinfektionsmittel. Bei frischen Lebensmitteln erfolgen Filial-Belieferungen regelmäßig, bei Bedarf auch mehrmals täglich", erklärt zum Beispiel Marcel Haraszti, Vorsitzender Billa Merkur Österreich. Auch der Diskont ist vorbereitet. "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um den Bedarf unserer Kundinnen und Kunden auch in den kommenden Tagen und Wochen bestmöglich abdecken zu können. Wir haben aus der sprunghaften Nachfrage im Frühling wichtige Erfahrungen gesammelt und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Auch dank unseres eingespielten Netzwerkes mit Dutzenden heimischen und regionalen Lieferanten werden wir die tägliche Versorgung mit frischen Lebensmitteln sicherstellen. Hamsterkäufe sind keinesfalls notwendig", so Hofer CEO Horst Leitner.

Lebensmittelgroßhandel und Textilhandel massiv betroffen

Schwieriger wird es für den Lebensmittelgroßhandel. Durch den erneuten Ausfall der Gastronomie rechnet man wieder mit großen Umsatzeinbußen. Aufgrund der fehlenden Laufkundschaft und das Reduzieren von Freizeitveranstaltungen hat auch der stationäre Einzelhandel allen voran die Bereiche Bekleidung, Schuhe, Uhren und Schmuck trotz Öffnung zu knabbern. "Wenn beispielsweise keine Bälle stattfinden, werden keine Ballkleider, keine neuen Schuhe und keine Accessoires mehr gebraucht. Der Cocooning-Trend hat bereits im Frühjahr zu einem massiven Rückgang im Bekleidungsbereich geführt", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Er fordert auch hier Entschädigungsregelungen. Denn die finanzielle Unterstützung für im November geschlossene Betriebe von 80 Prozent des Vorjahresumsatzes in diesem Zeitraum gilt nicht für heimische Händler. "Der Handel hat angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen vollstes Verständnis für die neuen Covid-Maßnahmen. Jetzt braucht es aber auch Verständnis dafür, dass der Handel – auch wenn er weiterhin offenhalten darf – in bestimmten Sektoren Wirtschaftshilfen und Entschädigungen im selben Ausmaß benötigen wird wie jene Branchen, die von einem Betretungsverbot betroffen sind. Wir dürfen die Kollateraleffekte des Lockdowns nicht vergessen", so Will. "Der neuerliche Lockdown wird tiefe Spuren im Handel hinterlassen. Viele Betriebe haben langfristig in ihren Wareneinsatz investiert. Es geht hier um wirtschaftliche Existenzen."

Adaption des Kurzarbeitmodells auch für den Handel

Um Kündigungen und eine erneute Steigerung der Arbeitslosigkeit zu verhindern, kündigt die Regierung ein weiteres Kurzarbeitsmodell an. Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel, begrüßt die Anpassungen, die auch den Handel einschließen: "Ich rechne in den nächsten Wochen damit, dass auch im Handel weniger Mitarbeiter gebraucht werden. Um die Arbeitsplätze zu sichern und zu erhalten, muss auch für die Handelsunternehmen die Möglichkeit bestehen, die Arbeitszeit unbürokratisch von derzeit 30 Prozent auf ein geringeres Ausmaß zu reduzieren." Und sagt weiter: "Es geht in der jetzigen Situation um Gerechtigkeit und Fairness für alle Betriebe – für jene, die offen haben, und für jene, die schließen müssen. Auch indirekt Betroffene wie zum Beispiel der Großhandel, der die nun geschlossene Gastronomie beliefert, brauchen rasch finanzielle Unterstützung. Weniger Kundenfrequenz bedeutet weniger Umsatz. Dafür braucht auch der Handel eine rasche finanzielle Kompensation – für alle Betriebe, die unverschuldet in diese schwierige Lage gekommen sind."
stats